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wurde Domherr zu Augsburg und erhielt
1735 von Kaiser Kar l V I . die Probstei
Földvar in Ungarn. Der andere Keopol
(neb. 11. April 4708. gest. 4764) trat i
kaiserliche Kriegsdienste und ward Oberf
im Kürassier»Regimente. dessen Inhaber sein
Vater war. — Heinrich (geb. 29. Septem
der 1674-, gest. 1741). jüngerer Vruder de,
zwei Vorigen. Georg und Phi l ipp, tra!
auch zur katholischen Religion über. I n dei
kaiserl. Armee dienend, zog er mit Koni?
Karl H I . nach Spanien, wurde kaiserl,
Feldmarschall'Lieutenant, und ist durch seit,
tapfere Vertheidigung Lerida's in Catalonien
im Jahre 170? berühmt. — Ludwig (geb.
5. April 1691, gest. 1768), ist der ältest,
Sohn Ernst Ludwig's, Landgrafen zu
HesseN'Darmstadt, au5 dessen Ehe mit Do
rothea Charlotte Prinzessin von Bran<
denburg'Anspach. Ludwig war Gene.
ral der Cavallerie in der kaiserlichen Armee
und befand sich am kaiserlichen Hofe zu Wien,
als Mar ia Theresia fast noch ein Kind
war. Der Landgraf, der für die schöne Kai«
sertochter eine zärtliche Neigung empfand,
bewahrte ihr die innige Verehrung sein ganzes
Leben hindurch. Er war es auch, der daS
Decret der Churfürsten, welches den Lothringer«
herzog Franz Stephan zum Kaiser wählte,
nach Heidelberg überbrachte. Nachdem er 1739
nach seines Vaters Tode die Regierung übernom»
mrn hatte, half er im österreichischen Erbfolge«
und im siebenjährigen Kriege der Kaiserin mit
seinen Truppen so gut er konnte. Die Zusam«
menkunft, welche der bereits im hohen Alter
stehende Landgraf (er zählte damals 73 Jahre)
im Jahre 1764 mit dem Kaiser Franz I.
Stephan und dessen Sohne Joseph I I . ,
damaligem römischen Könige, bei Heusen«
stamm hatte, und bei welcher der Kaiser
seinem Sohne den Landgrafen mit den Wor»
ten: „Hier mein bester Freund" vorstellte,
erzählt Göthe in „Dichtung und Wahrheit"
in seiner unnachahmlich schlichten und um so
wirksameren Weise. — Georg (geb. 11. Juli
1722. gest. 1782). Sohn Ludwig's V I I I .
Landgrafen von Hrssen-Darmstadt (des Vor-
genannten), aus dessen Ehe mit Charlotte
Christiane Erbgräsin von Ha'nau»Lich«
tenburg. stand zuerst in preußischen Kriegs«
diensten. die er 1747 verließ, worauf er in
österreichische trat, in denen er, 63 Jahre alt,
starb. — Georg (geb. 31. August 1780. gest.
17. April 1856). Sohn Ludwig's I., (ersten)
Großhcrzogs von Hessen»Darmstadt (als Land' graf Ludwig IX.), aus dessen Ehe mit
seiner Nichte Luise, Tochter seines Vaters«
bruderS Landgrafen Georg Wilhelm.
Georg trat in österreichische Dienste, in
denen er bis 1804 verblieb, in welchem Jahre
(29. Jänner) er sich mit Laruline von TöM
de Szendro (geb. 23. April 1786) vermalte
und aus der kaiserlichen Armee trat. Seine
Gemalin wurde 1822 zur Fürstin von Nid da
erhoben. Georg war zuletzt großherzoglich
hessischer General. — Friedrich (geb. 14. Mai
1788), Bruder Georg's ss. d. Vorigen). Er
war zuerst in österreichischen Dienst getreten,
vertauschte aber später diesen mit dem franzö»
fischen, dann mit dem niederländischen; auch
war der Prinz in Spanien und ein Anhänger
Don Miguel's. Im Jahre 1808 war er in
Rom zum katholischen Glauben übergetreten. —
Ueber den Prinzen Emi l . Bruder der zwei
Vorigen. Georg und Friedrich, kaiserl.
österreichischer Feldzeugmeister und Ritter des
Maria Theresien<Ordens, siehe den besondern
Artikel S. 43l. — Der gegenwärtige Groß.
herzog Ludwig I I I . (geb. 9. Juni 1806) ist
Inhaber des österreichischen Infanterie-Regi«
ments Nr. 14. Ueber die Helden» und Diplo«
matenrolle aber, welche seinem Bruder, dem
Landgrafen Alerander, in Oesterreichs neue»
stcr Geschichte zu spielen gegönnt war, siehe
den besondern Artikel S. 427. — 2) Von
der Mlgern Linie Hessen-Homburg. In
dieser von Friedrich I., dem nachgebornen
Sohne des ersten Landgrafen uon Darm-
stadt GeorgI . des Frommen (gest. 7. Februar
1396), im Jahre 1622 gestifteten hessen.darm»
städtischen Nebenlinie tritt in den lchten zwei
Jahrhunderten eine Reihe von Helden und
Feldherrn auf, welche eine glänzende Nolle,
insbesondere ader in den Befreiungskriegen zu
Anfang unsers Jahrhunderts spielt. Sie theilt
sich in den Ruhm, welchen die Sproßcn der
Hessen»Cassel'schen Nebenlinie, Hessen<Philipps»
thal, erworben haben. Mit Uebergehung aller
in fremden Diensten Gestandenen, unter denen
der berühmte Landgraf Friedrich I I . mit dem
silbernen Veine (geb. 30. Mai 1633, gest.
24.Jänner 1?U8) als Sieger uon Fehrbell in
(1675). mit welchem er dem Hause Branden»
bürg europäischen Ruhm erfocht, obenan steht,
kann hier nur jener gedacht werden, welche im
Dienste der kaiserlichen Armee für Deutsch-
land gekämpft haben. Schon der Landgraf
Friedrich V.. dessen treffliche Regierung
noch im Andenken seines Volkes lebt, war
in den letzten Zeiten des deutschen Reiches
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon