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Böhmen 16. Mai 1799. gest. 10. Iän<
ner 186<). Sein Vater, Lehrer zu Koce-
rada, war selbst ein geschickter Musiker
und ging dieses Talent auf sammt-
liche Glieder seiner zahlreichen Familie,
fünf Söhne und vier Töchter, über. Von
ersteren zeigte Johann Wilhelm in
früher Jugend eine ungewöhnliche Bega-
bung. Als er sechs Jahre alt war. wurde
er mit seinen Geschwistern von schwerer
Krankheit befallender genas, aber — er
war blind geworden. Karl Graf Kheven«
hüller nahm sich des erblindeten Kna-
ben an und gab ihn 1810 in das Blin»
den-Institut auf der Kleinseite in Prag.
Daselbst entwickelte sich sein musikalisches
Talent immer mehr und neben anderen
Instrumenten blies er mit Vorliebe
und Kunstfertigkeit die Flöte. Professor
Ianys, selbst ein trefflicher Flötist,
wendete sich dem Knaben mit besonderer
Vorliebe zu. 1816 verließ er die Anstalt
und begab sich nach Wien, wo er sich
von Professor Beer Md. I, S. 222)
operiren ließ. Aber die Operation gelang
nicht vollkommen, H. bekam nur einen
sogenannten Lichtschein, mehr nicht. In-
dessen war er insoweit Meister im Flöten»
spiel geworden, daß er 1822 zuerst in
Prag öffentlich auftrat. Als man sein
Spiel lobte, meinte er. daß er noch besser
blasen würde, wenn er eine bessere Flöte
besäße. In Folge dessen schenkte ihm
Kaiser Franz hundert Gulden, um wel-
ches Gcld er ein treffliches Instrument
in Wien kaufte. Von nun an unternahm
H. Kunstreifen und zwar 1825 nach
Karlsbad, dann nach Brunn. Olmütz.
wo er sich vor Erzherzog Rudolph
hören ließ, 1826 und 1827 nach Schle-
sien. 1829 nach Pesth. Belgrad. Agram,
Karlowitz. Trieft, Laibach; dann besuchte
er auch daS Ausland und spielte in Dres-
den, Nürnberg, Bamberg, Caffel, Coburg. Gotha u. a. O. Von diesen Kunstaus'
stügen hatte er sich in einigen Jahren
ein kleines Capital erworben, von dem
er in seinem Geburtsorte lebte. Eine
Feuersbrunst brachte ihn 1843 um sein
kleines Eigenthum und nur seine Flöte
hatte er gerettet. Nun gab er wieder
Concerte und erübrigte nach Jahren eine
Summe, um ein Häuschen zu kaufen, in
welchem er in bescheidener Zurückgezogen-
heit von seinen Kunstwanderungen aus-
ruhte. H. starb bald darauf im Alter
von 62 Jahren. Für die Flöte hatte er
mehrere Solostücke und Lieder compo-
nirt.
Dal i bor. öasoxis xi-o Iiuädu, äivaäw a
umöni vüdeo, d. i. Dalidor. Zeitschrift für
Musik. Theater u. s. w. Redacteur Emanuel
Mel is (Prag. 4°.) V. Jahrg. (1862). Nr. 10
u. l i : „^au Vil6m llrdslc". — Dlabacz
in seinem „Künstler Lexikon". Bd. I, S. 669,
gedenkt eines Math ias Hrbek (gest. 28. Oct.
l735). der ein geschickter Schul« und Chorrector
in Tabor war. und eines Ignaz Hrbek. der
auch in Tabor (nach 1790) lebte und ein guter
Organist und Violoncellist war, vielleicht Groß'
vater und Vater des Obigen.
.hlib, Wenzel Franz (Schriftstel-
ler, geb. zu Hlinsko in Böhmen 176l),
gest. zu B r ü nn 21. Februar 1827). Der
Sohn eines Krämers, besuchte er die
Iesuitenschule zu Chlum in Böhmen,
spater in Olmütz. Nun trat er als Pri-
vatbeamter in die Dienste des Grafen
Kinsky, 1797 aber in kais. Dienste
über und zwar als Official bei der
Staatsbuchhaltung in Brünn. Daselbst
befreundete er sich mit dem Augustiner
Philipp Nedela und mit dem Welt-
geistlichen Thomas Fryöaj M . IV,.
S. 388^, und wurde durch diese beiden
Männer zu literarischen Arbeiten angeregt.
Hi-ib gab heraus: „^osHnSsnz ?n?/s?s
^ Zo/zn kailo '^eHs ^ssiMn,Hl/") d. i. Erha«
bene Gedanken zu Gott (Brünn 1802)-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon