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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hibler-Hysel, Band 9
Seite - 443 -
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Seite - 443 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hibler-Hysel, Band 9

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Hurter 443 Hurter vertraut gemacht, in eine förmliche geistige Einigung verwandelte. Im Jahre 1804, 17 Jahre alt, begab sich H. zum Beginne seiner Berufsstudien nach Gör» tingen; dort hörte er exegetische Collegien bei Eichhorn, kirchenhistorische bei Plank, Dogmatik bei Stäudl in , und griechische Alterthümer bei Heyne, besuchte sehr fleißig die Bibliothek und blieb daselbst bis 1808. I n die Zwischen, zeit fallen ein Ferienausftug nach Hol« land und ein Besuch der berühmten Abtei St. Blasien im Schwarzwald, welch' letzterer einen bleibenden Eindruck auf den Jüngling machte, der eben daran ging, sich dem Predigeramte zu widmen und schon in jener Zeit — denn H. war von evangelischen Eltern — zum katho- tischen Glauben sich hingezogen fühlte. Nach abgelegtem Eramm trat H. das Predigeramt an und zugleich erschien sein erstes Werk, die „Geschichte Theo- dorich's" im Drucke. Mit dem Eintritte in sein neues Amt wurden seine Bedenken, ob der Protestantismus jene höhere Mis- sion, die ein positives Glaubenssyftem zu erfüllen habe, überhaupt zu erfüllen im Stande sei, immer nachhaltiger und ge- wichtiger. Bald darauf wurde H. auf eine Landpfarrei verseht, welche er 1810 mit einer neuen, näher bei Schaffhausen gelege» nen. vertauschte. Bei seinen Wissenschaft» lichen Vertiefungen in die alte Geschichte, in die Einfachheit ihrer Sitten und Bräuche, wurde ihm der alleS verflachende Geist seiner Zeitgenossen immer widerwärtiger und aus jener Zeit datiren seine Vor» bereitungen zu emem Angriffsplane gegen das sich immer mehr verbreitende Schlag- wort: „Es paßt nicht mehr für unsere Zeit", und Hurter's ganzes künftiges Leben ist ein Feldzug gegen diese Phrase. Die politischen Ereignisse deS Jahres 1813 drängten H. auch auf das Gebiet der Publicistik, er arbeitete an dem 1814 begründeten „Schweizerischen Correspon- denten", an dessen Herausgabe er durch 20 Jahre hindurch den größten Antheil hatte, und in welchem sich sein glühender Haß gegen Napoleon den „Weltver« wüster" kund gibt. Inzwischen war H. in seinem Amte erfolgreich thätig, nahm die Geistlichkeit gegen das siebedrückende Steuergesetz des Cantons in einer mit aller Gründlichkeit gearbeiteten Denk» schrift in Schutz, wodurch er viele Freunde unter seinen Collegen gewann, nahm nicht unwesentlichen Antheil an den Schulreformen des CantonS, hintertrieb die Beseitigung des Heidelberger Kate« chismus und begann die Vorstudien zu feinem „Innocenz I I I . " Auch fallt in diese Zeit sein offenes und heimliches Auftreten gegen die religiösen Spiegel» fechtereien der Frau von Krudener, die im Frühjahr 1817 die Schweiz zum Schauplatz ihrer wandernden Predigten gemacht, vielen Anhang gefunden hatte, bis sie des Landes verwiesen wurde, worauf sie in dem benachbarten Baden ihren Unfug von vorne begann. Am 3. September 1824 wurde H. zum zweiten Vorsteher der Geistlichkeit in Schaffhausen erwählt und vertauschte nun seinen bisherigen Landaufenthalt mit dem in der Stadt. I n seiner neuen Stellung nahm H. auch Antheil an den politischen Bewegungen deS Cantons und war ein energischer Vertreter der Partei, welche den nöthigen Reformen das geschichtlich und rechtlich Bestandene wie« der zu Grund legen wollte. Aber als die Revolution Ende 1830 in Frankreich auöbrach und die Bewegungspartei ihre Sendlinge auch in die Schweiz geschickt, blieb auch der Canton Schaffhcwsen nicht verschont, und indem H. sich von aller Betheiligung an den gewaltthatigen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hibler-Hysel, Band 9
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Hibler-Hysel
Band
9
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
518
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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