Seite - 320 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Bild der Seite - 320 -
Text der Seite - 320 -
320
hingegen erregte Aufsehen seine mufter«
hafte Uebersetzung von Milton'S vev
lornemParadieS, herausgegeben unter dem
Titel: „^ana Hs
2 Theile (Prag 1811, 2. Auflage im
Verlage der Hlatioo öez^ä. 1842. als
3. Heft der „Novoöeskä.
Ueber vier Jahre, von 1800—1804,
hatte I . daran gearbeitet und damit sei
nem Volke, abgesehen von dem poetischen
Werthe dieser Uebersetzung, einen wahren
Sprachschah überliefert, der um so mehr
bewundernöwerth ist, als in jener Zeit
die öechische Sprache noch mit' dem
Banne eineS traurigen Verfalls behaftet
war. Diese Uebersehungen hatten I .
unwillkürlich in die Forschungen auf
sprachlichem Gebiete sich vertiefen lassen.
Nun kam ein Anstoß von außen noch
hinzu. Es waren nämlich in den Jahren
1816 und 1318 mehrere Erlässe herabge
langt, mit denen eine bessere Pflege der
öechischen Sprache an den Lehranstalten
angeordnet wurde; es fehlte aber ein
geeignetes Handbuch zur Verwirklichung
dieser Anordnung. Der Prälat von Stra
how, Milo Grün, zu jener Zeit Studien
director, forderte Iungmann auf, ein
solches Werk zu schreiben. I . war wohl
zunächst berufen, diese Aufgabe zu lösen;
schon bei seinen bisherigen Arbeiten hatte
er immer gründlicher und umfassender die
Schatze der alteren öechischen Literatur
kennen gelernt, die im großen Publikum
gar nicht gekannt waren. Um dieselben in
einer Auswahl bekannt zu machen und im
Volke die Liebe für die geistigen Schöpfun»
gen seiner besten Manner zu erwecken,
begann er die Zusammenstellung einer
Chrestomatie, in welcher die Musterstücke
der älteren öechischen Literatur in Prosa
und Dichtung in geschickter Auswahl
vereinigt waren. Dieses Werk gab er
unter dem Titel: 1820, 8o.) heraus.
Eine zweite Auflage erschien im Jahre
1843, sie ist wesentlich umgearbeitet und
vermehrt, und wurde von dem böhmischen
Museum in die von demselben heraus«
gegebene „Novoöeskä. dib1iot6ka" auf«
genommen, in welcher es den 3. Band
bildet. Den Lesestücken ist eine Stylistik
vorausgeschickt, die zwar auch in der
zweiten Auflage noch ungenügend ist,
aber als erstes Werk dieser Art eine ver.
dientermaßen beifällige Aufnahme fand.
Schon im Jahre 1806, also noch während
seines Aufenthaltes in Leitmeritz, hatte I .
mit den Vorarbeiten zu einer Geschichte
der böhmischen Sprache und Literatur
begonnen. Was bis dahin über diesen
Gegenstand vorhanden war genügte selbst
den billigsten Anforderungen nicht mehr.
Dobrowsky'S Geschichte der böhmi«
schen Sprache und Literatur, obwohl in
zwei Auflagen gedruckt, war bereits
selten geworden und reichte nur bis zum
Jahre 1826. Ia fa i l k hat in seiner
Geschichte der slavischen Literatur jene
von Böhmen neben jener der anderen
slavischen Völker behandelt, ihr also
nur einen beschränkten Raum widmen
können; das Unternehmen war demnach
gerechtfertigt, jedoch hatte eS I., über«
häuft von anderen, vornehmlich lerika«
tischen Arbeiten, seit mehreren Jahren
liegen gelassen. Erst über Aufforderung
des berühmten polnischen Lexikographen
Linde nahm er die bei Seite gelegte
Arbeit wieder auf und gab sie unter dem
Titel:
1823, gr. 8".) heraus; eine zweite
vermehrte Auflage, von W. W. Tomek
besorgt, erschien nach seinem Tode im
Jahre 1849. Wie werthvoll die bisher
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon