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durch Ersparnisse seiner Mutter vermehrt
wurde, begab er sich nach Paris, wo er
in der damaligen kaiserlichen und in einer
Privat'Akademie Unterricht nahm und
sich besonders im Zeichnen übte und
unter Salvage Anatomie studirte. Als er
eines Tages die Copie einer Büste dem
Meistor vorgewiesen und dieser die Arbeit
mit dem Spotte: „0n voit disn qus os
li'kLt paä 1a tZto tl'un ckoval" abgethan
hatte, da erwachte in ihm der ganze
Künstlerstolz und mit unermüdetem Fleiße
strebte er einer der Besten zu werden, er«
rang auch 1811 eine der für Kunsteleven
ausgesetzten Preismedaillen und zeichnete
für
sich
mehrere große Blätter: die„Mllilllnnll
(>2 KMMilliöl«)", einen „H. Johannes" nach
Raphael und „I12 zzinle vier^ k 2lix linzez")
deren Stich er auch begonnen, aber —
weil die Kunst nach Brot gehen mußte —
nicht vollendet hat. Ueberdieß der Um«
gang mit Mül ler , dem Architekten
Fischer, beide aus Stuttgart, mit
Ulm er, Geißler, Dann ecker u. A.
förderte ihn nicht wenig, läuterte seine
Kunstanschauungen und hob seinen Ge»
schmack. Bruderliebe rief ihn l8 l l nach
Neapel. Aber gleich bei seiner Ankunft
hatten sich seine Verhältnisse so mißlich
gestaltet, daß jeder Gedauke an künst-
lerische Studien, wie er sie ursprünglich
beabsichtigt hatte, aufgegeben und um
das tägliche Brot gearbeitet werden
mußte. Er gab nun reichen englischen
Familien Unterricht im Zeichnen, und stach
»mehrere Blatter mit Ansichten von
Neapel und der Umgegend, 12 Costum-
dlätter: Scenen des täglichen Lebens des
neapolitanischen Volkes, in Pinel l i 's
Manier eine seiner besten Arbeiten; erhielt
von M i l l i n Aufträge zu Abbildungen
für seine Kunstreisen u. dgl. m. Nach
einem 3jährigen Aufenthalte in Neapel
folgte er einer Einladung seines Bruders nach Wien, wo er sich bleibend niederließ
und auch leider für die Kunst zu früh, im
Alter von 40 Jahren, starb. I n Wien,
wo er akademischer, nach Mül ler und
Klunzinger sogar Hofkupferstecher
wurde, hat K. viel gearbeitet; so hat er
die von Kneipp gezeichneten Landschaft»
studien trefflich radirt. Diese 43 Blätter
erschienen unter dem Titel: „Grundlinien
zur I.'llliü5chaft2zrichnuiig nan Kneipp und Kaiser"
(Wien, C.F.Müller); stach ferner für
den Fürsten Lichnowsky: „Denkmäler
altdeutscher Nanknn5t des ÜZterreichiHen Kaiser-
Staates", 3 Blätter, und zwar: „Ner Haupt-
riilgang der Ztephanskirche in Wien"; den
„Unken Seitenglllig der Stephanskirche" und
den „Hanptringllng der Milillritenkirche in
Ä5ien"; ferner mehrere Blatter für
Hammer' s „ Fundgruben deS Orients",
für Schickh's „Wiener Zeitschrift für
Kunst, Literatur u. s. w." und für C. I .
Müller 's Kunstverlag mehrere Darstel-
lungen neuer Gartenanlagen. Kaiser
verstand eS mit besonderer Fertigkeit die
kalte Nadel zu handhaben, seine Arbeiten
zeugen ebenso von Fleiß wie von künstle»
rischer Fertigkeit und echtem Kunstgefühl.
Die Anatomie seiner Figuren ist kunst-
gerecht. Unter günstigeren Verhältnissen
und bei befferer Gesundheit, denn K. war
verwachsen und sehr leidend, hätte er es
zu nicht gewöhnlicher Bedeutung gebracht.
Kunst.Blatt (Stuttgart. Cotta. 4".) Jahrg.
l820. Nr. 8: „Friedrich Kaiser, akademischer
Kupferstecher in Wien", von I. (5. S chmid.
— (Hormayr's) Archiv für Geographie,
Historie. Staats« und Kriegskunst (Wien. 4°.)
Jahrgang ^H (l821). Nr. 132, S. 523. —
Die Künstler aller Zeiten und Völker^ Be>
gönnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt
von Or. Klunzinger (Stuttgart 1837, Ebner
und Seubert. gr. ti«.) Bd. I I , S. 454 n^ach
diesem Werke und nach Weyerinann heißt
er Ludwig Friedrich). — Weyermann
(Alor.). Neue historisch» biographisch »arti«
stische Nachrichten von Gelehrten und Künst«
lern u. s. w. der vormaligen Reichsstadt Ulm
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon