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Mehoffer 272 Mehoffer
KreiSamter veranlaßt werden sollte. Auf
seinem Posten entfaltete M. eine so ener<
gische und verdienstliche Thätigkeit, daß
er im Jahre 1780 den Charakter eines
Ob^raufschers der deutschen Schulen in
Mähren erhielt. Als dann im Jahre
1782 das österreichische Schlesien mit
Mähren vereinigt, d. h. unter das mäh»
tische Gubernium gestellt wurde, wurden
M. auch die schlesischen Schulen zugetheilt
und erhielt er den Auftrag,
sie
nach dem
in Mahren bestehenden Plane einzurich.
ten. Um ferner dem Schulwesen eine
größere Unterstützung und einen einheit-
lichen Charakter zu geben, befahl Kaiser
Joseph I I . im Jahre 1787, daß bei
jedem Kreisamte ein eigener Schulcom»
missär anzustellen sei. Dieser wurde nach
M.'s Vorschlag ernannt, von ihm genau
insttuirt und war in seinem Amte über«
Haupt an den Schul'Oberaufseher ange-
wiescn. Der Erfolg aber, den man sich
von diesen Schulcommiffärm versprach,
war nicht erzielt worden, auch beschwerten
sich einige Bischöfe, daß sie mit dem
Schulwesen in keiner Verbindung stäii'
den, und so wurden auf Befehl des Kai«
serS Franz die Schulcommiffäre außer
Wirksamkeit gefetzt und im Jahre 1804
ein neuer Schulplan in Ausführung ge»
bracht. Die Hauptpuncte desselben be-
standen darin: daß das deutsche
Schulwesen den bischöflichen
C o n s i s t o r i e n untergeordnet
wurde, und daß die weltlichen
Oberaufseher, an deren Stel le
bei den Consistorien geistliche
Referenten von den Bischöfen
vorgeschlagen werden mußten,
bei den Gubernien in dem Stu>
dien«Departement anges te l l t
werden sollten. So verlor M. seine
Stelle als Oberaufseher der deutschen
Schulen in Mahren und Schlesien, welche er nahezu durch dreißig Jahre bekleidet,
und während welcher Zeit er machtig zur
Aufnahme des Schulwesens in diesen
Landern beigetragen hatte. Als nämlich
M. im Jahre 1773 sein neues Amt an-
trat, besuchten im ganzen Lande kaum
10.000 Kinder die Schulen, als er seinen
Posten in Folge des neuen Schulplanes
aufgeben mußte, befanden sich im Lande
1548Schulen, welche von 146.894Schü-
lern besucht wurden, ungerechnet die
28.886 Erwachsenen, welche nur an
Sonn» und Feiertagen in den Schulen
unterrichtet wurden. Den Consistorien
war offenbar die durch den tüchtigen Un-
terricht fortschreitende Bildung der unteren
Volksclaffen, welche die weltliche Schul-
oberaufsicht nach Kräften förderte, be»
drohlich erschienen. Mehoffer war
schon im Jahre 1796 in Anerkennung
seiner Verdienste um das Schulwesen,
„das unter seiner Leitung in jedem Be-
züge gewonnen hatte", wie es im
Diplome heißt, in den erbländischen
Adelstand erhoben worden. Im Jahre
1804, als der neue Schulplan in's Leben
trat, erhielt er als Entgelt für den Ver.
lust seines Oberaufseherpostens den Titel
eines kaiserlichen Rathes und wurde er
bei dem mahrisch»schlesischen Gubernium
dem geistlichen Departement als Referent
des deutschen Schulwesens zugetheilt.
Noch ist zu bemerken, daß M. den Plan
des Pensions'Institutes für Schullehrer.
Witwen und Waisen in Mahren und
Schlesien entworfen hat. Nach seinem
Tode gab I . I . H. Czikann Mehof-
fer's „Erdkunde der Markgrafscbaft
Mahren, mit vorzüglicher Rücksicht auf
Natur» und Kunsterzeugnisse u. s. w.", be«
richtigt und vermehrt (Brünn 1814, I . G.
Gastl, 8".) aus dessen Nachlasse heraus.
Adels-Diplom vom 13. Februar 1790. —
Erdkunde der Markgrafschaft Mähren, von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon