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genugthmi auf irgend einem Gebiete der
Literatur, kein leichtsinniges Produciren,
keine eitle Selbstüberschätzung. Er hat
im Kampfe dieser Zeit, in den sich die
ganze begeisterunasfäh'ge Jugend opfer-
freudig stürzte, redlich mitgekämpft, und
ist, wo andere unterlagen, die einstigen
Ideale verlaugneten. verriethen, sich
selbst
und ihrem Volke untreu wurden, treulich
M. auf der Bahn geblieben, welche vor-
warts führt. Aber es ist ein- Vorwärts,
das nicht mehr im unklaren Dränge auf
die gewaltsame Umgestaltung aller Ver-
haltniffe gerichtet ist - es ist ein Vor«
wärts. das er sich selbst zuruft, indem er
immer gediegenere (?), vollendetere (??j
Werke schafft, welche der Nation einen
Spiegel vorhalten und sie unmerklich an
der Hand der poetischen Unterhaltung
zwingen, sich selbst zu betrachten und
selbst muthig vorwärts zu schreiten, trotz
aller Hindernisse der Gegenwart, in eine
bessere Zukunft." Insbesondere bemer»
kenswerth erscheint es, wie M. seine
eigene Mission als politischer Dichter
ansieht. „Unsere Zeit", schreibt er in
einem „Vormärz°Poeten" überschriebenen
Feuilleton der „Presse" (1862, Nr. 119).
„nimmt, freilich in vercindetter und viel»
fach umgebildeter Form, die Fragen des
März wieder auf. Sie faßt sie ruhiger
und kälter, mit einem Worte praktischer,
der idealistische Humanismus ist nicht
mehr da, der damals die Gemüther
aller Gebildeten ohne Unterschied des
Standes und Ranges erfüllte, und mit
einer sentimentalen, vielleicht wehleidi
gen Zärtlichkeit selbst die von diesem
Erdenleben unzertrennlichen Leiden und
Nöthen heilen wollte; alles aber, was
jene Zeit wollte und anstrebte, wird
darum doch nicht mehr, wie es einst
geschah, in Bausch und Bogen als
Utopie und Chimäre verurtheilt. Eine Zeit. die die Politik nicht mehr als Sache
der Cabinete, sondern als Sache des
Volkes auffaßt, erkennt jedesmal aucb
die Berechtigung einer politischen Poesie
an. Mit andern Augen nimmt der Jung.
ling, mit andern der Mann die Fragen
der Zeit auf, das ist der ganze Unter-
schied zwischen der Vormärz-Poefie, die
eine Iünglings'Poesie war, und einer
anderen, deren Vertreter wir in der That
noch erwarten. Man habe Nachfickt rnit
der Ueberschwenglichkeit des Gefühls,
die die Verse jener Tage charakterisirte.
und entschuldige manchen Schuß, der
über das Ziel hinausging, um der vielen
anderen Scdüsse willen, die ganz richtig
in's Schwarze trafen. Was sich der
Wald erzählt, ja selbst die Liebe der
Traube zum Kräutlein Waldmeister, ist
allerdings ein artiger dichterischer Vor«
wurf nie aber möge man einer anderen
Lyrik ein Verbrechen daraus machen, daß
sie den Vorwurf wagte, die Menschheit
auf ihrem Entwickelungsgänge zu beglei«
ten. ein Versuch, der zwar über die
Kräfte jener Dichter ging, doch wohl
weder auf ihr Herz. noch auf ihren
Charakter einen Schatten zu werfen
geeignet ist." Gewiß ist diese bescheidene
Art der Auffassung seiner poetischen
Mission ein nicht zu unterschätzender
Charakterzug ebenso des Dichters, wie
des Menschen.
I. Chronologische Uebersicht seiner Werke nebst
Angabe der wichtigeren KeurtlMllNgen. ,,ve
Hsliuintkiasi lutostinoruni. Oii>-
5srtatio inau^nral is" (?i»a,F, 4<>.). an»
läßlich seiner am 2. Juni 1846 erfolgten Pro»
motion zum Doctor der Arzneiwissenschaft. —
„Gedichte" (Leipzig 1843, PH.Reclam Hun..
12".); ^eite stcn-k verm. Aufl. (Leipzig i846.
Herbig. 8°.); dritte verm. Aufl. (ebd. 1830.
16".); vierte verm. Aufl. mit zwei Nadirungen
(ebd. tsäi. 16".); fünfte unverand. Aufl. mit
einer Radirung (ebd. 1652, 16°.); sechste
Aufl. (ebd. 1834. l6<».); siebente Aufl. (ebd.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon