Seite - 435 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Bild der Seite - 435 -
Text der Seite - 435 -
Messen hauser 438 Dessenhauser
stand zum Ausbruche gekommen war.
Das Regiment Hoch« und Deutschmeister
erhielt in Krakau seine Garnison, und
dort soll M. mit einer sehr gebildeten
Edelftau ein zärtliches Verhältniß ange»
spönnen haben, das aber später, da das
Regiment seine Garnison wechselte, wie-
der gelöst wurde. I n seinem Verkehre
mit vertrauteren Freunden lenkte er
jedoch öfter, immer aber in der zartsm«
nigsten Weise — wie er denn dem
schönen Geschlechte gegenüber ein wahr«
haft ritterlicher Paladin war — die
Erinnerung auf diesen Gegenstand seiner,
wie es schien, ersten Liebe. Nun wechselte
das Regiment öfter seine Station, es
hing dieß mit den Bewegungen des
AufstandeS und mit den Nachrichten über
dieselben zusammen. So lag es einige
Zeit in Tarnow, dann mehrere Monate
wieder in Tuchow, einer gar arm-
seligen, unweit Tarnow gelegenen, nur
von Juden bewohnten Ortschaft. Hier
gad es Muße genug zu siterarischer
Thätigkeit, der Dienst war bald abge-
macht, Officiersschulen gab es damals
nicht, oder fehlte die Zeit, sie zu halten,
in der völligen Abgeschiedenheit von
aller Civilisation war der Gebildete auf
sich selbst angewiesen, und so entwickelte
M.'S fruchtbare Muse eine ganz anftän«
dige Thätigkeit. I n kurzer Zeit waren
mehrere recht artige Novellen und Er«
zählungen entstanden, dieselben mit eini»
gen bereits gedruckten vereinigt und
wurden nun in einer Sammlung, betitelt:
„Mlilniss und Parquet", 3 Bände (Wien
1847. Hirfchfeld), herausgegeben. Man
muß es ausdrücklich betonen, daß das
Auftreten eines österreichischen Schrift-
stellers, und gar eines Ofsiciers mit
einer schöngeistigen Arbeit, überdieß in
Prosa und von dreibändigem Umfange,
gleichsam ein kleines Ereigniß war. Mesfenhauser stand mit einem Male
mitten unter den Schriftstellern, und da
die streng genommen ganz gut geschrie-
benen, aber im Ganzen doch nicht sehr
bedeutenden Novellen bebfällig aufge«
nommen worden, hatte ihn dieser kritische
Weihrauch etwas wirblich und befangen
gemacht, und um die Freude des Dienens
im Soldatenrocke war eS geschehen.
Damals schon trug sich M., den Heraus«
geber dieses Lexikons genau kannte und
dessen taglicher Gaft er während seines
Aufenthaltes in Lemberg war, ganz
ernstlich mit der Idee, aus dem Militär,
stände auszutreten. Im Jahre 1847 kam
das Regiment Deutschmeister nach Lemberg
in Garnison, wo sein Entschluß,, das
Schwert mit der Feder zu vertauschen, sich
befestigte. Von Lemberg machte er auch im
Winter g. I . eine Reise nach Leipzig, wo er
mit mehreren Buchhändlern wegen deS
Verlages schon vollendeter und nur noch
zu liefernder Arbeiten in Verbindung trat,
Schriftsteller aufsuchte und die ersten
Vorbereitungen traf, die ihm nöthig
schienen, wenn er seine Idee des Aus«
trittes verwirklichte. Eine Frucht dieses
Leipziger Aufenthaltes war der Verlag
zweier größerer Arbeiten, die auch war)»
rend seines einsamen Garnisonslebens in
Tarnow und Tuchow entstanden waren,
deren Titel sind: „Nie Palengriiber" (Leip-
zig 1848) und „Grnstr Geschichten" (ebd.
1848). welche jedoch beide unter dem
angenommenen Namen Wenzeslaus
March erschienen. Nach Lemberg zurück»
gekehrt, begann er einen großen Roman:
„Der Rathsherr", zu arbeiten, wurde
aber in dieser Arbeit, die er den Winter
1847/48 mit eisernem Fleiße fortsehte,
durch die Bewegung des Jahres 1848
unterbrochen, die nach den Wiener März«
tagen in Lemberg einen sehr ernsten
Charakter annahm. Auch in Lemberg
28*
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon