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Messerschnndt Mejserschnndt
Schnelligkeit kreuz und quer in das Holz
schneiden sah. Ein paar spanische Kunst-
ler, als sie ihn auf diese Art eine ganz
herrlich gelungene Eopie des farnesischen
Herkules ausführen sahen, beschuldigten
ihn, daß er mit dem Teufel im Bunde
stehe, und es kam darüber, wie auch bei
anderen ahnlichen Anlassen, zu argem
Streite. Schon im ersten Jahre seines
Aufenthaltes in Rom vollendete er eine
Copie des Crucifixes von Michael An-
gelo in Alabaster und überreichte daS
Werk dem heiligen Vater. Dieser gab
ihm als Gegengeschenk eine nach der
Natur vollendete Antike aus Metall,
deren hier nur in sofern gedacht wird,
weil sie ihm in spateren Jahren als
Maßstab zu seinen berühmten Büsten der
menschlichen Leidenschaften diente. Eine
andere Arbeit, welche er in Rom vollen»
dete. war das von der Haut entblößte
Pferd in verjüngtem Maßstabe. Er hatte
eS in Alabaster ausgearbeitet, nahm da.
von die Form ab und machte es noch zwei
Mal in Metall, das eine Exemplar für
die Kunstkammer in Stockholm, daS
zweite soll in irgend einem Winkel einer
Wiener Kunstsammlung unbeachtet lie»
gen. Den Vorwurf einiger Collegen, die
ihn seiner Geschicklichkeit wegen neideten
und seines wenig zuganglichen Naturells
wegen verspotteten, daß er wohl in Holz,
aber nicht in Stein zu arbeiten verstehe,
erwiederte er durch eine That, mit wel»
cher er wohl den Vorwurf in glänzender
Weise widerlegte, die es ihm aber zu-
gleich räthlich machte, Rom alsbald zu
verlassen. Er vollendete nämlich aus
Stein einen antiken Apollo in Zeit von
nur drei Tagen. Dieser Apollo stand auf
einem Postamente, welches von einem
Gitter eingeschlossen und sorgfaltig ver«
hüllt war. Das Postament zeigte in
erhabener Arbeit eine Menge kleiner Figuren mit Eselsohren, welche auf ver«
schiedenen Instrumenten spielten. I n
dem Allen lag nichts Verfängliches, wenn
man aber diese kleinen Figürchen mit
ihren großen Eselsohren genau in's Auge
faßte, so erkannte man darin lauter
Porträte seiner Feinde, die ihn immer
verspottet, und bekrittelt hatten. Der
Streich war ihm vollends gelungen und
halte die Lacher auf seine Seite gebracht,
aber nun war auch die letzte Zeit, Rom
zu verlassen, was Messerschmidt, ohne
zu zögern, that. Einen ihm um diese Zeit
von der französischen Akademie gestellten
vortheilhaften Antrag zur Uebernahme
eines Postens in Paris lehnte M. ab und
begab sich nach Wien. Es scheint übri»
gens, daß M. diesen Streich ausgeführt,
nachdem er seine Berufung nach Wien
bereits in der Tasche hatte, M. war
nämlich als Lehrer an der kais. Akademie
der bildenden Künste in Wien angestellt
worden. Bald nach seiner Ankunft in
Wien erhielt er den Auftrag, den Gemal
der Kaiserin, Franz Stephan, im
kaiserlichen Krönungsornate auszuführen.
Diese sieben Schuh hohe Statue, ein
Seitenstück zu der oberwähnten der
Kaiserin. ist gleichfalls im Belvedere
aufgestellt. I n diese erste Zeit seines
Wiener Aufenthaltes fallen mehrere
Werke, darunter sind besonders berner-
kenswerth: „HieKüste Uaiser Illsepl/Zli.",
welche im Naturalien»Cabinete aufgestellt
ist; — „Nü Nii5te Oerharb's uan Smieten"
aus' Bronze, im Universitäts'Gebäude im
ehemaligen Hörsaale der Mediciner; —
eine „Immaculata mit M i Gngeln", in der
Capelle des savoyischen Damenstiftes in
der Iohannesgaffe; — eine Gruppe von
vier Figuren: ein Weib, Kinder waschend,
eines derselben stürzt in's Waffer, wird
aber von der Mutter an den Kleidern
erfaßt und herausgezogen, dieses Werk,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon