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Nadetzky Nadi
abhängenden goldenen Kleinod und zu beide
Seiten mit einer gelb» oder gold>, dann blau
odec l,»surfarb herabhängenden Helmdecke
betleidet. Auf dem Helme zeigen sich dre
nach einander gesetzte, vorn ivth,, in dr>
Mitte weiß und hinlen blau entworfen
Straußfedern. Die Schildhalter sind zwe
geharnischte Männer, mit ihrer eisernen Han
einen langen Spieß, auf ihren Pickelhaube
drei Straußfedern — hallend. Bei den
Radetzky'schen Wapften erscheint also
heraldisch seltene und deßhalb interessant'
Tdatsache, daß dasselbe erst erweitert, dan
wieder uer>in facht und seiner Ursprunglichkei
angenähert worden ist.
Noch sei hier in Kürze zweier Mittheilun
gen gedacht, welche das Wiener „Fremden'
Vlatt" in den letzten Jahren brachic. S
leb!« in Nien in der Vorstadt Margarether
ein Plltentlll'Inualide F. W., d« unter ven
Namen „Vater Äadehty" bekannt war
und im August l8K9 daselbst gestorben ist
Er hatte in d>,n italienischen Feldzügen un
Radetzty gedient und bei Nouara den
Feldherrn die Flasche mit dem Lalietrunk«
gereicht. Cr war im Jahre ^522 in die kai
scilicke Armee Angetreten und hatte in drr
selben din Capitulcüionen abgedient, I l
Jahre < 859 wollle er wieder eintreten, würd
aber oom Assenwlaße abgewiesen. Nach dem
unglücklichen NuSgange d,'r Schlacht uon
Solferino tröstete er sich abcr damit, „duß
es nicht anders kommen konnte, denn der
„Vater Radetzky" — dabei meinte « auch
sich — sei nicht dabei gewcsen". s.ßremden>
Vla t t (Wien, 4°.) l8S3, Nr. 231. unler den
„Tagrönoiizen".^ — Noch int«ressant«r ist
folgende Mittdellung: „Ein Enkel des F>lo.
marsckalls Radetzky kam jüngst (Jänner
<8<>9) nach Arody, um den jüdischen GIau>
ben anzunehmen. Der Grund dieses Ueber»
rn'ttcs wird einem Famillenprosessc Zuneschrie,
ben, bci welchem diesem Enkel !U,l)>jli fl.
streitig gemacht werdvn, und nun mollle Kec<
selbe sein>'i Familie diese „Schmach" aus
Rache bereiten. Der junge Mann soll sich
wirtlich als Enkel des seligen Feldmacschallb
legitimirt und am 25, Jänner nach stattge»
habten Ceremonien in der jüdischen Syna>
gogc die gemeinjüdische Tracht, welche nur
noch in Galizien von den Orthodoien getra>
gen wird, angelegt hcchen. Er zeigte sich als
Mensch von gediegener Bildung, sprach und
schneb deutsch, polnisch, französisch, englisch
ANd italienisch. Freilich behaupten Viele — so heißt es in diesem Berichte — daß er ir»
sinnig sei." So weit die Mittheilung des
„FremdeN'Blatles", das übrigens die Ver>
wnndtschaft dieses jungen Mannes mit der
Fannliü des Feldmarschalls bezweifelt uno
bemerkt, daß eine Fannlie Rad e cky auch
in Galizien sei, welche jedoch zum Feldmar-
schnll in keiner necwandtschafrlichen Bezic>
hung steht. lFremdeN'Blat t !8l>9,Nr !>3 1
Rlldi. Lorenz(Wiedercrsind«des Gold-
und SiiberemailS zur Mosaikmalerei,
ge5. auf der Insel Murano bei Venedig).
Zeitgenoß. Der Iaibenschmelz dei herr>
lichen Mosaikgemälde, namentlich iin
Bt. Maicuüdome zu Venedig, ist durch
dieFrescomalerei aÜmälig ganz verdrängt
worden, und die Verfertigung deö Emails,
aus welchen die Mosaiken zusammen-
gesetzt wurden, besonders ober jene des
unvergleicklich schönen Gold> und Silber»
emails gerieth am Hnde ganz in Ver<
fall und zuletzt in Vergessenheit. Die in
neuerer Zeit im Dome Bt. Marco noth»
wcndig gewordenen Ausbesserungen lk°
ßen nun den Mangel des Gold» und
Süberemailö schwer fi'chlen, ünd eö wur°
den von versckiedenen Seiten Versuche
nach dieser Ricbtung gemacht, welcke
edoch sämmtlich kein guies Ergebniß li.'-
'ertcn. Die Insel Murano bei Venedig,
,vo die GlaSmacheczunft ihren Sil) auf>
geschlagen hatte, war schon in derBIüthe»
eit der Mosaikmalerci der Ort gewesen,
wo die glasartigen Pasten, Golo-, Silben
md Farbmemails geschmolzen würden,
welche zu den Mosaiken dienten. Loren 5
Radi . einBewohner der Insel Murano,
at nun nach jahrelangen Etudien und
Versuchen daS verloren gegangene Ver»
ahren entweder wieder aufgefunden oder
in neues entdeckt, welches dem alten
icht nur nicht nachsteht, sondern das-
elbe in den Leistungen noch übertrifft,
lta d i wurde in seinen Arbeiten und Ver>
uchen wesenNich von dem Venetian« und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon