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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
Seite - 236 -
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Seite - 236 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24

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Vahl 236 Nahl neben dieser materiellen Kraft auch di geistige Ueberlegenheit, selbstständlges Nachdenken über alle Zweige der Kunst tiefes Eindringen in das Wesen dersel ben, verbunden mit einem unerschöpflichen Schatze freundlicher Gemüthlichkeit und hellsprudelnden Humors, und schon nach der ersten Begrüßung schien es, als kenne man den Mann schon von alten Zeiten her und dürfe ihn nicht mehr von sich lassen." So Karl Vogt über ihn. Es leben im Munde seiner Schüler und der ihm nahe gestandenen Freunde eine Menge ganz köstlicher Züge auS seinem Leben, die in entsprechender Zusammenstellung ein Original > Charakterbild darböten. Manche davon illustriren sein Denken und Sinnen in treffendster Weise. AlS er im Jahre 1847 den verstorbenen Dänen könig Christian VI I I . , die Gräsin Danner und mehrere Hofwürdenträger gemalt, war man, da seine Bilder die Bewunderung des Hofes erregten, dar« auf bedacht, den Künstler in irgend einer Weife auszuzeichnen. So wurde denn ein Kammerherr abgeschickt, der ihn auöfor» schen sollte, ob ihm ein Titel oder ein Orden mehr zusagen würde. Rahl er> theilte dem Abgesandten folgenden Be> scheid: „Ein Titel ist für mich ohne Werth und mit dem Dannebrog dürfte ich mich in Deutschland nicht blicken las» sen. Wenn mir aber der König eine Freude machm will, so möge er meinem dänischen Schüler in Rom sein Reise» stipendium verlangern." Man gewährte dem Künstler diesm Wunsch, verabschie. dete ihn aber !n nicht sehr gnädiger Weise vom Hofe. Mit welchen Schrote» rigkeiten der Künstler mit seinen geläu» terten Kunstanschauungen gegenüber dem «süßen Pöbel" der Kaiserstadt zu käm- pfm hatte, erhellet aus der folgenden, von Rahl selbst erzählten Thatsache, welche die Angelegenheit der Arsenal > Aus» schmückung viel wirksamer beleuchtet, als das oben erwähnte Dementi der „Wie» ner Zeitung". Rahl kam fast unmittelbar vor dem Ausbruche deS italienischen Krie« ges auf der Reist nach Griechenland, wo er in Athen daä neu zu errichtende Uni» versitätsgebäude mit Fresken zieren sollte, zu Vogt auf Besuch. Er zeigte dem Freunde Photographien der großartigen Entwürfe, die er für Ausschmückung des Arsenals in Wien gemacht hatte und deren Annahme, wie schon erzählt wor- den, im letzten Augenblicke verweigert wor» den war. „Du glaubst nicht, begann Rah l , welche Schwierigkeiten ich dabei zu überwinden hatte. Diese Oesterreicher haben beständig Krieg geführt, und wenn man die Sache beim Licht betrachtet, so haben sie nur deßhalb gesiegt, weil sie mehr Schläge aushalten konnten, als ihre Gegner. DarauS soll man nun Siegesfresken machen! Und dann die Häkeleien um Nebendinge! Da wcir es mir einmal gelungen, irgend einen Erz» herzog in den Mittelpunct eineö Bildes zu stellen, natürlich, auf weißem Rofse! Das weiß daheim jedes Kind, daß helles Roth und reines Weiß die leuchtendsten Farben sind, welche zuerst die Blicke auf sich ziehen, und daß im Vatican auf dem Rafael'schen Bilde Kaiser Constan» t in, der Sieger, nicht umsonst auf einem Schimmel sitzt. Aber den Höllenspectakel hättest du sehen sollen, den mein erzher^ zoglicher Schimmel unter all' den Epau» letten machte! Ich wußte gar nicht wa» rum? Bis ich endlicb erfahre, daß in der k. k. Armee nur die Trompeter auf wei» ßen Pferden reiten. Sage nun selbst, wie es möglich ist, solchen'Kunstbegriffen ent- sprechende Bilder zu malen? — Gibt's Krieg? Glaubst du es wirklich? Jeder vernünftige Mensch muß wünschen, daß
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Band 24
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Prokop-Raschdorf
Band
24
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1872
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
450
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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