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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
Seite - 244 -
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Nahl 244 Nllhl modrrnen Sinne, welcher beliebige Modell mühsam in künstliche Beleuchtung setzt, mi dem Schneider und Maurer in Concurren tritt, sondern im besten classisch, coloristische Geschmacke, dessen Wiederbelebung jedenfall sein Hlluvtocrdienst bleibt. Gerade diese reactio näre Tendenz aber machte ihn drm Publicun' wenig angenehm, das neuen Wein in neue, Schläuchen liebt, während ihm Rah l da gerade Gegentheil bot, um so mehr, als e die Tugenden der classischen Kunst oft z> Fehlern übertrieb. 2)enn es ist in der Art jeder Reaction, daß sie vorweg nicht naiv sein kann, wie die Zeit. die ihr vorschwebt daß ihr die Ursprünglichkeit und Frische jene abgeht, und damit auch meist der sittlich Inhalt, der Glaube jener. — So erreich denn auch Rahl die Liebe und Wärme, di, Feinheit und Anspruchslosigkeit die künstle rische Keuschheit der Empfindung, welch feine Vorbilder, die Venetianer, so entzückend machen, allerdings nicht, er wird nie so individuell wie sie, seine Personen grabe sich nicht so unauslöschlich in unser Gedacht' niß, feine Männer sind nicht so geistreich seine Frauen nicht so süß und holdselig wi, nun, daß seinr Werke übrrall, zum Vergleiche Haupt geleistet worden ist, ohne es doch je- mals ganz zu erreichen, wird man leicht ungerechter gegen ihn gestimmt, als selbst gegen die, bei deren Werken Einem weder T i> t ian noch Paul Veronese, überhaupt c!as> fische Meister nicht im entferntesten einfallen. Man vergißt dann vielleicht, daß er ihnen doch oft nahe kommt, daß nicht wenig vom Geiste jener herrlichen Periode allerdings in ihm ist, daß er eine Fülle der üppigsten Le> benskraft in seinen Gestalten auszugicße» weiß, daß sie neben so vielem Schwächlichen, Sentimentalen und Magrrn wahrhaft wohl< thuend durch ihre selbst oft brutale Gesund« ,heit wirken. — Allerdings ist hinter dieser .Muth der Farbe, hinler dieser strotzenden Fülle und gewaltigen Leidenschaft des ani. malischen Lebens doch oft eine gewisse innere Kälte fühlbar, die uns zeigt, daß Verstand und Phantasie beim Künstler sehr viel mäch. tiger sind, als Empfindung und Gemüth! indeß finden wir diese Art von Naturell auch bei vielen alten Meistern, vorab bei Rubens , wie es denn unleugbar ist, daß viel von der Unbändigkeit, der sinn» iichen Lebensfülle desselben i» Rahl sich findet, und wenn er nicht so reizend, so in^ divibmll als jener ist, wenn er nicht seine Frische und Gluth befitzt, so hat er dafür mehr Bildung und Stylgefühl, Als monu» tale Decoration auS der Ferne betrachtet, wirkt fast Alles gut, was ich von ihm gese< hen habe, und hierin dürfte ihn schwerlich ein anderer deutscher Künstler erreichen. Sind Rahl's Werke nicht eigentlich national zu nennen, so spricht doch ein echter Wiener auS ihnen. — In bedeutenden Menschen spiegelt sich allemal die ganze Generation, und so ist denn auch viel von der sinn» lichen Genußlust, dem Mutterwitz und der unverwüstlichen Frische, von der nicht eben sehr tiefen, aber um so leichter erregbaren Empfindung, von jener Abwesenheit jeder Sentimentalität, die den Wiener kennzeich- nen, vermischt mit der durchdringendsten In> telligenz, ungewöhnlicher Kraft in derselben zu finden, bisweilen ein wenig roh, noch öfters aber auch großartig und imponirend in nicht geringem Maße." Rahl, Karl Heinrich (Kup fe r - stechet, geb. im Dorfe Höfen in der Nähe von Heidelberg im Württember- gischen 11. Juli 1779, gest. zu Wien 2. August 1843), Sein Vater, ein Cat- timdrucker, gab den Sohn zu einem Sil» berarbeiter in die Lehre, wo er bald sein Talent zum Zeichnen und Grauiren in verschiedenen Arbeiten, namentlich aber n einigen kleinen Versuchen radirter Landschaften bekundete, Nr gab daher, einem edlerem Dränge folgend, die bis' herige Beschäftigung auf und widmete sich ganz der Kunst. Er ging nach Heil" bronn, wo ihm der Eigenthümer des dortigen Industrie - Comptoirs, Karl Lang, Beschäftigung gab. Tr arbeitete ür dieses Institut Karten und Pläne, ersuchte sich auch in der Punclirmanier, ?ach Wieland'S Porträt für einen ülmanach Lan g'ö, dann jenes des Com- ositeurs Ammon und mehrere V!g> etten. Aber sein Drang sich zu bilden nd in seiner Kunst zu ueruollkommen, eß ihm keine Ruhe, und da es in Heil-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Band 24
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Prokop-Raschdorf
Band
24
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1872
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
450
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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