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von 78 Jahren der Tod die Augen schloß.
Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine
ungemein große. Seine in Karlowih in
Handschrift aufbewahrten Arbeiten um-
fassen ein Dutzend mit beispielloser
Genauigkeit geschriebene Folianten. Sie
bestehen aus sprachlichen, didaktischen,
historischen und theologischen Arbeiten.
Ein Gewährsmann, dessen Urtheil alles
Vertrauen verdient, gafar ik , urtheilt
darüber folgendermaßen: „Seine schuft»
stellerische Thätigkeit fiel in emo Zeit, wo
es ihm. von seinem Standpunkte aus,
auch bei den schönsten Fähigkeiten und
dem besten Willen unmöglich war, sich
über das Mittelmäßige zu erheben. Um
gründlicher Historiker oder Theolog zu
sein. dazu fchlte es ihm zu sehr an
ausgebreiteten Sprachkennlnissen und an
scharfer tiefgehender Kritik; auch waren
die Quellen, aus denen er schöpfte, ziem»
lich beschränkt und dürftig. Was die
Darstellung anbelangt, so kann f!e schon
der Sprache wegen, die ein sonderbares,
das Gefühl kaltlassendes, ja anwiderndes
Gemisch aus dem Altslavischen. Russischen
und Serbischen ist, nicht musterhaft
genannt werden. Auch seine poetischen
Erzeugnisse, iu denen er sich schon früh»
zeitig versuchte, und zu denen er oft noch
im hohcn Alter mit einer großen Vorliebe
zurückkehrte, ermangeln aller wahren
dichterischen Weihe. Dieß soll jedoch seinen
sonstigen hohen Verdiensten die wahre
Anerkennung nicht im mindesten schmä»
lern. Er bleibt immer als Schriftsteller
und Priester einer der thätigsten, verdienst-
vollsten, ehrwürdigsten Männer unter
den Serben neuerer Zeiten." Sein eigener
Monarch anerkannte auch dieß, Kaiser
Leopold verlieh ihm nämlich ein gol-
denes Kreuz an einer Doppelkette. Die
Kaiserin Ka thar ina I I . von Rußland
schickte ihm aber. nachdem ihr sein Ge« schichtswerk durch den Grafen Iankov ic
überreicht worden war, durch ihren Bot»
schafler in Wien eine goldene Denkmünze
nebst hundert Ducaten, und ließ dem
Verleger Stephan von Novakovic
ebenfalls hundert Dukaten auszahlen.
Se>'ne gedruckten Schriften, sämmtlich in
slavischer Sprache — den bibliographi-
schen Titel gibt 8 afarik in dem in den
Quellen bezeichneten Werke genau an —
sind ein kleiner Katechismus zum Ge-
brauche der serbischen Jugend — Palm»
blätter — Baumgarten, eine Sammlung
von 224 Erzählungen, meist aus der
bekannten H,oLi'rä, pliiloloßwn, geschöpft,
leider aber mit zu viel Mysticismus
getränkt, um so wirksam zu sein, wie sie
es in anderm Falle sein müßten; —
Predigten auf alle Sonn» und Feiertage
— eine Geschichte der slavischen Völker
in vier Bänden, für welche eben ihm die
oben erwähnte Auszeichnung der russischen
Kaiserin ward I — eine kurzgefaßte
Geschichte Serbiens — der Krieg des
Drachen mit den Adlern, eine gereimte
Geschichte des Türkenkrieges jener Jahre
und das Trauerspiel Uro«. Seine in
Handschrift vorhandenen Arbeiten wurden
von ihm noch bei Lebzeiten gegen eine
jährliche Leibrente von 400 fi. durch den
Erzbischof von St ra to mir ovics ge-
gen dem angekauft, daß sie nach seinem
Tode der erzbischöflichen National»Biblio°
thek in Karlowitz einverleibt werden soll-
tm, was auch geschah.
Paul Joseph 8 nfat i k's Geschichte der südsla.
vischen Literatur. Au« dessen handschriftlichem
Nachlasse herausgegeben u°n Ios. I ireäet
(Prac, 1868, Fnedi. Tempsky, 8°,) I I I - Das
serbische Schriftthum. S, 304 u, f, »ach diesem
geb, il.Nouember !72Ua,St, „est, i i , (22) De>
cembeu!80!)i S, 383, Nr. 4«?; S. 398,
Nr. 497; S, 599, Nr, «cm u, s, w. — Oester-
leichische National<EncyklopüdieollN
Gräffer "»d Czikann (Wien 1835. 8°.)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon