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gestellt und sofort als Secretar aufge.
nommen. Sieben Jahre blieb er in die-
ser Stellung, hatte Gelegenheit, als deS
Grafen Begleiter bei Reisen auf dessen
Besitzungen, einen großen Theil Ungarns
unter den angenehmsten Verhältnissen
kennen zu lernen und dabei mit vielen
einflußreichen Personen des hohen unga-
rischen Adels bekannt zu werden. Indes-
sen trieb R. seine musikalischen Studien
eifrig fort, versuchte sich auch ein und
das andere Mal in der Composition und
trat mit kleineren Arbeiten öffentlich auf.
So brachte die damals in aristokratischen
Kreisen mit Vorliebe gelesene Wit-
thauei'sche — vormals Schickh'sche
— „Wiener Zeitschrift", in der Beilage
;u Nr. 447 des Jahres 1824 seine Com-
Position zu Goethe's Gedichi: „Trost
in Thränen". Im Jahre 1827 trat er
selbst zum ersten Male im Universitäts«
saale mit dem von ihm componir-
ten Liede: „Die Heimat", von Pro»
kesch »Osten, als Tenorsänger öffent-
lich auf und that es dann öfter noch in
eigenen und in den meiste», von Liszt
veranstalteten Concerten. Als im Jahre
1832 an der k. k. Hofcapelle die Stelle
eines Tenorfängerä erledigt war, bewarb
sich R. mit Genehmigung des Grafen
Szechönyi um dieselbe; und nachdem
er sie erhalten hatte, verzichtete er auf
seinen Secretärsposten. I n seiner neuen
Stellung verlegte er sich nun mit allem
Eifer auf die Composition und brachte
viele seiner Werke in der Hofcapelle zur
Aufführung. Auch hier bot sich ihm viel-
fach Gelegenheit, mit hervorragenden
Kunstgrößen in Verbindung zu treten;
so unter anderen mit der damals gefeier-
ten Sängerin Ienni L ind, mit der er
etliche Male Tonstücke für daö Hofconcert
pcobiren mußte. Bei einer solchen Probe
ersuchte die ob ihres zurückhaltenden, ja unfreundlichen Wesens in Wien nicht
im besten Andenken stehende Künstlerin
N,, eine seiner eigenen Kompositionen
vorzutragen. R. kam dem Wunsche der
Sängerin nach und sang daS von ihm
componirte Fischerlied. Am folgenden
Tage überraschte sie ihn in der ange>
nehmsten Weise, indem sie daö von ihm
nur einmal gehörte Lied ganz auS dem
Gedächtnisse mit aller Treue ihm vor.
sang und eS auch im folgenden Hofcon»
certe zum Vortragöstücke wählte und da°
mit großen Beifall erntete. Die „schwe»
bische Nachtigall" konnte also — allen
über sie in Umlauf gesetzten Gerüchten
entgegen — wenn sie wollte, in seltener
Weise liebenswürdig sein. Die Ferien,
welche ihm in seiner Stellung jährlich
gegönnt waren, benutzte N. zu Reisen
durch ganz Deutschland, in die Schweiz,
nach Italien, Eügland und Frankreich,
und mußte nicht selten nach seiner Rück>
kehr über seine Reiseerlebnisse Sr. Mai.e>
stät dem Kaiser Ferd inand, der die
dem einstigen Sängerknaben bewiesene
Huld auch auf den spateren Tenorsänger
übertrug, Bericht erstatten. Sein Auf»
enthalt in Paris fiel eben in die Zeit,
als Napol eon's I. Ueberreste feierlich
nach Paris überführt wurden. R. trug
damals seine Composition zu des Frei»
Herrn von Zedlitz' Gedichte: „Die
nächtliche Heerschau" , im Salon des
Grafen von Lühow, kais. österreichi»
schen Gesandten am französischen Hofe,
vor, welche allgemein die beifälligste Auf»
nähme fand. Zu Anfang der Vierziger-
Jahre versah N. durch drei Jahre die
Stelle eineö Kapellmeisters im k. k. Hof-
Operntheater, welche er aber, als ihm
ver damalige Musikgraf die Urlaubsbe»
willigung zu einer Reise nach Deutsch«
land im Auftrage des Operndirectors
Balochino verweigerte, niederlegte.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Band 24
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Prokop-Raschdorf
- Band
- 24
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1872
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon