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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
Seite - 343 -
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Seite - 343 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24

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Nank 343 Nank tiefer Fügung, daß er das Publicum gewis» sermaßen dupllte. Es gewährt zu vielen Reiz, den Manipulationen seiner kunstfertigen Hand zu folgen, als daß man sich im Allgemeinen jener naturgemäßen Sprünge versähe, die für das Volkslied nicht erfunden sind, sondern sich consequent aus der Volksnatuc ergeben haben, Rank bot der Schwierigkeit Trotz und stürzte sich mitten in seine Welt. Er ist sich des Naturmäßigen und seines Rechtes so vollkommen bewußt, er beherrscht seinen Stoff so sehr »ach allen Richtungen, daß er denn auch mit diese»! Bewußtsein und dieser Basis in aller Ruhe den Muth haben kann, die Erscheinung als fertig hinzustellen, ohne später für Erlnuterungen sorgen zu müssen. Die Nalur erklärt sich selbst. Und sie tritt in ihrer Wahrheit bei ihm so siegreich auf, sie tritt dem Leser so fest und sicher entgegen, sie packt ihn so unabweisbar, daß er gar nicht auf den Einfall kommt, sich kritisch dagegen zu sträuben. Sonach gelangen Au erb ach und Rank auf verschiedenen Wegen zu deiw selben Ziele, Wir können üder die subjcctiue Weichheit, die er an seine Gestalten haucht, ga»z wohl wegkommen, ohne einen allzw schweren Tadel oder gar die Anklage auf grobe Verfälschung des Gruntcharakters daran zu knüpfen. Es ist eine richtige Wahrnehmung Nank's, daß der unvermittelte, impetuöse und in vieler Beziehung durch kein geistiges Element im Gleichgewicht gehaltene Charak^ ttc de« Bauern zu intermittirenber Senti> mentnlität neigt. Der Bauer ist ja reiner Gefühlsmensch, Er kann neben hartnäckigster Störrigkeit im ganzen Sinne des Worteö sentimental sein — nur wird er in solcher Stimmung nicht Phrasen seufzen, wie etwa eine romantisirende Putzmacherin, Uebersehen können wir bei Rank die reiche Färbung, aber selbst dort, wo sie zu breit auftritt, weil in den Eonsequenzen und Wirkungen doch immer sofort wieder da« volle echte Dorf zu Tage kömmt". Die Hamburger „Jahreszeiten" schreiben in einer längere» Charakteristik Rank's über denselben, „Alle Welt weiß, daß Joseph Rank »eben Verthold Auerbach stets als gleichberechtigter Autor genannt und seine Dorfgeschichten jeder Zeit denen jenes be- rühmten Schriftstellers zur Seite gesetzt wor- den sind. Georg Sp i l le r von Hauen- schild hat diese beiden Dichler einmal sehr ausführlich besprochen, und was er dem Einen mehr an Kunst zusprach, dem Andern als stärker prononcirle Naturbegadung uin> dicirt; eine Vindicirung, die wir in Rank's „Geschichten armer Leute" auf da« Vlän< zendsle, und Liebenswürdigste neu bekundet und dargelegt finden können. Sie sind ein> fach und schlicht, aber mit dem ganzen Reize und dem vollen Zauber des Volkstones ge> schrieben, d, h. nicht mit dem Volkstöne, der äußerlich in der Sprache, sondern mit jenem, der innecst im Geiste und der Auf< fassungsweise der Sache athmet, 26 liegt ein volle«, frische« Lebe» in diesen Geschich. ten, ein gesunder, natürlicher Zug, ein Klang des Herzen« und des Gemüthes, der unwi> derstehlich anzieht und fesselt. Man hat Io> seph Rank neuerdings mchrfach den Vor» wurf gemacht, daß er sich oft zu lyrisch und gefühlsweich auslasse u»d dadurch seinen Arbeiten Eintrag thue. Die Sentimentalität liegt etwas in der Luft unserer Zeit, und es ist daher nicht gerade sehr zu verwundern, wenn auch eine 'sonst gesunde Natur ein wenig „von jener Vlässe des Gedankens an> gekränkelt wird", die niemals zu loben, aber doch zu ertragen ist, wo sie männlich und mit einer gewissen cumpacten Innerlichkeit gegeben erscheint, wie das in diesen „Ge> schichten armer Leute" der Fall ist. „Ein Scherz und seine Folgen", „Menschenhilfe", „Peter der Raugraf" und „Werde nicht, wie diese" sind Erzählungen, die als Meister» stücke in ihrer Art gelten dürfen. 3ie Stoffe sind prall aus dem 2ebe» herausgegriffen, wacker behandelt, brau verwendet. Besonders die zuerst angeführte Erzählung, die einen bessere» und schlagenderen Titel verdient hätte, kann für vollendet erklärt und in jede Mustersammlung unserer Literatur aufgenom» men werde». Sie gibt eine Dorf> und Bauerntragödie in so ergreifender Weise und mit so ternhaften Strichen, frischen Farben und wuchtiger Katastrophe, daß Niemand sie ohne Erschütterung und Rührunn zu le> sen wird im Stande sein. Nirgend, selbst in dem Unbedeutendsten der Sammlung docu» mentirt sich etwas von jener Frivolität und Larhcit der Vüchermacherei, die man heute durch so viel tausend Beispiele belegt sehen kann, Ueberall sieht man, daß Joseph Rank von wahre». Dränge und dem echten Schö> pfungsgeiste beseelt, zur Feder griff und auch im Kleinsten noch eine gewisse Moral, eine höhere Idee, eine leitende Tendenz seiner Geschichte, zu», Grunde zu legen hatte. Er schreibt, da« sieht man seinen Publicationen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Band 24
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Prokop-Raschdorf
Band
24
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1872
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
450
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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