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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Band 24
Seite - 344 -
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Nank 344 Nank überall und auf den eisten Blick an, um zu erheben, zu bessern, den Menschen auf Beob> achtungen und Bemerkungen über sich, die Wclt, daü Leben und die Geschichte hinzulei« ten. Sein Produciren ist kein Schaffen für die müßine Unterhaltung, für den Reiz der Langenweile; seine Schriftstellern ist ihm etwaS Höhere«, ein geheiligter Veruf. eine Mission, die er mit Würde und bestem Nach- drucke zu erfüllen strebt. Vor solchem Stre- ben muß man Achtung und Ehrerbietung haben i selbst wo es irrt und Verfehltes lei> stet; um wie uicl mehr aber, wo es uns so uicl Gutes und Schätzenswcrthes bietet, wie hier, wo die Armuth mit ihrem Lcid, ihrer Wehmuth und der ganzen erschütternden Ne< signation ihres Tlends, nirgends jedoch mit jener Gehässigkeit auftritt, die es Mode gc> worden war, ihr eine Zeitlang unterzubrei> tcn. Joseph Rank w i l l die Armen n! cht gegen die Ne! chen hehcn, son> dern die Reichen den Arme» gewin- nend zuführen, um durch sie in mildthä- tiger Weise ihren Zustand verbessert und gc< mildcrt zu machen, In edler und herzgewin» nendcr Weise der Anwalt der Dürftigkeit sein, welche schönere Aufgabe kann sich ein Dichter stellen!" Nudolfth Gott schall schreibt in seiner Literaturgeschichte über Rank- „Viel zarter, inniger und sinniger als Gotlhelf (Pfarrer AlbertVitzius,Pseudonym IeremiasGott» helf), aber ohne jene »aturkräftigcn Hebel der Darstellung, welche die Gestalten in ° derbster Anschaulichkeit freilich oft aus der „Mistjauche" hervorheben, uicl sentimentaler und überschwenglicher als Auerbach, aber ohne seine plastische Klarheit, Ruhe und Ge» mtssenhrit erscheint der böhmische Dorfge, schichtenschreiber Joseph Rank, ein Autor, welchem vielleicht am meisten das Jean Pnul'schc Ideal der Idylle vorschwebt, welcher die kleine und beschränkte Welt mit der inneren Poesie des Herzens durchleuchtet, der aber dabei oft in's Verworrene, und Maß» lose verfällt, so liebenswürdig auch hin »nd wieder seine Verirrungen sein möge». Die Vereinigung einer realistisch'Iüchtigen Dar, stellung mit einer reichen Innerlichkeit ist dem Autor nicht überall so geglückt, daß nicht Veides in einander spielend, einen trü« bcn Schein erzeugt hätte. Ein weitschweisi. ger, rhapsodischer Ton, der oft mit allen Glocken läutet, wo eine einfache Kuhschelle einen größeren Eindruck gemacht hätte, ist ein Hauptfehler dieser idealisirten Dorfge, schichten. Doch verräth sich in ihnen eine größere Erfindungskraft, als wir Auerbach und Gotthel f zuschreiben können, es gib! wenig so anmuthig erzählte Dorfgeschichten, wie Nank'ö „Hoferkäthchen" , wenig so romanhaft spannende, wie sein „Schün-Min- nellc" (<8!!3), wenn auch die Motiuirung nicht vollkommen sauber und einleuchtend ist. Got thc l f kann nur Dorfgeschichten schrei» ben; er ist der Vauer in der Literatur; bei Auerbach fühlt man den nothwendigen Zusammenhang zwischen seiner spinoMischen Bildung uud seinen starren Volkscharatleren heraus: daß Joseph Nank aber als Dorf' gefchichten'Autor auftritt, das ist ein zufälli ges Einlassen einer dichterischen Natur mit beliebten und gangbare» Stoffen. Er tritt in „Florian", „Schün>Minnele" u. A, schon aus diesen Kreisen heraus und macht die Idylle, wie Immermann , Schücking, Wald au u. A. thun, nur zu einem Theile des ganzen socialen Gemäldes. Die dichte rische Warme der Nank'schen Schilderun» taucht zwar die Idylle in eine reichere Zar° uenpracht, trägt aber auch oft eiue roman» hafte Uebcrreizuug in ihre harmonischen Ail< der hinein. In seinem Hauptwerke: „Aus dem Bühmcrwalde, Vilder und Erzählungen aus dem Volksleben" (!l Bd, l«l!l) entwirft Nank ein provinzielles Sittcngemälde in einer Reihe sich ergänzender Vilder, Das deutsche Volksleben in Böhmen, das durch seiue wehmüthige Isoünmg einen eigl'N> thümlichen Neiz erhält, wird uns in diesen Dorfnovellen in einer charakteristischen Weise vorgeführt. Ein neuer Noman des Autors,- „Achtspännig" (2 Vd, l8»7) sucht ein cultu» geschichtliches Moment aus unserer Entwick» lungsepoche zu ueranschaulichen. Sein Held ist der „letzte Fuhrmann", welcher dem Ge> nius des Dampfes zum Opfer fallt, aber zuletzt doch die Bedeutung dieser Culturmacht anerkennen muß. IV. Nauk's Autograph im Frauksurter Parla- mcnls.Albilm. Als Rank im April >84U mit den übrigen Deutsch<Oesterreichcm — nachdem die Angelegenheiten im Nrichspnrlamente eine Wendung genommen, daß deren Verbleiben in demselben nicht gut möglich war — aus dem Parlamente ausschied, gab er seinen Empfindungen in folgenden Worten Ausdruck: „Mit einem heiteren und einem weinenden Auge scheidet Deutsch'Oesterrcich von Tuch; weint über seine schönen Träume,, die e«
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Band 24
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Prokop-Raschdorf
Band
24
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1872
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
450
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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