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Nessel Nessel
Festschrift über Nessel gibt auf S. 16
u. d. f. eine gedrängte Darstellung des
von Nessel dabei beobachteten sinn»
reichen Vorganges. Das Hauptmoment
der Erfindung liegt <n der Aufsindung
der richtigen Stelle und Stellung, an
welcher und in welcher die Schraube an
zubringen war, und dieß war Nessel'S
Werk. Ein echter Kosmopolit, der nie
an seinen eigenen Vortheil, sondern nur
immer an den Nutzen dachte, den er der
Welt schaffen könnte, machte Nessel auS
seinen Ideen und Zeichnungen kein Ge
heimniß, obgleich er von der Wichtigkeit
derselben so durchdrungen war, daß er
sie selbst nach den Dampfschiffen, Eisen
bahnen und Telegraphen als die nächst
kommende, vierte größte Erfindung der
Menschheit bezeichnete. Seine Versuche,
für seine Erfindung werkthätige Theil«
nähme zu finden, waren vergeblich. Mit
welchen nichtswürdigen und dabei lächer>
lichen Chicanen er bei Aemtern und ein»
zelnen Personen zu kämpfen hatte, erzählt
uns Herr Rei t l inger, S. 49 u.d.f., in
so schlichter Weise, daß die Wirkung eine
doppelte ist, weil man unwillkürlich sich in
Nessel'S Lage hineinversetzt, in Minu-
ten selbst gleichsam den Kampf durch»
macht, den dieser Genius Jahre lang
gerungen. Endlich war eö Nessel ge-
lungen, in dem Triester Großhändler
Ot tav io Fontana einen Mann zu
finden, der sich für Nessel's Erfindung
interessirte. Um für einzelne Bestandtheile
seiner Erfindung bessere Maschinen zu
finden, begab sich Nessel im März 4829
nach PariS, wo er mit drei französischen
Betrügern P icard, Ma la rd und Ni»
vier, bekannt wurde, die nach einer auf
dem großen Canal gemachten und glück»
lich ausgefallenen Probe sich der Ersin»
düng — da Nessel mit ihnen vor der
Probe keinen Contract gemacht und diese nach der Probe keinen Contract machen
wollten — sich der ganzen Erfindung,
deren Detailzeichnungen sie auch besaßen,
bemächtigten und auf ihre eigene Faust
es mit der Schrauben-Dampfschifffahrr
in Frankreich versuchen wollten. Indessen
war dem betrogenen Nessel auch daS-
Geld ausgegangen und er wendete sich
an Fontana, ihm welches zur Nück»
reise zu senden. Fontana aber war
während Nessel's Abwesenheit durch
Zwischenträgereien und andere Umtriebe
gegen Nessel eingenommen worden
und schrieb ihm nach PariS: er wolle
weder von der Unternehmung noch von
Nessel mehr etwaS wissen, wenn das
Schiff auch noch so gut gelingen sollte.
Die damalige Lage Nessel'S erfahren
wir aus einem von ihm dem Erzherzog
Ferdinand Max überreichten Manu»
scripte, welches die „Geschichte der
Schraube im Vaterlands" enthält. „Ich
war — schreibt er mit einfachen und
rührenden Worten — ohne Geld und in
Paris. Meine zahlreiche Familk in Trieft
rau und Kinder) auch ohne Geld, der
Urlaub schon zu Ende — von der öster»
reichifchen Gesandtschaft wegen Mangel
an Fonds zur Rückreise förmlich ausge-
wiesen, daher in eine gegründete, von
der Er f indung deö Propel lers,
bewirkte Verlegenheil versetzt". In dieser
trostlosen Lage begab sich R. auf die
Pariser Börse, um an der Säule Trieft
vielleicht einen Triester Kaufmann zu
finden, der ihm daS Reisegeld vorstrecken
möchte. Nun fand er dort zwar keinen
Landsmann, aber einen Farbholzhändler^
Namens Messonier. Im Gespräche
bot sich Nessel Gelegenheit, seine Art
der Facbenextraction zu erklären, für
welche er in Oesterreich bereits ein Patent
genommen, während für Frankreich das
Privilegium noch offen stand. Messo-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Band 25
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Rasner-Rhederer
- Band
- 25
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 446
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon