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Scholl) Wenzel
mikerS bei seiner Dulcinea. Das Ende
der Geschichte war ein Duell, welches am
23. October 1822 statthatte und in wel-
chern S. eine, jedoch nicht gefährliche
Stichwunde erhielt. Scholz aber zog sich
daraus für die Zukunft die Lehre, wenn
er wieder zu einer Geliebten ging. seinen
Hund vor ihrer Thüre nicht warten zu
lassen. Die Theaterverhältnisse in Gratz
erfuhren während der Zeit, daß Gcho lz
dort spielte, mannigfache, nicht eben gün»
stige Veränderungen. Längere Zeit ging
es so schlecht, daß sogar keine Gagen
bezahlt wurden, bis im Jahre 1823
Stöger mit Frau Liebich die Regie
übernahm, worauf Ordnung in die Ver»
Hältnisse kam; aber im November 1823
brannte das Schauspielhaus ab, und in
die neuen, öfter wechselnden Interims»
räume kam wenig Publicum, und die
Schauspieler, unter ihnen auch Scholz,
brachten sich kümmerlich fort. Neue Hoff»
nung winkte ihm bei dem Ableben feines
Vaters Leopold Scholz, der als
Regisseur des Theaters an der Wien am
16. Februar 1826 im 78. Jahre an
Altersschwäche gestorben war und ein
nicht unbedeutendes Vermögen hinter»
lassen hatte, dessen Erbe Wenzel S.
war. Der Sohn reiste nach Wien. Die»
ses Vermögen hatte, wie Friedrich Kai-
ser nach S.'s eigenen Mittheilungen
berichtet, der Vater einem Freunde, dem
Besitzer eines BadehauseS in Wien, bloS
gegen Ehrenwort ohne irgend eine Ur»
künde geliehen, dieser aber nach des allen
Scholz Tode die Ausbezahlung verwei»
geri. Er leugnete geradezu die Schuld
ab und bestand auf Vorweisung des
Schuldscheines. Gin solcher fand
stch nicht
vor. Der Sohn kehrte demnach so arm,
als er gekommen, nach Gratz zurück.
Wählend seiner Anwesenheit in Wien
hatte ihn aber Henöler, Besitzer des Scholl, Wenzel
Iosephstädter Theaters, für seine Bühne
engagiit^ Nachdem Scholz seine Ver-
bindlichkeiten in Gratz gelöst, trat er am
6. April 1826 bei Hensler ein und am
18. April als Trüf fe l im „Diener
zweier Herren" zum ersten Male auf.
Scholz gefiel, ohne jedoch besondere
Aufmerksamkeit zu erregen. Als Hens.
ler bald darauf starb, trat Car l , der
eben damals mit seiner Gesellschaft von
München nach Wien gekommen war, mit
HenSler's Erben in Compagnie und
war auch durch sonstige Verhältnisse ge.
nöthigt, das Theater in der Iosephstadt
als den Boden seines anfanglichen Wir»
kens zu wählen. Car l hatte mit H enS»
ler'S Mitgliedern auch Scholz über»
nommen und bald erkannt, daß er, um
gehörig zu wirken, anders beschäftigt
werden müsse, alö bisher. Doch für die
ganze künftige Stellung Scholzens
sollte auch noch ein Zufall mitwirken,
MeiSl 's Posse.- „Die schwarze Frau"
würbe zur Aufführung vorbereitet. In
den ersten Aufführungen des Stückes
spielte die Rolle des Nathsdieners Klap>
perl der Schauspieler Platz er. Als
dieser schon nach den ersten Vorstellungen
erkrankte, mußte Scholz nothgedrungen
dessen Rolle übernehmen. Am 3. Juli
1827 trat Scholz in derselben auf. Die
Wirkung war eine durchschlagende. G.
hatte mit einem Male die volle Gunst
deS Publicums gewonnen. Jeder wollte
ihn in dieser Rolle spielen sehen, das
Theater war alle Abende ausverkauft,
sein Biltmiß hing in allen Kunsthand»
lungen und selbst der hohe Adel, der bis»
her den Räumen des meist nur von den
unteren VolkSclassen besuchten Joseph»
stadter Theaters fern geblieben war,
fand stch in den Logen des täglich üb«,
füllten Hauses ein. Ungeachtet nun mit
Scholz ein neuer Stern am Horizont«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon