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Heiterkeit stürzen wird. Wenig Menschen
haben über Scholz s° viel Thränen gelacht
als ich. Wenn ich Scholz sah, warf ich
allen Verstand, alles Denken, nlle Kritik wie,
unnützen Ballast über Vord und ließ mich
von den Wellen des Lachelements hinschleu
dern nach Herzenslust! ... Er war nicht nur
ein unvergleichlicher Komiker, er war gut, er
war bieder, gemüthlich, harmlos, herzlich al5
College, als Mensch, als Freund," — Vin.
cenzRizzi, im „Adler", schreibt überScholz:
„Man hat diesem Künstler, der, wiewohl meist
im localen Elemente sich bewegend, dennoch
einen europäischen Nuf verdient — und in
Horlohsohn's Theater-Lexikon sucht man
seinen Namen vergebens! — zum Vorwürfe
gemacht, daß er immer derselbe sei: diese
Behauptung ist nicht ohne Grund, aber sie
enthält keinen Tadel. Seine Individualität
ist allerdings nicht so geeignet zu Metamor-
phosen, wie die des spindeldürren Deurient
oder eines andern Kunsthelden mit geschmei.
digen Körpermitteln, aber um so mehr, als
es ihm unmöglich ist, aus sich einen Andern
zu machen, ist er das, was er eben sein soll
— nicht blos zum Scheine — sondern wirk»
lich. Daher die drastische Wirksamkeit seiner
Erscheinung, denn das komische Element durch
keine erzwungene Verstellung der alMüornen
Natürlichkeit beengt, ergießt stch frei und
jede Muskel belebend über die ganze unge«
zwungene Gestalt, deren Attitüden allein be>
weisen, wie sehr er Meister sei in seinem
Fache. Scholz ist ein unvergleichliches Vo»
bild in Darstellung der Dummheit — nicht
jener tölpelhaften Dummheit, deren Darstel,
lung Jedem gelingt, welcher die Thierheit
allein walten läßt und die Geisteithüugknt
unterdrückt, sondern jener eigenthümliche«
Dummheit, die aus unerbittlichen Schrankn
ihrer Natur hinaus strebt und, gleich der bet»
telstolzen Armuth, die den Schein des Neich>
thums durch Vekleidung mit glänzenden Lum<
pen erzwingt und deren Nacktheit verrälhe.
risch aus aufgesprungenen Nähten hervorguckt,
gerade »ach dem am Vehementesten strebt,
was ihr am meisten gebricht — jener Dumm»
heit, die im Leben das ergötzlichste Schauspiel
gewährt, da sie nicht so hilflos ist, um Mit»
leid einzustoßen, nicht so verfeinert doch, daß
sie uns als Fadaise anwiderte — jener Dumm»
heit gerade, deren Darstellung vollendete
Meisterschaft erfordert, da d.er geringste Fehl'
tritt in Fadaise oder Tölpelhaftigkeit übn,
schlägt. Es ist ein schmaler Raum zwischen
u. Würz dach. biogr. Leiikon. XXXI. Mdr. der Trivialität dieser und der Ekelhaftigkeit
jener, doch Scholz würde stch mit der größ.
ten Sicherheit darauf erhalten, wenn es ihm
die neueren Localdichter, welche in der Regel
wenig wissen von einer untrivialen vis eo-
ml«»., nicht oft so schwer machten. Schulz
ist kein studirter Komiker, er hat vielleicht
weder Engel's Mimik noch Hogarth'S
Schönheitslehre gelesen, aber sein angebornes
Genie macht ihm all« diese Studien entbehr»
lich. Sein komischer Tact ist bewunderungs,
würdig, eben weil er angeboren ist. Scholz
ist durch und durch selbst komische Natur und
anstatt daH er Hogarth zu studiren brauchte,
würde vielmehr dieser, wenn die heutigeZeit
so glücklich wäre, ihn zu besitzen, in seiner
Erscheinung einen Gegenstand unerschöpflicher
Studien finden. Man überzeuge
sich nur selbst
aus den H onarth'schen Caricaturen. Wie
viele Attitüden und Geberden finden sich dort
durch den Grabstichel verewigt, welche wir
lln Scholz lebend bewundert haben! Seine
verschiedenen AUen zu gehen, Hände und
Füße zu bewegen, seine naturgetreuen Gii
Massen der Dummheit, sei eß im UuDdrucke
von Begehrlichkeiten jeder Art, oder von Hoch-
muth, Schwärmerei, Ertast, Trauer — finden
stch größtentheils in Hog^irth'schen Gemäl«
den wieder. Aber der reiche Stoff komischer
Gebetdungen, welcher noch übrig bleibt,
würde sicherlich noch einen zweiten Hog arth
hinlänglich beschäftigen." ^Humorist. Her.
ausgegeben von M. G. Saphir (Wien,
kl, Fol.) 2«. Jahrg. (lSü?), Nr. 272, S, IU8L:
„Schulz zur Ruhe gelegt", von M. G. Sa-
phir. — Monatschrift für Theater und
Musik. Herausgeber - Joseph K l e m m (Wien,
Wallishausser, 4«.) I I I . Jahrgang (l837),
S. 3l9: „Wenzel Scholz". — Presse (Wie.
ner polil. Blatt) i«»7, Nr. 229, im Feuille»
ton: „Tcholz 1°," — Theater-Zeitung,
herausg. von Ad. Väuerle (Wen, nr. 4»,)
2». Jahrg. (!«23), Nr. 1U3, S. 779- „Saphir
über Wenzel Scholz". — Unser Planet.
Blätter für Unterhaltung, Literatur, Äunst
und Theater, Von Ludwig Storch (i°.)
18N, Beilage: Thessterbwtt. Nr. 132- „Das
Vulkstheater an der Wien", von Hermann
Meyne rt,)
lll. Porträte und Cllstumebilder. ».) Vorträte.
i) Unterschrift: Facsimile des NamenszuMZ:
Wenzel Scholz. Kriehuber (lich,) i«Z?.
Gedruckt be! Ios. Stoufs in Wien (Wien,
bei 3, T. Neumann, Fol,). — 2) Unterschrift:
Wenzel Scholz. Stich u, Verlag von I , Son»
23. Der. 13
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon