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damals Primas von Ungarn, die niede»
ren Weihen. Indessen hatten die KriegS>
ereignisse störend in des Jünglings Le»
bensplan eingegriffen, da die Seminarien
in Tyniau und Preßburg in Militärspi.
täler umgewandelt worden waren, wo»
durch eine Unterbrechung der Studien
eintrat. Als er dann dieselben im Winter»
semester 1809/10 fortsetzte, geschah eö
zuletzt im St. Stephcm-Seminar zu Ty»
nau, wo er seine Studien mit so ausge»
zeichnetem Erfolge machte, daß er unter
jene Zöglinge eingereiht wurde, welche
die theologischen Studien im Pazmaneum
in Wien fortseien sollten. Schreiner
selbst aber zog es vor, im deutschen
Theile Oesterreichs seine theologische Lauf«
bahn zu vecfo-lgen und bat um Aufnahme
in das erzbischöfliche Seminar zu St.
Stephan, in welchem er das erste Jahr
der Theologie an der Wiener Hochschule
hörte. Aber schon im zweiten Jahre gab
er das theologische Studium auf und
begann 1811/13 jenes der Staats» und
Rechtswissenschaften. Diesem lag er mit
solcher Vorliebe und mir so großem Vifer
ob, daß er sich die besondere Theilnahme
seiner Lehrer Zizius und Wateroth
erwarb und diese ihn aufforderten, sich
dem Lehramte zuzuwenden, wozu sie ihm
noch besonders dadurch behilflich waren,
daß sie ihn nach beendeten Studien zum
Supplenten der politischen Wissenschaften
an der Theresianischen Ritterakademie
und an der Hochschule wählten. Indessen
nahm er die Stelle eines Erziehers im
Hause des Generals der Kavallerie und
Obersthofmeisters des Erzherzogs Karl ,
des Grafen Grünne, an, in welcher
Stellung er bis zu seiner Berufung an
das Lyceum zu Olmütz verblieb. I n der
Zwischenzeit versah er auch vom 1. Juni
1817 an wegen Beurlaubung deS Pro.
fessors Zizius als supplirenber Profes. sor dessen Lehrkanzel' und übte alle mit
einer ordentlichen Professur verbundenen
Functionen aus bis zu seiner am 29. De»
cember 1818 erfolgten Ernennung zum
Professor der politischen Wissenschaften,
der österreichisch.poliüfthen Verwaltungg.
künde, der Statistik der österreichischen
Staaten und des österreichischen Staats»
rechtes am k. k. Lyceum zu Olmütz. S.
hatte diese Lehrkanzel erhalten, ungeach-
tet er das dazu gesetzlich vorgeschriebene
Doctorat der Rechte nicht besaß, welches
er erst am 4. August 1824 erlangte. An.
fangs April 1819 trat er sein Lehramt
in Olmütz an. Im November 1822 über»
trug ihm der damalige Gouverneur von
Mahren, Anton Graf M i trrowsky,
auch noch die Zeitung der Qlmscher Ly<
ceal»Bibliothek, welche er durch zwei
Jahre besorgte, und im Jahre 1824
wurde S. zum Rector des Lyceums er.
wählt. Mit ah. Entschließung vom
19. Juli 1824 erfolgte seine Grnennmig
zum off. ord. Professor der in Olmütz
vorgetragenen Fächer an der k. k. Karl
Franzens'Nmverfität in Grah, welche er
bis kurze Zeit vor seinem im Alter von
79 Jahren erfolgten Tude bekleidete, in-
dem es ihm noch vergönnt war, ein Jahr
vor seinem Ableben, im Jahre 1871, sein
80jähriges Jubiläum als Professor zu
feiern, aus welchem Anlasse ihm die
Stadt Orcch das Ehrenbürgerrecht ver»
lieh. Neben seiner lehramtlichen Thätig»
keit übte S. die schriftstellerische auö, von
welcher weiter unten die Rede sein soll,
machte sich aber sonst noch in mannig»
facher Weise seiuen Mitbürgern und dem
Gemeinwesen, in welchem er lebte, nütz»
lich. So berief ihn schon im Jahre 1832
der Gouverneur von. Steiermark als
Mitglied in die damals zusammengestellte
Provinzial'Commerz>Eommission. wie er
ihn in den Jahren 1826—1834 mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Band 31
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schnabel-Schrötter
- Band
- 31
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon