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Schumacher 209 Schumacher
stedt, Simrock und Gelbcke einfach
todtgeschwiegen werden, find den Ver<
ehrecn deS unsterblichen englischen Dich«
terS auch heute noch als mustergiltig zu
empfehlen, sie verdienen im Großen und
Ganzen „Nachdichtungen" genannt zu
werden; allüberall ist S. dem Sinne des
Originals in eminenter Weise gerecht
geworden, ohne der deutschen Sprache
irgendwie Gewalt anzuthun) der Vers
ist mit nicht gewöhnlicher Kunst und fei»
ner Empfindung für Musik und Tonfall
behandelt. Um Alles in Allem zu sagen:
diese Uebertragungen lesen sich wie die
Original-Schöpfungen eines mit üppiger
Phantasie und glühender Empfindung
ausgestatteten Poeten". Und was hier
gesagt ist, kann Herausgeber dieses Leri»
kons bestätigen, diese Uebersetzungen der
lyrischen Dichtungen deS „Schwans von
Avon" aus Schumacher's Feder stellen
sich ebenbürtig an die gleichfalls wenig
gewürdigte Ueberfetzung von Byron's
„Hebräischen Gesängen" von Emanuel
H i l scher und beide sind bis heute
— unübertroffen. Mit diesen Ueber,
fetzungen hatte S. das schriftstellerische
Gebiet betreten und nicht wieder verlassen
bis kurz vor seinem Ableben, wo ihn
Krankheit arbeitsunfähig machte. Doch
soll hier zunächst eine Darstellung seines
dornenvollen Lebensganges folgen und
dann dieser sich eine Uebersicht seiner lite>
rarischen Leistungen anschließen. Mehrere
Jahre hatte S. kümmerlich genug von
schriftstellerischen Arbeiten gelebt, einige
Zeit an der O este rle in'schen, spater
Vogl'schen Zeitschrift: „Das Morgen
blatt" (1836—1843) mitgearbeitet, als
er wieder, um eine feste Stellung zu
haben, in die Dienste der Donau-Dampf«
schiffahrts'Gesellschaft eintrat; aber auch
da gefiel es ihm nicht auf die Dauer, er
verließ dieselben wieder, gründete die Zeit«
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. XXXH. 'chrift „Gegenwart", welche mühselig vier
Jahre ihr Dasein fristete, denn S. besaß
auch nicht eine Eigenschaft zum Redacteur.
Für das Trockene des Geschäftes ohne
Verständniß. überhaupt im praktischen
Leben unbehilflich und ohne Ordnungs<
sinn. und in der politischen Anschauung
ohne Consequenz, war das Blatt ohne
Farbe, ohne Interesse, ohne Geschmack und
Geist redigirt und blieb unbeachtet. Daß
sich S., als das Jahr 4848 kam, an die
Bewegung mit aller Entschiedenheit an«
schloß, bedarf weder einer Erklärung noch
weiteren Erörterung. Er folgte in der
selbst sich überstürzenden und Alles im
Strudel mit sich führenden Bewegung sei«
ner Ueberzeugung. Er war Idealist, aber
zugleich ein Mann. Er litt für erstere,
wie es letzterem ziemt. Denn, als die
Bewegung ihren Höhepunct erreicht und
mit Waffengewalt niedergedrückt wor-
den war, entging auch S. nicht den
Spähungen der Häscher, er wurde ver«
hastet, vor das Kriegsgericht gestellt und
im Jahre 1849 zu zehnjähriger Festungs-
strafe verurtheilt. Schon im Jahre
1851 erließ die Gnade des Kaisers dem
Schwergeprüften die weitere Haft. Von
der Festung Kufftein, wo er die zwei
Jahre seiner Haft abgebüßt, kehrte er
nach Wien zurück, brotlos, subsistenzloS.
Damals lernte ihn Herausgeber dieses
Lexikons kennen; aber die Wogen der
Reaction gingen damals so hoch, daß für
einen „politischen Verbrecher" und gar,
wenn er physisch gebrochen war, und daS
war mit S. der Fall, nichts zu erreichen
war. Einen Schiller-Verein, eine „Con«
cordia" gab eS damals noch nicht, so
denn mit zerrütteter Gesundheit, die
schwarze Sorge im Nacken, fristete S.
von untergeordneten schriftstellerischen
Arbeiten sein Leben. Ein damals sehr
gelesenes — es galt.für das vervreitetste
:. 27. Mai 4876.) 14
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon