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Slezak. Aima Anton
suchen und ihren Namen und Wohnort
anzugeben. I n der Zuschrift heißt es
unter anderen, daß das Mädchen in Elbe-
teinitz gedient habe, und dem Vernehmen
nach in dem Dorfe Konetopy wohnen
solle. Obgleich sowohl die Geistlichkeit,
als die Gemeindebehörde inElbeteinitzsich
alle mögliche Mühe gaben, dieses Mäd-
chen zu entdecken, kam man doch zu kei«
nem Resultate, bis nach einiger Zeit vor
dem Pfarrer daselbst eine 60jährige Frau
erschien und behauptete, daß
sie die Polka,
und zwar in Kosteletz, erfunden habe. Die
weiteren Erhebungen stellten heraus, daß
dieselbe ungefähr im Jahre 1830 als
Dienstmädchen an einem Sonntag nach
dem Tacte gesungen und getanzt, ein
Unterlehrer (Neruda) hierauf diese Melodie
zu Papier gebracht habe, und dieser neue
Tanz bereits am nächsten Sonntage bei
einer von Studenten veranstalteten Tanz«
Unterhaltung getanzt wurde. Von da
verbreitete sich die Kenntniß dieses nun
allbeliebten Tanzes nach Prag, wo er
„Polka" getauft wurde. Das ehemalige
Dienstmädchen sei jetzt (1862) verheira«
thet,60I. alt, heiße Anna Slezak und
habe vier Kinder. So erzählt der böh-
mische „022,2". Zur Geschichte der raschen
Verbreitung und Beliebtheit der Polka
diene noch das Folgende: Die Beliebt«
heit der Polka als Tanz brachte die be«
rühmte Sängerin Henriette Rossi«
Sonntag >M.XXVII , S.68) auf die
Idee, die Polka zu singen und veran-
laßte einen Verleger zur Herausgabe einer
Gesangspolka für Concerte, welche that«
sächlich auch unter dem Titel: „^oika
soimtäZöllig." im Stich erschien und bald
zu solcher Beliebtheit gelangte, daß die
ihrer Zeit berühmte Virtuosin. Belle«
vi l le-O ury, das Gesangsstück für einen
Concertvortrag auf dem Piano bearbei-
tete, was ungemein zur Verbreitung die» ser Tanzweise beitrug. Nun bemächtigten
sich die Virtuosen dieses Themas und zu-
nächst machten sich Dreyschok und-
Schulhof daran. Insbesondere wurde
bald Dreyschok'S Composition. betitelt:
„I/invitatiou. 2.11a ?o1Ica", ein Bravour-
stück sämmtlicher Pianisten und Pianisti«
nen. Wie dann der Compofiteur Fried-
rich Smetanamit seinen poetischen Pol»
ka's und Friedrich simak sBd.XXXIV^
S. 300 j^ durch Umarbeitung der Hit»
m ar'schen „Esmeraloa" zu einer Con«
certanteN'Polka für die Weiterentwick-
lung und Weiterverbreitung dieses Ton-
stückes gewirkt, möge nur angedeutet sein.
Ob Anna Slezak, die Urheberin oder
Erfinderin der Polka, welche zur Stunde
73 Jahre alt sein möchte, noch lebt, ist
nicht bekannt.
Presse (Wiener polit. Blatt) 1862. Nr. 43.
in der Kleinen Chronik.- „Die Erfinderin der
Polka". — Klagenfurter Zeit u na 1863 .^
Nr. 19, im Feuilleton: „Alte und neue Tänze".
— Prager Zeitung 1862. Nr. 38. in den
„Prager Nachrichten". — 1,26a. VsNstri-
Ltick)' 2. m66m llkLoxis, d. i. Lada. Belle?
tristisches und Modedlatt. Von Antom'e
Mel l is . I I . Jahrg. (1862). Nr. 18: „?rvni
?oika", d. i. Die erste Polka.
8lezak, Anton (Arzt. geb. zu Böh-
misch-Trebic 17. Ocwber1820, gest.
zu Groß-Szent Miklos im Banat
18. December 1868). Das Gymnasium
beendete er in den Jahren 1834—1840
zu Leitomischl, dann hörte er die philo«
sophischen Studien zu Brunn und begab
sich 1842 nach Wien, wo er das zu seinem
Berufe erwählte medicinische Studium
begann und daraus im Jahre 1848 das
Doctorat der Medicin und Chirurgie er-
langte. Nun beginnt ein wechselvolles
Leben. Noch im Herbst lehgenannten
Jahres kam er als Gerichts- und Stadt»
Arzt nach Schlan und blieb daselbst bis
1881, wo er in der Zwischenzeit auch als>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon