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Solms-Kraunfels Solms-Kraunfels
ihm als Reiterofficier wenig Aussicht
bot. stellte er im Sommer 1863 die Bitte,
sich einem Artillerie-Regimente anschließen
zu dürfen, da es ihm zunächst um artille-
ristische Studien zu thun war. Nun die-
sem Wunsche wurde zwar nicht willfahrt,
jedoch erhielt er die Erlaubniß, aus-
nahmsweise die Artillericschule in Wien
zu besuchen. So kam er im Herbst 1863
nach Wien, und es war das erste Mal,
daß der Prinz daselbst einen ganzen Win-
ter zubrachte. Wenn ihn nun auch die
Freuden des gesellschaftlichen Lebens,
wozu sich ihm bei seiner bevorzugten
Stellung mehr als Anderen Gelegenheit
darbot, lockten und fesselten, dem Ernst
deS Lebens war er nie untreu geworden
und hatte er nichtsdestoweniger mit sol-
chem Eifer studirt. daß er im Frühling
1866 das artilleristische Examen bestehen
konnte. Nun brach der mörderische Bru-
derkrieg aus und S. erwirkte seine Ver.
setzung von der Reitertruppe zur Artil«
lerie. Kurz vor Ausbruch des Kampfes
wurde er zum hauptmann im 12. Artil.
lerie-Regimente ernannt und erhielt den
Auftrag, schleunigst eine Batterie von
Komorn auf den nördlichen Kriegsschau»
platz zu führen, mit welcher er zur Caval-
lerie-Divifion deS Feldmarscball-Lieute«
nant Zai tsek zu stoßen hatte. I n dieser
Stellung erlebte er die Schlacht bei Kö-
uiggratz. Erst Nachmittag kam er mit
seiner Batterie in's Feuer, hielt bis Abends
7 Uhr Stand und führte dann seine
Batterie in Ordnung zurück. Nach dem
nun mit Preußen abgeschlossenen Waffen-
stillstände erlangte er seine Versehung auf
den Kampfplatz im Süden. Aber dort
waren auch die Ereignisse durch einen
plötzlichen Frieden Hum Abschluß gebracht.
So wurde S. nach Wien zurückversetzt,
wo aber die Vergnügungen und Reize
der Residenz die traurigen Erlebnisse der jüngsten Kriegsepoche den vorherrschend
ernsten Sinn des jungen Kriegers nicht
zu zerstreuen und zu erheitern vermochten.
Dazu gesellte sich noch. daß in der letzten
Zeit seines Aufenthaltes in Ungarn sich
die Neigung zu einem braven Mädchen,
das aber dem Bürgersiande angehörte,
seines Herzens bemächtigt hatte. Lange
hoffte er auf daS Glück der Vereinigung,
aber die sich ihm entgegenstellenden Hin«
dernisse vermochte er nicht zu besiegen und
während er mit blutendem Herzen ent»
sagen mußte, mohte auch der Werth des
Lebens, in welchem das Liebste sein zu
nennen, ihm versagt war, ihm gering
genug dünken. Er lebte nun seinen wis»
senschaftlichen Studien, die sich bis zu
sölbststandigen Arbeiten ausdehnten und
bot jedenfalls das Musterbild eineS Ca-
valiers. wie sie alle sein sollten. Mit
einem Male erfüllte die Nachricht: Prinz
Bernhard sei am 16. Februar 1867 im
Prater im Zweikampfe mit einem Grafen
Wedel l gefallen, die Garnison und die
höheren Gesellschaftskreise Wiens mit theil«
nahmsvollerTraucr.GrafW edell nahm
in der Umgebung und nicht minder im
Vertrauen deS Königs von Hannover eine
einflußreiche Stellung ein. Nun hatte der
raf bei einer Gelegenheit eine herbe
Aeußerung über die Haltung eineS Ver»
wandten des Prinzen in der Schlacht bei
Königgrätz gethan, welche zu einer ernsten
Discussion zwiscken dem Grafen und dem
Prinzen führte und mit der Forderung
endete. Der König von Hannover, dem
der vorgefallene Streit zwischen beiden
Officieren nicht unbekannt geblieben war.
war wiederholt bemüht, den Zweikampf
entweder ganz zu verhindern oder doch
in ein Sabelduell umzuwandeln. Aber
Graf Wcdel l . ein trefflicher Pistolen-
schütze, der sich oft das Vergnügen machte,
an einem Kartenblatte die Ecke weg» oder
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon