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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
Seite - 221 -
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Stephanie) Christian Gottlob 22t Stephanie, Christian Gottlob beiden Helfershelfer außerhalb der Bühne gespielt, zu Tage. Der Spruch der nie. derösterreichischen Regierung wurde cas. sirt und beide S t e p h a n i e erhielten Befehl, in Wien zu bleiben, der Unter« halt wurde ihnen von Seite deS Hofes angewiesen. Nun sprach auch das Pu- blicum ein Wörtchen mit und verlangte die ihm liebgewordenen Künstler zu se« hen. Af f l ig io sah sich gezwungen, mit denen, denen er einen so schmählichen Abgang zugedacht, neue Contracte zu schließen. Dieß war die letzte Wehe, welche der Geburt der neuen Wiener Hofbühne voranging; nun war das starke, lebens« fähige Kind da, und gedieh biS zur Stunde. Der Hauswurst war auf immer begraben. Die ertemporirte Komödie und ihr noch haßlicherer Wechselbalg, die K u r z'sche Mißgeburt, hatte ihren lehren Athemzug gethan. Es mußte dieß hier auSfühllich dargestellt werden, um das nicht immer verständliche Interesse, daS sich an den Namen Stephanie in der Wiener Theatergeschickte knüpft, vorläufig zu erklären, und um den Nach. weis zuführen, wie tief Stephan ie's des alteren N>ime in die Entwicklung der Wiener Bühne eingreift. Als im Jahre 4760 Stephanie zum ersten Male die Wiener Bühne betrat, spielte er die ersten Liebhaber und feinkomische Cva« rattere. Die ersten Rollen, in denen er austrat, waren C la i rva l im Lustspiel „Celie" und der Or eft im Trauerspiel „Androinache". Als im Jahre 1770 die Wiener Bühne durch die Gebrüder Lange j^Bd. XIV, S. 97) einen glän- ze^den Zuwachs erhielt, trat S ie- ph a n i e die ersten Liebhaber an den ungemein begabten, aber der Kunst zu früh entrissenen. alteren L a n g e ab und übernahm nun das Fach der Vä» ter, worin er l77l in D i d e r o t'S „Hausvater" mit größtem Erfolge debu» tirte. Dieses Fach spielte er bis in seine spätesten Tage, und als Kaiser I o- seph I I . im Jahre l787 den verdienst» vollen Veteran, der bereits 27 Jahre so erfolgreich an der Bühne gewirkt, mit ganzem Gehalt in den Ruhestand ver« setzen wollte, erbat sich Stephanie die Gnade. noch weiter an dem in schönstem Gedeihen begriffenen Institute fortwirken Z'l dürfen, was er denn auck wirklich noch volle elf Jahre that, so daß er im Ganzen 38 Jahre an der Wiener Bühne gewirkt und wesentlich zu dem Nuhme derselben beigetragen hatte. I n den letzteren Jahren war er Mitglied der Direction geworden, und hatte als solches natürlich noch wirk« sanieren Einfluß auf die gedeihliche Ent- Wicklung dieser Kunstanstalt. Aber uicht als darstellender Künstler bloß war S. thatig. Schon oben wurde seiner ichrift» stellerischcn Thätigkeit als Herausgeber einer Wocheuschlift gedacht. Er setzte diese Thätigkeit später als dramatischer Dichter fort. Wir werden weiter unten die von ihm in Druck erschienenen dra« malischen Arbeiten angeben. Aber nicht nur, daß er selbst schrie!?, auch die Stücke Anderer, von denen einzelne Stellen von der damaligen Censur beanstandet wur« den. andeltc er ab, ohne ihren eigent« lichen Kern anzutasteu oder wie es heut« zutage zu geschehen pflegt, das eigent« liche Gefüge umzuändern, und bewirkte so daß ihre Aufführung ermöglicht und so dadurch manches Talent für die dra- malische Dichtung gewonnen wurde. Wie vortrefflich als Künstler, so gediegen war er als Mensch. Er half. wo es in einen Kräften lag. Freilich mußte auch er die Erfahrung machen, daß der alte persische Spruch im Wohlthun seine beste Wirksamkeit bewahre: .Spendest du
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Stehlik-Stietka, Band 38
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Stehlik-Stietka
Band
38
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1879
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
398
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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