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in demselben Jahre mit größtem Erfolge
in London gegeben habe. Somit wäre
er. ein wahres Wunderkind, im Alter von
6 Jahren als Guitarrespieler aufgetre.
ten! Gs ist erwiesen, daß er erst 1839,
also volle 19 Jahre später, sein erstes
Concert in Tdinburg gab, nachdem er
vorher noch in Paris bei dem berühmten
Guitarre . Virtuosen Fernando S o r
(geb. 1780. gest. 1839) Unterricht auf
seinem Lieblingsinstrumente und in der
Composition genommen hatte. Nach
seinen glänzenden Erfolgen in Schottland
und England ging er wieder nach Paris,
wo eS ihm gelang, im Salon Herz sich
die Anerkennung und den Beifall von
Künstlern, wie Chop in , Habenek,
Kalkbrenner. Liszt u. A. zu er«
werben, was ihm die Wege auf seiner
Virtuosen-Laufbahn ebnete. So z. B.
sang R u b i n i , von Szczepa»
n o w s k i's Spiel begeistert, in dessen
sämmtlichen Concerten, und der Meister
auf der Guitarre wurde in der Seinestadt
bald Mode. Dazu gesellte sich noch ein
innigerer Verkehr mit C h o p i n und
Mickiewicz, von denen Ersterer in
Paris die ersten Lorbeeren vom Baume
seines Ruhmes pflückte, Letzterer als Poet
und Verbannter die Huldigungen der
Pariser entgegennahm. Unser Virtuos
machte nun zunächst einige Kunstreisen,
auf welchen er mit seinem Instrumente
neuen Ruhm erntete, dann begab er
sich wieder nach England, wo es ihm
gelang, sich vor der Königin V ictor ia
hören zu lassen. Da waren dem Künstler
die Hallen des hohen englischen Adels
geöffnet, und in den Salons der Her-
zogin von Southerland gehörte einige
Zeit sein herrliches Guitarrespiel zu den
Genüssen des Abends. Um diese Zeit
heiratete er eine Engländerin und ließ
sich auf dem Inselreiche naturalisiren. Von Zeit zu Zeit aber unternahm er
Kunftreisen nach fast allen Hauptstädten
Europa'S. Im Jahre 1843 spielte er in
Berlin, wo ihm die polnische Jugend ein
Feftbanket gab. I n Posen veranstaltete
er nacheinander fünfzehn Concerte, ebenso
in seiner Vaterstadt Krakau. I n Dresden
gelang eS ihm, den berühmten Gregor
L ip insk i Md. XV, S. 217). der da-
selbst als erster Concertmeister des fach»
stschen HofeS lebte, derart zu entzücken,
daß derselbe stundenlang dem Spiele
auf der Guitarre lauschte. Auch nach
Spanien unternahm er eine Kunstreise,
und seine Concerte im Theater del Opera
und im Saale deS Liceo bildeten die Er«
eignisse des TageS. Im Jahre 1851
spielte er in Karlsbad vor dem Groß»
herzog von Weimar, 1832 auf seiner
Reift nach Warschau und St. Peters«
bürg auch in Leipzig, wo namentlich
der alte Moscheles »Bd. XIX, Seite
116) die Meisterschaft S z c z e p a-
n o w S k i'S anerkannte. I n der nächsten
Zeit feierte er Triumphe in Wilna, Kiew,
Bukarest. Ibraila. Warna, Constanti-
nopel, Smycna. Alexandria. Kairo
u. s. w. Die Königin Victoria verlieh
ihm den Titel eines kön. Hof« Guitarre»
spielerS. Unser Künstler ist auch Com-
positeur und hat mehrereS für daS In«
strument, daS er mit solcher Virtuosität
behandelt, geschrieben. Ein Verzeichniß
seiner Kompositionen, die bei den ver-
schiedensten Musikverlegern in England,
Frankreich, Spanien, Polen u. s. w. er-
schienen find, laßt sich kaum zusammen-
stellen. Die bedeutendsten sind: eine
Phantasie auf ein englisches Lied; —
yI^H^ota kri2ßons82." mit Variationen;
— Introducnon und Variationen auf
ein Originalthema von Sor. blos für
die linke Hand; — ^2)t^s^^6 cls ia
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon