Seite - 259 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41
Bild der Seite - 259 -
Text der Seite - 259 -
Stephan 289 S)6chenyi, Stephan
begegnen sei. räth er die Verbreitung deS
Vereinsgeistes, dieses von der vormärz-
lichen Regierung mit ahnungsvollem
Grauen verabscheuten Genius der mo.
dernen menschlichen Gesellschaft', weist
hin auf die Ausbreitung des politischen
Rechtskreises der ungarischen Sprache,
auf jene centralisirende Richtung, welche,
beginnend mit den Communications»
linien, alle bedeutenden Fäden deS mate.
liellen Fortschrittes in Pesth.Ofen, als
dem Herzen des Landes, vereinigen und
von da systematisch ausbreiten sollte.
Wenn er im „HitsI" eimiß, baute er im
auf. Wie schon bemerkt, bedeutet
auf deutsch Licht, ein Kritiker
aber sagt: „ViläF ist nicht blos Licht.
eS ist ein Leuchtthurm, der seine trö«
ftenden Strahlen weit hinaus sendet in
die stürmische Gewitternacht, unter deren
Schrecken die sich aufthürmenden Wogen
das Schiff zu verschlingen drohen, das
nun dem Hoffnung strahlenden Sterne
des LeuchthurmeS folgend, sich den Weg
in den schützenden Hafen bahnt". " Im
nämlichen Jahre weckte Sz. durch seine
Schrift über das ungarische Schauspiel
den Gedanken an eine nationale Bühne.
Ueberblicken wir nun nach dieser ge»
drängten Darstellung seiner ersten schrift«
stellerischen Thätigkeit die Ergebnisse seines
weiteren Schaffens und Wirkens. Um
den Adel, der doch, wie die Verhältnisse
damals in Ungarn lagen, den Brennpunkt
des politischen LebenS bildete, nun zunächst
in sein Interesse zu ziehen, war er darauf
bedacht, denselben auch im täglichen
Leben in einem Centralpunkte zu ver<
einen, und so gründete er nach dem
Muster der Londoner Clubs in Pesth
das National.Casino, welches kaum ent«
standen, die Errichtung ähnlicher Insti-
tute in ganz Ungarn und Siebenbürgen
zur Folge hatte, so in Debreczin, Ka- schau. Klausenburg. MiSkolcz, Raab,
Szegedin, Temesvär u. a. O. Durch
seine Schrift über die Pferdezucht weckte
er den Gedanken, einen Verein zur
Beförderung derselben zu gründen,
der auch alsbald mit seinem Gefolge
von Pferderennen, Prämienvertheilungen
u. dgl. m. ins Leben trat. Ein anderes,
nicht minder wichtiges Moment, auf das
Sz 6 chenyi, der Erste, sein Augen»
merk richtete, war die Seidenzucht,
welcher eine Menge industrieller und
commerziellerUnternehmungen, Fabriken,
Institute, Banken. Werkstatten u. s. w.
folgte, durch welche nicht nur der indu»
strielle Geist in Ungarn erwachte, sondern
ein ungleich wichtigeres Resultat, die An«
näherung des kleinen BürgerthumS an
den Adel, welche zwei Factoren sich bis
dahin ziemlich fern gestanden, erzielt
wurde. Nun aber lag ihm zunächst eine
den Verhältnissen der Gegenwart entspre»
chende Gestaltung der zwei Landeshaupt,
städte Pesth und Ofen am Herzen.
Ersteres bot zu Szöchenyi's Zeiten
den Eindruck eines unbedeutenden Ortes,
unscheinbar in seinen gewöhnlichen Ge«
bäuden, in seinem Umfang kaum eine der
kleineren Vorstädte Wiens erreichend.
Heute ist es eine Stadt der Paläste, die
sich mit den schönsten Residenzen Deutsch,
lands messen kann. Hatte der Gründer
der Akademie im Jahre 1830 gleichsam
als einen Fühler seine Schrift über daS
ungarische Theater vorausgeschickl, so rief
er 1832 als zweites mächtiges För-
derungSmitlel der ungarischen Sprache
das Nationaltheater inS Leben, dem sich
als ergänzender Bestandtheil das Musik«
conservatorium anschloß. 1833 regte er
die Idee einer großartigen Kettenbrücke
zwischen Pesth und Ofen an. Zu diesem
Zwecke reiste er wieder nach England,
holte dort technische Anschauungen, legte
17*
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon