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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
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340 Jahre als Diener, als Lehrer von Köchinen und Dienstmädchen unter den drückendsten Verhältnissen verbrachte. „Kein Stein ist in dem Pflaster der kleinen Stadt", schreibt er selbst, „der, wenn er sprechen könnte, nicht von meinem Elende zu erzählen wüßte". Trotz der mageren Kost, die meist nur in Waffer und Brod bestand, gedieh er doch trefflich und machte in der Schule die besten Fort- schritte; war aber in der einen Stadt das Semester um, dann hielt es ihn nicht länger, er ergriff den Wanderstab und ging aufs Gerathewohl in eine andere. Auf solche Art besuchte er Wien, Prag und andere Städte der Monarchie; bei guten Menschen fand er, da er lateinisch sprechen konnte, Unterkunft, auch ward ihm ab und zu ein Stück Geld auf den Weg mitgegeben, und diese Wanderungen waren die Vorschule seiner spateren Der» wischfahrten. Wenn er dann wieder in die Stadt zu den Studien zurückkehrte, wollte es ihm in den beengten Verhält» nissen nimmer recht gefallen, indessen setzte er seinen Selbstunterricht fleißig fort, be- gann französisch zu lernen, verlegte sich auch nebenbei auf das Slavische, so daß er im Alter von fünfzehn Jahren neben dem in der Schule erlernten Latein die Kenntniß der deutschen, magyarischen, französischen und slovakischen Sprache besaß. Anfangs lernte er nur Vocabeln und stieg von zehn täglich allmälig zu sechzig, ja hundert. Später-erst schritt er zur Verbindung in Sätzen. Die großen Nesultate, welche er mit dieser Methode, durch die er auch sein Gedächtniß stärkte, in Kurzem erzielte, machten ihn nur noch eifriger, bald ging er vom Selbststudium des Franzosischen zu den übrigen Zweigen der romanischen Sprachbildung über. Und als er nun gar die Classiker der verschie denen Sprachen im Original zu lesen begann, da gab es für ihn kein Halt ! mehr, er wurde nur noch lernbegieriger, und seine Sprachstudien gewannen einen immer größeren Umfang. Zu dem sprach, lichen Eifer gesellte sich aber, eben durch die Lectüre geweckt, bald die Sehnsucht nach dem Orient, denn in den Wecken Tasso's, Ariost's, Cervantes', By. ron's fesselten ihn vor Allem die Scenen, welche in den Ländern des Sonnenauf, gangs spielten. Mit dieser Sehnsucht wuchs denn auch das Verlangen, die Sprachen des Orients kennen zu lernen, und so begann er zunächst mit dem Tür» ! kischen, defsenStudium ihm durch das Ma- gyarische einigermaßen erleichtert wurde, wenngleich es auch da galt, große Schwie» rigkeiten zu überwinden, da ihm ja alle ^ Mittel fehlten, um die sprachlichen Werke, ! deren er bedürfte, zu kaufen. So geschah ! es denn, daß er einmal, durch seinen ! Selbstunterricht irregeführt, einen ganzen > starken Band fehlerhaft einstudirte, so ! daß er damit von vorn beginnen mußte. Auch noch andere Folgen schlimmster Art hatte für ihn dieses Selbststudium. Da er, um zu memoriren, laut sprach und in seinem Eifer sein Geberdenspiel immer heftiger und grotesker wurde, hielt man ihn bald für einen Wahnsinnigen, und in Folge dessen verlor er seine Lehrerstelle. Doch auch das überwand er, er suchte eine andere und trieb sein Studium un» verdrossen fort. Nun galt es, seine Sehn« sucht nach dem Orient zu befriedigen. Dazu aber fehlten ihm alle Mictel, und schien der Zeitpunkt des Antrittes seiner Wanderschaft immer ferner zu rücken. So war er zwanzig Jahre alt geworden, alö ihn ein günstiger Zufall mit Joseph Frei» Herrn von Eötvös M . IV, S. 33) zusammenführte. Der vorurtheilslose geist- volle Aristokrat erkannte bald in dem jungen Hebräer, der ihm sein Sinnen und
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Ullik-Vassimon, Band 49
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Ullik-Vassimon
Band
49
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1883
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
348
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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