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Meifzenwolf) Johann Meißenwolf, Johann-.
obersten Feldhauptmann der fünf niederöster»
reichischen, windischen und croatischen Lande
bestellt, und im Feldzuge 1342 gegen die
Türken befehligte er einen Trupp oon tausend
Reitern. Zu seiner Zeit drang auch die pro«
testaniischc Lehre in die österreichischen Lande
und fand an ihm wie an vielen Adeligen
einen einflußreichen Bekenner. Als der Wider«
stand und die Verfolgungen der Regierung
gegen den neuen Glauben immer mehr zu<
nahmen, legte Johann alle seine Ehren-
ämter nieder und verließ 1534 sein Vater-
land und wanderte aus. Später wählte er
Württemberg zu bleibendem Aufenthalt. Da«
selbst beginnt nun jene Wirksamkeit des Frei»
kerrn. die seinem Namen ein bleibendes An«
denken in der Culturgeschichte sichert. Vom
Herzog uon Württemberg erhielt er dcis
Städtchen Urach zum Aufenthalte und zur
Wohnung den Münchhof, das ehemalige Stift
St. Amandi. angewiesen. Da ihm die Ein-
künfte von seinen Besilzungen in Oesterreich
belassen worden waren, so lebte ei sehr glätt«
zend, hatte einen Secretär. einen Stallmeister
und sogar einen kleinen Hof. In Urach war
es nun, wo er ansehnliche Summen für den
Druck slovenischer Bücher verwendete. Es
wurde eine Art slavischer Oibelgeselllchafc in
Württemberg unterhalten, zu welcher Fürsten,
Adelige und protestantische Städte Deutsch-
lanoö mehr oder minder ansehnliche Summen
beisteuerten. Da lmat in , Trüber uno Ste-
phan Konsul aus Pinguente in Istrien mit
Nngnad an der Spitze waren die Haupt»
förderer des Un-ternehmcn?'. dem sogar Kaiser
M a r i m i l i a n I I . eine Summe von 400 fl.
spendete. Diese Bibelgesellschaft druckte A'M>
Büchlein, Katechismen. Postillen. Predigten.
Apologien, geistliche 3ieo?r und Bibeln augs«
oucgischer Confesston beider Testamente und
Anderes. Dr. V. F, Klun in seineu „Bei-
trägen zur slovenischen Literaturgeschichte",
welche im Graher „Aufmerksamen". 183<',,
Nr. 23 und 26 abgedruckt sind. gibt eine
höchsiiuteressance und ausführliche Darstellung
der Thätigkeit Ungnad's und dessen Gc«
nossen. Im Jahre 1504 besuchte Nngnad
seine Schwester E l i s a b e t h verwitwete
Gräsin Schl ik zu Winterih in Böhmen.
Die durch den Tod Kaiser Ferdinands I.
und den Regierungsantritt M a r i m i«
l i ans I I . geweckten Hoffnungen auf eine
Verbesserung der Lage der Protestanten' in
Oesterreich mögen wohl auch zu dieser Reise
das Ihrige beigetragen haben. Die Ankunft Mar imi ians I I . in Prag stand bevor, und
Johann dachte daselbst dem Kaiser feine
Aufwartung zu machen, doch um Weihnachten
befiel ihn ein Katarrh, dem er in wenigen
Tagen erlag. Noch auf seinem Todtmbettr
empfahl er seiner (vemalin die Druckerei der
slavischen Bücher, „dcim. sagte er. es sei sein
Schah!" Die Leiche wurde nach Tübingen
gebracht und auf des Herzogs Befehl an der
Seite des Herzog»? Ulrich in der Stiftkirche
beigesetzt. Johann Ungnad hatte sich zwei<
mal vermalt, zuerst mit Anna Gräfin Thurn,
die ihm zwanzig Söhne und vier Töchter
gebar, und zum zweiten Male am l. Juli
1333 mit Mligdillwa Grafin Varl'li, welche
ikin zwei Südlie schenkte und bald nach
seinem Tode. auf der Reise, im Aller von
.!1 Jahren am <6. November l3<»3 zu Wien
das Zeitliche segnete. Ungeachtet so zahlreicher
Nachkommenschaft erlosch doch diese Linie
bald, und war es seinem Bruder Andreas
vorbehalten, das Geschlecht fortzupflanzen.
Von Johanns Kindern starben die aus
zweiter Ehe beide unverehelicht. Von den
Sprossen aus erster Ehe war Ludwig
kaiserlicher Oberst und Hofmarschall. Chri«
stop h ebenfalls Oberst und Commandant zu
Erlau in Ungarn, und über Simon wird
unter Nr. itt berichtet. ^Dresser (M.).
Un^nadiscke Ührouika (Leipzig ilil)2, 4".)
S. 123. — Schnurr er (Chr. Fr ). Sla»
vischer Bücherdruck in Württemberg im sech'
zehnten Jahrhundert (Tübingen j7!w. Cotta,
nr. «".). — Dobrowskv (Ios.). 8ikvw.
Beiträge zur Kenntniß der alten und neuen
slavischen Literatur, der Sprachkunde nach
allen Mundarten, der Geschichte und der
Alterthümer (Prag 1808. 8°.) S. lii3 u. f.
— Valvas 0 r. Ehre des Herzogthums Krain,
Bd. i l , 2. 846 und 4<it.) — t4. Johann.
Eines Grafen Weißenwolf dieses Tauf»
namens denkt Graf Thürheim in seinen
unten bezeichneten „Denkblättern", nach denen
derselbe im Jahre 48tö Major im damaligen
^eldluarschall.Lieutenant uon Iordis-Infan-
terie'Negimente Nr. 39 war. Dieses focht
!8lA vereint mit der bayrischen Armee unter
Commando des Generals Fürsten Wrede
mit großem Nuhme bei der Ginnahme von
Würz bürg (23. Ocwder) und in der Schlacht
bei Hanau (^0. und 3l. Octobcr), wo sich
das erste, Bataillon unter Weißenwols'5
Führung bei der Erstürmung der KuHlg»
brücke besonders auszeichnete. Vü könnte
immerhin sein, daß dieser Oraf Johann
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon