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Melden, Fnm'z Ludwig 2N Melden^ Fmnz Ludwig
digen wußte, säumte nicht) seine dies-
fälligen Anträge nach Olmütz zu senden.
Mit kaiserlichem Handschreiben vom
3. November 1848 empfing Welden
,bei dem für Wien ausgesprochenen Be-
' lagerungszustand" den ah. Auftrag zur
Leitung aller für die Stadt und Umge-
bung erforderlichen Maßregeln mit dem
Titel eines Gouverneurs. Am (j. machte
eine Kundmachung des Kriegsministe»
riams der Wiener Bevölkerung diese Er-
nennung bekannt, am 11. November
betrat Welden den Schauplatz seiner
neuen Thätigkeit und quartierte sich in
der kaiserlichen .Burg im Tracte des
Amalienhofes ein. Ueber sein Verhalten
in dieser Stellung hieß es nach seinem
Tode in einem Wiener Blatte: „General
Welden ist uns Allen in einer unheil«
vollen Zeit so nahe gestanden, daß es
kaum bis zu der untersten Volksclasse
herab Jemanden gibt, dem es nicht klar
wäre, wie sich bei Welden eine seltene
mit Selbstaufopferung gepaarte Ge-
wissenhaftigkeit bei Erfüllung der über-
nommenen Pflicbten mit dem innigen
Wunsche verband, der Stadt Wien und
ihrem Vorkehr alle nur möglichen Erleich-
terungen zuzugestehen, aber gegen das
Gemeinsckadliche war er unermüdet und
unermüdlich". Nur wenige Monate blieb
Welden in dieser schwierigen Stellung,
er wurde am 12. April 1849 zur Ueber»
nähme einer noch schwierigeren, nämlich
des Obercommandos in Ungarn, nach
Feldmarschall Windisch - Grätz be-
rufen, nachdem er einen Monat zuvor,
am 13. März, zum General'.Feldzeug.
meister ernannt worden war. Sechs
Wochen, in einer traurigen Zeit, führte
Welden das Commando in Ungarn.
Aber seine Thätigkeit fiel unüberwind-
lichen Hindernissen zum Opfer. Ofen
konnte er nicht mehr retten. War schon der Schritt, Rußlands Hilfe zu suchen,
ein unverzeihlicher politischer Fehler, so
machte sich dieser nur um so fühlbarer,
als die Ruffen, statt, wenn sie schon als
Hilfstruppen einrücken sollten, sofort und
von verschiedenen Seiten zugleich einzu°
marschiren, ohne Ursache immer und
immer zögerten und so mittelbar den
Fall Ofens und den Rückzug der Armee
verschuldeten. Wir gehen über die Un-
geheuerlichkeiten, welche Schlesinger
in seinem Buche „Aus Ungarn" dem
Feldzeugmeister andichtet, hinweg, und
auf des Letzteren Werk „Episoden" ver»
weisend, worin er auch diese Zeit sein.es
Obercommandos darstellt, bemerken wir
nur, daß Welden am 1. Juni 1849
geistig und körperlich zerrüttet und tief
gebeugt durch die Niederlage der Armee
und die Mißerfolge seines Wirkens über-
haupt, sein Obercommando niederlegte.
Gr ging nun, um zunächst Erholung und
Kräftigung für seine durch die dreizehn«
monatlichen Strapazen zerrüttete Ge-
sundheit zu suchen, zunächst nach Gratz,
welche Stadt ihm noch aus der Zeit, als
er daselbst Divisionär gewesen, beson-
ders lieb war. Anfangs August aber
kehrte er auf seinen Posten als Gouver-
neur von Wien, den er sich vorbehalten,
zurück^ doch es war nicht mehr der
eiserne, dem Geschicke trotzende General,
sein Diensteifer hatte ihm die Kräfte
untergraben, und so mußte er im Juni
1855! um Versetzung in den bleiben»
den Ruhestand ansuchen, welche ihm
denn auch, der nun ein halbes Jahr«
hundert dem Staate und der Armee
ruhmvoll gedient, gewährt wurde. Wir
verweilten bisher nur bei dem dienst-
lichen Leben Welden's, aber sein
Leben bietet noch eine andere, uns viel
mehr sympathische Seite in einer Nei-
gung, welche man sonst bei einem Militär
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Band 54
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Weil-Weninger
- Band
- 54
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1886
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon