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Grundlsee#

Wappen von Grundlsee
Wappen von Grundlsee

Bundesland: Steiermark Grundlsee, Steiermark
Bezirk: Liezen
Einwohner: 1.223 (Stand 2016)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 732 m
Fläche: 152,22 km²
Postleitzahl: 8993
Website: www.grundlsee.at


Die Gemeinde Grundlsee (Bezirk Liezen) umfasst große Teile des Ausseerlandes und des Toten Gebirges und liegt direkt am gleichnamigen Grundlsee.
(Die Gemeinde hat ihren Namen nach dem See und besteht aus den fünf Orten Bräuhof, Gößl, Archkogl, Untertressen, Mosern; es gibt aber keinen Ort "Grundlsee".)


Grundlsee
Grundlsee
© Österreichwerbung, Beckel, für AEIOU

Die Gegend war bereits in früher Zeit besiedelt, was durch altsteinzeitliche Funde in der Salzofenhöhle im Toten Gebirge belegt ist; es gibt weiters zahlreiche Relikte aus der Bronze- und der Eisenzeit, eine bronzezeitliche Siedlungsstelle und auch spätrömische Siedlungsspuren. Später siedelten hier die Slawen, dann die Bajuwaren; erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1188 als "Chrungilse".

Im 15. Jahrhundert war der Fischfang im Grundlsee eine wichtige Einnahmequelle für die Einwohner. Später war der einzige Erwerbszweig die Salzproduktion, auf die alle wirtschaftlichen Tätigkeiten abgestimmt waren: in Altaussee wurde das Salz abgebaut, in Bad Aussee in den Sudpfannen zu Salz versotten und Grundlsee war zuständig für die Versorgung der Sudpfannen mit dem nötigen Brennholz, also vor allem für die dazu notwendige Forstwirtschaft.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde die Bevölkerung des Ausseerlands weitgehend protestantisch; ab 1599 setzte eine Rekatholisierungskommission gewaltsam die Gegenreformation durch. Es zogen zwar während der Napoleonischen Kriege zwischen 1800 und 1809 mehrmals französische Truppen durch das Ausseerland, es kam aber zu keinen Kämpfen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Salzkammergut für die Sommerfrische entdeckt. Das nahe Bad Ischl entwickelte sich zu einem prominenten Kurort und wurde 1849 kaiserliche Sommerresidenz, wodurch das Ausseerland zum Anziehungspunkt für die vornehme Gesellschaft wurde; auch viele Künstler zog es bald nach Grundlsee. (Zwischen 1801 und 1848 arbeiteten Erzherzog Johanns Kammermaler im Ausseerland, darunter Jakob Gauermann, Matthäus Loder, Thomas Ender und Jakob und Rudolf Alt, die zahlreiche Landschaftsbilder mit Grundlseer Motiven malten. )

1877 wurde das Ausseerland durch die Eröffnung der Kronprinz‑Rudolf‑Bahn bestens für den Fremdenverkehr erschlossen; schon 1879 wurde in Grundlsee mit dem hölzernen Dampfboot "Erzherzog Johann" der touristische Dampfschifffahrts-Verkehr aufgenommen.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurde das gesamte Ausseerland 1938 in die Verwaltungseinheit Oberdonau (Oberösterreich) eingegliedert. 1943 wurde im nahen Salzbergwerk Altaussee ein Depot für Kunstgüter eingerichtet, in dem Kunstschätze aus Kirchen, Klöstern und Museen gelagert wurden, um sie vor Bombenangriffen zu schützen. Zu Kriegsende wurden Kisten mit gefälschten englischen Pfund-Banknoten, mit denen die englische Wirtschaft hätte geschwächt werden sollen, im See versenkt. (Seither gibt es immer wieder Gerüchte, im See seien auch Goldreserven des Dritten Reichs und Kunstgegenstände versenkt worden. Zahlreiche Tauchgänge, auch mit Klein-U-Booten, fanden aber bisher nur Falschgeldkisten und Kriegsrelikte. ) Das Ausseerland war Teil der so genannten Alpenfestung und 1944/45 ein letztes Rückzugsgebiet für nationalsozialistische Partei- und Regierungsstellen.

Nach dem Krieg kam Grundlsee wieder zurück in die Steiermark: zunächst war es von 1945 bis 1955 Teil der amerikanischen Besatzungszone in Österreich; dann war Grundlsee bis 2011 Teil der politischen Expositur 'Bad Aussee', die 2012 in eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft Liezen umgewandelt wurde.


Heute ist die Gemeinde Grundlsee beliebtes Urlaubsziel: der Grundlsee - als größter steirischer Natursee auch "Steirisches Meer" genannt - lädt einerseits mit 14 km Naturbadestrand zum Baden ein, bietet aber auch Bootsverleih, Segel & Surfschule u.v.m. Von Anfang Mai bis Ende Oktober verkehren die Linienschiffe der "Schifffahrt Grundlsee". (Von der Schiffsanlegestelle Grundlsee-Seeklause am Westufer des Sees fährt ein Motorboot täglich fünfmal nach Gößl am Ostufer des Sees und retour; zusätzlich gibt es im Zuge der 3-Seen-Tour die Möglichkeit, den Grundlsee und den Toplitzsee mit Motorbooten zu durchqueren und anschließend zum Kammersee zu wandern.)
Die umliegenden Berge des Toten Gebirges sind durch ein gut markiertes Wandernetz erschlossen, auch der grenzüberschreitendn Weitwanderwegs "Via Alpina" führt durch das Gemeindegebiet.
Jedes Jahr Ende Mai wird im Ausseerland das Narzissenfest veranstaltet - der dazugehörende Bootskorso findet jährlich wechselnd einmal in Altaussee und einmal in Grundlsee statt. Die in Grundlsee beheimatete Band "Die Seer" spielt jährlich ein vielbesuchtes Open Air-Konzert in Grundlsee.

Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Altaussee, Bad Aussee und Bad Mitterndorf den Tourismusverband "Ausseerland-Salzkammergut".

Besonders sehenswert im Ort und der Gemeinde sind u.a.

  • neugotische Pfarrkirche 'Herz Jesu' (1888–90) mit Glasfenstern der Tiroler Glasmalerei
  • Messkapelle (Raphael-Kirche) in Gößl (erbaut 1819/20 mit Beitrag Erzherzog Johanns) mit Barockinventar (17./18. Jhdt.); Deckenfresko (1950) von Univ.-Prof DDDDr. Johann Ude (Das Kirchlein ist nicht Eigentum der katholischen Kirche, sondern im Privatbesitz von 14 Gößler Bauernfamilien.)
  • alte Gehöfte (teilweise 16. Jhdt.)
  • historische Gasthöfe und Villen (19. Jhdt.)
  • "Kaiserlicher Stall" (heute Ausstellungsort): das einzige denkmalgeschützte Gebäude in Grundlsee beherbergte einst die edelsten Pferde des Kaisers und wurde seit 1680 nicht mehr verändert.
    (In den Chroniken wird der Bau schon 1568 im Zusammenhang mit einer Fischerei in der Klause erwähnt. Eine Fischerei (Saibling und Forellenzucht) gibt es hier, wo die Traun den Grundlsee verlässt, auch heute noch.)
  • Ranftlmühle (1850): benannt nach dem Wiener Maler Johann Matthias Ranftl, der sich gern am Grundlsee aufgehalten hat.
  • Toplitzsee: wird von zwei Wasserfällen sowie einem unterirdischen Zufluss vom Kammersee gespeist und liegt zwischen dem Kammersee (Traun-Ursprung) und dem Grundlsee. Von den Parkplätzen in Gössl, am Ende des Grundlsees, führen zwei ca 1,6 km lange Wanderwege zum Toplitzsee (entweder die Straße vorbei an der kleinen Kirche durch das Dorf Gössl mit anschließendem Waldweg entlang der 180 m hohen Gössler Wand oder der Waldweg mit dem Abstecher zur romantischen "Ranftlmühle".)
  • Kammersee: zum See gelangt man nur per Schiff (Linienschifffahrt mit sog. Plätten), da das Umrunden des Sees aufgrund der Topografie zu Fuß unmöglich ist.

Weiterführendes#

Literatur#

  • M. Seifert, Die G. Pfarrgeschichte, 1996
  • N. Schönfellinger (Hg.), G., Sachln und Gschichtln. 150 Jahre Gem. G., 2000