Dreidärrischenhöhle

Dreidärrischenhöhle
Lage: Anninger im Wienerwald bei Gaaden, Niederösterreich
Geographische
Lage:
48° 2′ 53,3″ N, 16° 15′ 18,5″ O48.04813316.255133Koordinaten: 48° 2′ 53,3″ N, 16° 15′ 18,5″ O
Dreidärrischenhöhle (Niederösterreich)
Dreidärrischenhöhle
Schauhöhle seit: 1926-1939
Beleuchtung: ehem. elektrisch
Gesamtlänge: 230 mdep1
Besonderheiten: VERSPERRT!

Die Dreidärrischen-Höhle (oder Siebenbrunnentalhöhle, in früheren Zeiten auch „Saulucke“, „Niklashöhle“, „Fuchsloch“[1] oder auch „Höhle bei den drei Därrücken“[2]) ist die größte Höhle des Wienerwaldes und befindet sich im Siebenbrunnengraben, der sich den Osthang des Anningers von Gumpoldskirchen (im Gemeindegebiet von Gaaden) hinaufzieht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zur Herkunft des Namens gibt es mindestens zwei Vermutungen:

  • Die drei oberhalb des Höhleneinganges bizarr aufragenden Felsen sehen versteinerten Menschen ähnlich, die der Sage nach taub („därrisch“[Anm. 1][Anm. 2]) sind.
  • Die Felswand um die Höhle gibt angeblich kein Echo.

Die Höhle mit einer Ganglänge von ca. 230 m und einem Höhenunterschied von 19 m ist der einheimischen Bevölkerung sicher seit dem 19. Jahrhundert oder noch früher bekannt. Grabungen haben gezeigt, dass die Höhle schon zur Hallstattzeit besucht wurde und nicht als Wohnraum gedient hat, sondern als Opferstätte für Erd- und Totenkulte.[3]

Die sagenhafte, kaum zugänglich gewesene sogenannte Drei-Därrischen-Höhle […], welche nach Berichten früher bis Gaaden reichte, würde durch die Stadt Mödling für den allgemeinen Besuch bald erschlossen sein.[4] — Mit elektrischer Beleuchtung und künstlich geschaffenem Zusatzeingang versehen, wurde sie von 1926 bis 1939 als Schauhöhle geführt. Diese wurde am 23. August 1926 eröffnet, und bereits innerhalb des ersten Bestandsmonats besuchten sie mehr als 5 000 Personen, was 17 bis 19 Millionen Kronen an Eintrittsgeldern abwarf.[5]

Ab 1927 befand sich vor dem natürlichen Höhleneingang auf einer künstlich aufgeschütteten Terrasse[6] das sogenannte „Bergheim“, eine kleine Schutzhütte, die, 1935 infolge eines Rechtsstreits geschlossen[7], nach dem Zweiten Weltkrieg abbrannte.[8]

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs besteht kein öffentliches Interesse mehr an der Höhle – während der Kriegswirren jedoch diente die Kaverne, zu deren tiefstem Punkt ein künstlicher Stollen vorgetrieben wurde und deren Zugang in Beton[9] ausgeführt war, der einheimischen Bevölkerung als Zufluchtstätte[6].

In den 1980er-Jahren verstürzte ein Teil in der weiter unten gelegenen Etage bei unautorisierten Grabungsarbeiten, wurde jedoch bald danach von Peter Pichler[Anm. 3] wieder freigelegt. In den letzten Jahrzehnten galt die Höhle in einigen Teilen als einsturzgefährdet und wurde deshalb versperrt – Mitte 2009 wird jedoch von einem privat organisierten touristischen Führungsbetrieb berichtet[6].

Naturschützer forderten eine Sperre, um das empfindliche Ökosystem der Höhle zu schützen.[Anm. 3]

Die Dreidärrischen-Höhle dient als natürlicher Unterschlupf und Rückzugsgebiet für seltene Tierarten wie Fledermäuse: Beobachtet wurden Kleine Hufeisennase, Großes Mausohr, Mopsfledermäuse, Zwergfledermaus und andere, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Was die Kleine Hufeisennase betrifft, so konnten im Jahr 2001 nur mehr drei Exemplare beobachtet werden, im Jahr 1944 waren es noch 50 gewesen.[10]

Literatur

  • Helga Hartmann (Red.): Die Höhlen Niederösterreichs. Band 2. Türnitzer Alpen und Vorland, nördliche Gutensteiner Alpen, Wienerwald, Manhartsberg, Weinviertel. Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift „Die Höhle“, Band 29. Landesverein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich, Wien 1982, ZDB-ID 505258-0, S. 272 f. [11]
  • Alfred Aigelsreiter: Mödling, wie es einmal war. Fotografische Kostbarkeiten von 1872–1952. Eigenverlag Alfred Aigelsreiter, Mödling 1995, Abb. 124, 125. [12]
  • Franz Jantsch: Die Faszination der Höhle. Freya-Verlag, Unterweitersdorf 2002, ISBN 3-902134-40-2.
  • Robert Bouchal, Josef Wirt: Verborgener Wienerwald. Vergessenes, Geheimnisvolles, Unbekanntes. Styria Pichler Verlag, Wien 2003, ISBN 3-85431-311-X, S. 42, 90.
  • Ilse und Georg Waldner, Heide Kucera: 1100 Jahre Mödling – die Geschichte einer Stadt. Stadtgemeinde Mödling, Mödling 2003, ISBN 3-00-011896-9.

Einzelnachweise

  1. Hauptverband Deutscher Höhlenforscher (Hrsg.): Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde. Mitteilungen der Forschungsstätte für Karst- und Höhlenkunde, der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“, des Reichsbundes für Karst- und Höhlenforschung und des Bundes der Deutschen Höhlen- und Schaubergwerke. Jahrgang 1941. Berlin 1941, ZDB-ID 558855-8, S. 157.
  2. Michael Müllner: Karsterscheinungen in Niederösterreich. Mit sechs Lichtbildern. In: Der Naturfreund, Jahrgang 1924, (Band XXVIII), S. 65–69. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dna
  3. Jantsch: Faszination, S. 72.
  4. Eine neue Höhle am Anninger.. In: Badener Zeitung, Nr. 84/1925, 21. Oktober 1925, S. 4, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  5. Umgebung. Mödling. Gemeinderatssitzung.. In: Badener Zeitung, Nr. 82/1926, 13. Oktober 1926, S. 4, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  6. a b c Gerhard Schirmer: Vergessene Schauhöhlen in Niederösterreich. In: Österreichische Touristenzeitung für Bergsport und Alpinismus. 122. Jahrgang, Heft 2, April/Mai 2009. Österreichischer Touristenklub, Zentrale Wien, Wien 2009, ZDB-ID 2552429-X, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund, S. 42. – Text online (PDF).
  7. Kleine Chronik. (…) Schließung des Schutzhauses „Bergheim“ auf dem Anninger.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt (Nr. 25381 A/1935), 10. Mai 1935, S. 2, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. Waldner: 1100 Jahre Mödling, S. 46.
  9. Peter Schubert: Schauplatz Österreich. Topographisches Lexikon zur Zeitgeschichte in drei Bänden. Band 2. Bundesländerorte A – K. Hollinek, Wien 1977, ISBN 3-85119-154-4, S. 128.
  10. Höhlenforschung: Die Schattenseiten des Wienerwalds. In: Das Naturhistorische. Das Magazin des Naturhistorischen Museums Wien. Ausgabe Herbst 2002. Naturhistorisches Museum, Wien 2002, ZDB-ID 2039580-2, S. 4 f. – Text online (PDF).
  11. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  12. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.

Anmerkungen

  1. törisch <Adj.> [mhd. tœrisch = in der Art eines Toren, töricht] (bayr., österr.): taub; schwerhörig. – In: Duden - Deutsches Universalwörterbuch. CD-ROM-Ausgabe. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-05506-7.
  2. törisch, auch: terisch (mda): schwerhörig, taub. – In: Otto Back (Bearb.): Österreichisches Wörterbuch – auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks (neue Rechtschreibung). 40., neu bearbeitete Auflage. öbv & hpt, Wien 2006, ISBN 3-209-05511-4, S. 660.
  3. a b nicht belegt.

Weblinks