Eckart Witzigmann

Eckart Witzigmann, 2008

Eckart Witzigmann (* 4. Juli 1941 in Hohenems, Vorarlberg), aufgewachsen in Bad Gastein, ist ein österreichischer Koch.

Witzigmann gilt als einer der besten Köche der Welt und bis heute als einflussreicher Kochkünstler im deutschsprachigen Raum. Er brachte in den 1970er Jahren die französische Nouvelle Cuisine als Impuls nach Deutschland und emanzipierte sie zugleich von Frankreich, indem er sie weiterentwickelte. Er hat die Kochkunst im deutschsprachigen Raum wesentlich erneuert und eine neue Schule des Kochens begründet, die auch ethische und nachhaltige Prinzipien wie den Respekt vor Tier und Pflanze beinhaltet. Witzigmann hat mehrere Generationen von Köchen geprägt. Zahlreiche seiner Schüler gehören heute selbst zur ersten Garde der Köche.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Eckart Witzigmann in seinem 3 Sterne-Restaurant „Aubergine“ in München

Nach seiner Kochlehre im Hotel Straubinger bei Ludwig Scheibenpflug [2] in Bad Gastein (1957–1960) absolvierte er zahlreiche Stationen in den Spitzenküchen dieser Welt, unter anderem als Schüler von Paul Haeberlin in Illhaeusern und Paul Bocuse in Lyon. Weitere Stationen Witzigmanns waren das „Operakällaren“ in Stockholm, das „Cafe Royal“ in London, die „Villa Lorraine“ in Brüssel und der „Jockey Club“ in Washington, USA.

Eckart Witzigmanns Aufstieg in der Kochbranche Deutschlands begann 1971 im Münchner Restaurant Tantris, für das er 1973 den ersten und 1974 den zweiten Michelin-Stern erkochte.

Aubergine

1978 eröffnete er das Restaurant „Aubergine“ am Münchner Maximiliansplatz. Bereits im November 1979 erhielt er als erster deutschsprachiger Koch (und weltweit dritter Koch außerhalb Frankreichs) drei Sterne im Guide Michelin 1980. Diese Auszeichnung behielt das Restaurant bis zur Schließung 1994.

Trotz der Bekanntheit des Restaurants blieb ein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolg für Witzigmann aus. Wenn die komplette Belegschaft anwesend war, arbeiteten im Aubergine 40 Mitarbeiter für 45 Gäste.

1993 verlor er seine Restaurant-Konzession wegen Kokain-Besitzes.[3] Alfons Schuhbeck übernahm die Konzession für ein Jahr, in dem Witzigmann weiter kochte,[4] bevor er das Aubergine 1994 schloss. Anschließend beriet Witzigmann Spitzenrestaurants in Düsseldorf, Mallorca und Osaka.

1994 wurde ihm vom Gault-Millau der Titel Koch des Jahrhunderts verliehen, den außer ihm weltweit nur drei weitere Köche tragen (Paul Bocuse, Joël Robuchon und Frédy Girardet). Diese seltene Auszeichnung wurde seitdem nicht mehr verliehen.

Nach der Aubergine

Die New York Times ehrte ihn mit dem Titel „Koch der Könige und Götter“, nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass er für zahlreiche gekrönte Häupter tätig wurde, darunter Königin Elisabeth II. und ihren Gemahl Prinz Phillip, König Hassan von Marokko, König Harald von Norwegen, König Carl-Gustav und Königin Silvia von Schweden und den Maharadscha von Jaipur. Zu den Bewunderern seiner Kochkunst zählen auch die Präsidenten Gorbatschow, George Bush und Valéry Giscard d’Estaing, für die er bei Staatsbesuchen kochte.

Seit 1994 gibt Eckart Witzigmann sein Wissen in erster Linie in beratender Funktion und in Form von bisher über 40 Kochbüchern weiter. Dabei hat er u. a. mit Alfred Biolek zusammengearbeitet.

Im „Witzigmann Palazzo“, bei dem ein in verschiedenen Städten angebotenes mehrgängiges Abendessen mit Showeinlagen und Schauspielern untermalt wurde und bei dem die Gäste in ein interaktives Theaterstück verwickelt wurden, bewirtete er bis 2006 ca. 150.000 Gäste.[5] Das Anschlussprojekt, der „Witzigmann-Roncalli-Bajazzo“ bestand bis 2008.

Witzigmann ist Patron (Berater) des Restaurants Ikarus, das sich im Hangar-7 des Salzburger Flughafens befindet und jeden Monat internationale Köche als Gäste verpflichtet. Ferner ist er Herausgeber des Feinschmecker-Magazins apéro.

Im Februar 2007 wurde Eckart Witzigmann zum Professor und Dr. ehrenhalber der schwedischen Universität Örebro berufen, der einzigen staatlichen Gastronomie-Universität Europas. An der dortigen Restaurant-Akademie in Grythyttan führt Witzigmann den Titel „Professeur de la Cuisine“.

Von 2007 bis 2010 war er Präsident der Deutschen Akademie für Kulinaristik.

Auszeichnungen

  • 1974 Zwei Sterne im Guide Michelin für das "Tantris"
  • 1975 Goldene Pfeffermühle (verliehen von Klaus Besser)
  • 1978 Zwei Sterne im Guide Michelin für das "Aubergine"
  • 1979 Drei Sterne im Guide Michelin 1980 für das "Aubergine" als erstes Drei-Sterne-Restaurant Deutschlands
  • 1991 Orden "Ordre des Arts et des Lettres", verliehen vom französischen Kulturminister Jack Lang
  • 1991 Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Silber
  • 1994 „Koch des Jahrhunderts", verliehen von Gault Millau
  • 1999 „Hall of Fame de Grand Chefs"
  • 2007 Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien [6]
  • 2007 Goldene Romy für die Dokumentation „Kulinarische Weltreise“
  • 2011 wurde er zum Internationalen Kulinarischen GenussBotschafter Österreichs ernannt.[7]

Schüler (Auswahl)

Literatur

Filme

  • Eckart Witzigmann - Mein Leben. Dokumentarfilm, Österreich, Deutschland, 2010, 45 Min., Buch und Regie: Lutz Reitemeier, Produktion: avanti media, ZDF, arte, Erstsendung: 29. August 2010 bei arte, Film-Informationen von ARD.
  • Zu Gast im Ikarus. Eckart Witzigmann präsentiert Spitzenköche im Hangar 7 in Salzburg. Reportage-Reihe, Österreich, 2009ff., 24 Min., Produktion: ServusTV, Internetseite von ServusTV.
  • Eckart Witzigmann - Der Jahrundertkoch. Dokumentarfilm, Deutschland, 2008, 60 Min., Buch und Regie: Mica Stobwasser, Produktion: megaherz, moviepool, BR, Reihe: Köpfe in Bayern, Inhaltsangabe von megaherz mit Video-Ausschnitt.
  • Witzigmanns Köche. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2007, 30 Min., Buch und Regie: Michaele Scherenberg, Produktion: hr, Film-Informationen von ARD.
    „Die Crème de la Crème der deutschen und österreichischen Spitzenköche trifft sich im Witzigmann & Roncalli Bajazzo Frankfurt. Dabei geht es um die kulinarische Auslese 2007. Mit dabei sind Eckart Witzigmann, Harald Wohlfahrt, Dieter Müller, Johann Lafer und Juan Amador. Erstmals wird das geheime Viergang-Menü des Roncalli verraten und vor Kameras zubereitet.“
  • Kulinarische Weltreise. Chefs around the World. Reportage-Reihe in zwölf Teilen, Österreich, 2006, 25 Min., Produktion: ORF, Film-Informationen von fernsehserien.de.
  • Dinner auf dem Dampfer mit Eckart Witzigmann. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2006, 14 Min., Buch und Regie: Denise J. Blasczok und Stefan Quante, Produktion: WDR, Reihe: Die kulinarische Reportage, Film-Informationen von ARD.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bernd Matthies: Spitzenküche: Topfs Schlager. In: Der Tagesspiegel, 20. November 2009, aufgerufen 5. Oktober 2011
  2. „Kässpätzle von Tante Fanny.“ In: Vorarlberg Online, 9. Juli 2008, Interview
  3. Marina Antonioni: Starkoch Witzigmann. Dirigent der Kochtöpfe. In: ddp / manager magazin, 4. Juli 2006
  4. Christina Maria Berr: Eckart Witzigmann. Lehrmeister der TV-Köche. In: Süddeutsche Zeitung, 19. November 2007
  5. Christian Mayer: Ende der Koch-Show. Witzigmann zieht aus seinem Palazzo aus. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Januar 2006
  6. du/rr: Ehrung für Sterne-Koch Witzigmann. In: Stadt Wien, 29. Januar 2007
  7. APA: Witzigmann ist "Kulinarischer Botschafter". In: Die Presse vom 11. Jänner 2011