Halltal

Dieser Artikel erläutert das Seitental des Inntals in Tirol; die Gemeinde in der Steiermark wird unter Halltal (Steiermark) erläutert.
Herrenhäuser im Halltal
Halltal mit Haller Zunterkopf, rechts davon der Thaurer Zunterkopf mit dem Törl und den anschließenden Wildanger
Blick von der Alpensöhnehütte ins Halltal in Richtung Westen, die Berge von lins nach rechts: Rumer Spitze, Lattenspitze, Stempeljochspitze, Rosskopf, Großer Lafatscher und Kleiner Lafatscher
Das ehemalige Kloster St. Magdalena im Halltal. Hinten Großer Lafatscher (links) und Kleiner Lafatscher (rechts)

Das Halltal ist ein kleines Seitental des Inntals im österreichischen Bundesland Tirol. Es befindet sich im Gemeindegebiet von Absam nördlich der ehemaligen Salinenstadt Hall in Tirol.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Tal beginnt beim "Hackl" (800 m) am oberen Ende des Haller Schwemmfächers und verläuft zuerst etwa 2 km in nordwestlicher Richtung um dann scharf in westliche Richtung umzubiegen und weitere 5 km bis zum Stempeljoch (2.215 m) zu ziehen. Der Rücken des Kartellerjöchls (1.731 m) teilt das Tal schließlich in das obere Halltal mit dem Haller Salzberg und dem nördlich davon gelegenen Isstal. Der vom Haller Salzberg kommende Bergbach vereinigt sich mit dem Issbach zum Halltalbach oder Weißenbach, welcher in Hall in Tirol in den Inn mündet. Der vordere Teil des Tales war über eine bis zu 32 Prozent steile Mautstraße öffentlich befahrbar. Die Weiterfahrt zu den Herrenhäusern und auf das Issjöchl war hingegen für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Nach mehreren Murenabgängen im Bereich der Bettelwurfreise ist das Halltal seit 2012 nur mehr für Berechtigte befahrbar.[1] Das Halltal und seine Umrahmung liegen im Naturschutzgebiet Karwendel, welches Teil des Alpenparks Karwendel ist.

Geologie

Das Halltal ist Teil der Nördlichen Kalkalpen und sein West-Ost-Ast folgt einer bedeutenden tektonischen Grenzfläche, an der Gesteine der Inntal-Decke über jüngere Gesteine der südlich davon vorkommenden Karwendel-Schuppenzone geschoben wurden[2]. An dieser Störungszone tritt auch das Salinar der Salzlagerstätte auf[3]. Die Berge nördlich der Störung bestehen zum Großteil aus dem dickbankigen, hellgrauen Wettersteinkalk, der eine Sattelstruktur bildet. Markant ist das mittelsteile Südfallen seiner Schichten im Gipfelaufbau des Großen Bettelwurfs (2.726 m) und den Kleinen Bettelwurfs (2.650 m) sowie im Bereich der sogenannten Platten westlich der Bettelwurfhütte. Auch das Kartellerjöchl (1.731 m) wird aus Wettersteinkalk aufgebaut; darüber liegen noch Reste der Raibler Schichten. Die Berge südlich des Halltals (Zunterköpfe) bestehen großteils aus dem dünngebankten, mittelgrauen Hauptdolomit. Die Salzlagerstätte reicht vom Bereich des heutigen Salzberges nach Westen bis unter den Wildanger-Stock und nach Norden bis ins hintere Isstal. Das Hauptgestein ist das Haselgebirge, ein tektonisches Mischgestein aus Tonstein, Siltstein, Steinsalz und Anhydrit[4]. Das Halltal weist außerdem noch junges Gestein in Form von Brekzien auf, die z. B. den markanten Plattenturm westlich der Bettelwurfhütte aufbauen. Diese Sedimentgesteine zeigen eine ehemals mächtige Verfüllung des Halltals an.

Der Haller Salzberg

Große Bedeutung erlangte das Halltal durch über 700 Jahre lang betriebenen Salzbergbau und der damit verbundenen Saline in Hall in Tirol. Von diesem 1967 geschlossenen Salzbergbau sind noch viele Spuren zu sehen[5], z. B. die Eingänge der Hauptstollen und die Herrenhäuser. Das Salzvorkommen wurde der Legende nach von Ritter Nikolaus von Rohrbach entdeckt, als er aus dem Vorkommen von salzhältigem Quellwasser auf ein unterirdisches Salzlager schloss. Urkundlich belegt ist eine Saline in diesem Gebiet im Jahre 1232[6]. Der eigentliche Bergbau dürfte spätestens um 1272 begonnen haben, als Graf Meinhard II. den ersten Stollen, den heutigen Oberbergstollen (1.608 m) anschlagen ließ. Bereits im Jahre 1555 betrug das Streckennetz der Stollen etwa 20 km Länge. Insgesamt wurden 8 Horizonte (Hauptstollen) aufgefahren. Das gesamte Streckennetz betrug kurz vor der Schließung im Jahre 1967 rund 22 km (mit allen aufgelassenen Strecken ca. 80 km). Der Abbau des Salzes geschah wie in allen alpinen Salzlagerstätten durch kontrollierte Auslaugung. Die so gewonnene Sole wurde über eine 10 km lange Rohrleitung bis zum Sudhaus nach Hall in Tirol geleitet. Die Herrenhäuser (1.485 m), Zentrum des früheren Bergbaues, und das darin befindliche Salzbergmuseum sind seit dem Abgang einer Lawine im Jahre 1999 stark beschädigt und dem Verfall preisgegeben.

Tourismus: Hütten und Wanderwege

Das Halltal ist Ausgangspunkt für zahlreiche Bergtouren. Besonders häufig bestiegen werden der Große und der Kleine Bettelwurf (2.726 m, 2.650 m), die Speckkarspitze (2.621 m), der Große (2.696 m) und Kleine Lafatscher (2.636 m) sowie der Haller- und der Thaurer Zunterkopf (1.966 m, 1.918 m). Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Gasthaus im ehemaligen Kloster St. Magdalena. Die Gaststätte in den Herrenhäusern ist geschlossen. An der Südseite des Bettelwurfs liegt auf 2.079 m Höhe die Bettelwurfhütte der Sektion Innsbruck des Österreichischen Alpenvereins. Nur an Sonntagen und Feiertagen von Anfang Mai bis Ende Oktober bewirtschaftet ist die Alpensöhnehütte (1.345m) unterhalb des Halltaler Zunterkopfes.

Naturschutz

Das Halltal liegt im Alpenpark Karwendel, der mit seinem Konglomerat aus Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten zu den Natura 2000 Gebieten zählt. Dies bedeutet für den Besucher naturschutzrechtliche Einschränkungen bezüglich befahren mit bzw. abstellen von Kraftfahrzeugen im Schutzgebiet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Tiroler Tageszeitung: Durchbruch befördert Halltal in eine neue Ära; abgerufen am 6. Juni 2012.
  2. Brandner, R. (2008): Absams Untergrund – Zur Geologie des Gemeindegebietes von Absam. – In: Laimgruber, M., Moser, H. & Steindl, P. (Red.): Absam, 9–35, Absam (Gemeinde Absam).
  3. Schmidegg, O. (1951): Die Stellung der Haller Salzlagerstätte im Bau des Karwendelgebirges. – Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 94, 159–205 (http://www.geologie.ac.at/filestore/download/JB0942_159_A.pdf)
  4. Spötl, C. (1989): Die Salzlagerstätte von Hall in Tirol – ein Überblick über den Stand der geologischen Erforschung des 700jährigen Bergbaubetriebes. – Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, 69, 137–167.
  5. Spötl, C. & Spötl, H. (1998): Ein montangeschichtlicher Streifzug durch das Halltal. – Tiroler Heimatblätter, 73, 2–18.
  6. Palme, R. (1981): Geschichte des Salzbergbaues und der Saline Hall. – In: Grass, N. & Hochenegg, H. (Hrsg.): Stadtbuch Hall in Tirol, 67–91, Innsbruck (Steiger).

Weblinks

 Commons: Halltal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.327511.495833333333Koordinaten: 47° 19′ 39″ N, 11° 29′ 45″ O