Hiob (Joseph Roth)

Hiob ist ein Roman von Joseph Roth, erschienen 1930. Der Autor beschreibt den Leidensweg eines jüdisch-orthodoxen Dorfschullehrers aus einem Schtetl in Russland um 1900. Die Hauptfigur Mendel Singer treffen innerhalb kürzester Zeit so viele Schicksalsschläge, dass sein gesamtes Weltbild zerbricht und er beginnt, an Gott und dessen Allmacht und Güte zu zweifeln.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Erster Teil

Alles beginnt mit der Geburt von Mendel Singers körperlich und geistig behindertem Sohn Menuchim, der an Epilepsie leidet, was als Strafe Gottes gewertet wird. Menuchim scheint die Familie Singer ins Unglück zu reißen. Mendels drei restliche Kinder verachten und quälen Menuchim, weil sie sich nun von der Mutter, welche sich nur noch um Menuchim kümmert, vernachlässigt fühlen. Außerdem werden sie von den anderen Kindern im Schtetl wegen der Behinderung Menuchims gehänselt. Auch die Liebe Mendels zu seiner Frau Deborah leidet unter der Geburt.

Eines Tages erreicht die beiden älteren Söhne Mendels der Einzugsbefehl zur Armee. Für den Jüngeren kann die Mutter die Ausreise nach Amerika organisieren, der andere meldet sich freiwillig zum Dienst im russischen Militär, um dem strengen Leben in der Familie und im Schtetl zu entfliehen. Mendels Tochter Mirjam wendet sich vom Glauben ab und flüchtet sich in ihre Sehnsüchte und Träume in Form von Liebe zu den im Dorf stationierten Kosaken, zum Entsetzen ihres Vaters. Nach einiger Zeit meldet sich der emigrierte Sohn, der nun in den Vereinigten Staaten „Sam“ heißt, wieder. Mit seinem erarbeiteten Geld holt er seine Familie ins „freie Land“. Um die Reise antreten zu können, müssen die Singers allerdings ihren Sohn Menuchim in Russland zurücklassen.

Zweiter Teil

Mendel, Deborah und Mirjam fahren mit dem Schiff nach Amerika. Kurz vor ihrer Ankunft sehen sie die Freiheitsstatue, das Symbol eines besseren Lebens. Jedoch fühlt sich Mendel in diesem Land nicht wohl, alles ist fremd für ihn, selbst sein eigener Sohn Schemarjah („Sam“); seine Frau und seine Tochter dagegen genießen das moderne Leben und schon bald hat Mirjam eine neue Liebschaft: Mac, ein guter Freund von Sam. Mendel sehnt sich nach Menuchim, will sich dies aber nicht eingestehen. Zu seinem Unglück (s. Bezug) fällt Sam im ersten Weltkrieg, in den nun selbst Amerika eingetreten ist. Jonas, der ältere Bruder, wird als verschollen gemeldet, daraufhin stirbt Mendels Frau Deborah an Kummer, und schließlich wird die Tochter Mirjam verrückt. Durch diese schweren Schicksalsschläge verliert Mendel seinen Glauben, den er erst wiedererlangt, als ihn sein mittlerweile geheilter und als Musiker berühmt gewordener Sohn Menuchim unverhofft besucht. Am Ende des Buches schläft Mendel Singer glücklich und beruhigt ein. Ob er nun gestorben ist, bleibt unklar.

Bezug

Die Handlung des Romans ist deutlich an die Hiob-Geschichte des Alten Testamentes angelehnt. Wie Hiob scheint auch Mendel Singer alles zu verlieren und verzweifelt angesichts der Härte der „Strafe“ an Gott.

Durchkreuzt wird diese Analogie aber durch eine zweite biblische Geschichte, die Josephsgeschichte. In Roths Roman ist es der in Russland zurückgelassene Menuchim, der, inzwischen von seiner Epilepsie geheilt, als berühmter Kapellmeister den Vater in Amerika wiederfindet.

Damit gleicht Menuchim auch dem Messias als heilbringendem Erlöser.

Rezeption

anno 1930

  • Ludwig Marcuse[1] nimmt die Dominanz der „Wärme“ gegenüber „kühler Distanz“ als eine Ursache für die Wirkung des Textes.
  • Stefan Zweig[2] ist von der „gebändigten Einfachheit“ des Stoffes ergriffen.

anno 1936

nach 1945

  • Zwar lobt Böll[4] den Roman als herausragendes Buch der 1930-er Jahre, schließt sich aber Marcuse in einem Punkte an. Der Schluss komme ein wenig „leichtfertig“ daher.

Buchausgaben (Auswahl)

  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Kiepenheuer, Berlin 1930 (= Erstausgabe).
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes, nach der Buchausgabe von 1930. Mit Kommentar und Nachwort, hrsg. v. Hans Wagener. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-018532-2.
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Mit Nachwort, Materialien, Zeittafel und Kommentar von Martin Lowsky. Hamburger Lesehefte, Husum 2010, ISBN 978-3-87291-224-4.
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Kommentiert von Heribert Kuhn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-518-18912-2.

Literatur

Verfilmungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Marcuse, zitiert bei Sternburg, S. 376, 2. Z.v.u.
  2. Zweig, zitiert bei Sternburg, S. 377, 9. Z.v.o.
  3. Sternburg, S. 378, 8. Z.v.u.
  4. Böll, zitiert bei Sternburg, S. 377, 16. Z.v.u.
  5. Hiob 1978, deutsche IMDb
  6. Hiob 2009, deutsche IMDb