Lobau

Dieser Artikel behandelt das Auengebiet in Wien und Niederösterreich. Zu weiteren Bedeutungen siehe Lobau (Begriffsklärung).
Die Lobau, das grüne Areal nördlich der Donau, mit dem Ölhafen im Westen des Gebiets, Blickwinkel von Nordwesten nach Südosten.

Die Lobau ist ein nördlich der Donau und großteils innerhalb, teilweise aber auch östlich Wiens gelegener Teil des Auengebietes der Donau, das sich am linken Donauufer zwischen Wien und der Mündung der March (Grenze zur Slowakei) erstreckt. Die Lobau ist rund 22 Quadratkilometer[1] groß und wird von der Magistratsabteilung 49 - Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien verwaltet und betreut.[2]

Inhaltsverzeichnis

Landschaftsgeschichte

Vor der Donauregulierung

Von Nordwesten kommend, erreicht die Donau bei der so genannten Wiener Pforte (zwischen Leopoldsberg im Westen und Bisamberg im Osten) das heutige Wiener Stadtgebiet. Vor der 1875 fertiggestellten Donauregulierung mäanderte der Strom von hier bis zur Hainburger Pforte an der östlichen Grenze Österreichs durch das flache Marchfeld. Entstandene Flussauen erhielten durch Hochwässer mit Überschwemmungen immer wieder neue Gestalt, Flussarme bildeten sich und versandeten wieder, der „Stromstrich“ nahm neue Wege.

Nach der Donauregulierung

Das Aufnahmeblatt der Landesaufnahme mit Stand 1873 zeigt die Eingriffe in die Lobau im Rahmen der Donauregulierung

Die Regulierung beseitigte einen beträchtlichen Teil der bis dahin bestehenden Donauarme und Augebiete im Wiener Raum: Die Altarme am südlichen, stadtseitigen Ufer des neuen Hauptstromes wurden fast zur Gänze zugeschüttet und verbaut. Am nördlichen, der Stadt abgewandten Stromufer war der Siedlungsdruck wesentlich geringer oder gar nicht vorhanden. Daher konnte hier die Lobau – mit Altarmen als stehenden Gewässern, durch den Hubertusdamm vom Strom getrennt – als Jagd-, Forst- und Landwirtschaftsgebiet, später auch als Naherholungsgebiet bestehen bleiben.

Im 19. Jahrhundert war die Lobau Jagdrevier des kaiserlichen Hofes; Kronprinz Rudolf jagte häufig hier. Am 2. September 1903 unternahm Kaiser Franz Joseph I. mit König Eduard VII. von Großbritannien, der auf Staatsbesuch in Wien war, einen Jagdausflug in die Lobau. Die beiden Monarchen schossen je einen Zehnender.[3] 1905 wurde die Lobau zum Schutzgebiet erklärt, 1918 schenkte Kaiser Karl I. die heutige Obere Lobau der Stadt Wien.

Unweit des Lobauhofs im Zentrum der Lobau findet sich ein Gedenkkreuz für den Wachebeamten Heinrich Deml, der am 11. April 1920 an dieser Stelle von einem unbekannten Täter durch zwei Schüsse in die Schläfe ermordet wurde. Es wird vermutet, dass Deml im Morgengrauen des Tages einen Viehdieb gestellt hatte.[4]

Am 23. Mai 1927 versammelten sich vor dem Wiener Rathaus etwa 300 Mitglieder des Vereins „Kolonien in der Heimat“, um in die Lobau abzumaschieren, wo ihnen die Gemeinde Wien ein Kolonisationsgebiet zugewiesen hatte.[5]

Eingriffe in die Landschaft

Ein Donau-Oder-Kanal durch die Lobau existiert als Projekt seit 1719. Konkrete Planungen gab es um 1900 unter der Regierung Koerber, der Baubeginn erfolgte allerdings erst zur NS-Zeit (1939). Bis zum Abbruch der Arbeiten waren 4,2 Kilometer schiffbarer Kanal entstanden;[6] an der Abzweigung von der Donau wurde ein Ölhafen angelegt, dem nach dem Zweiten Weltkrieg eine Raffinerie folgte. Der Kanaltorso teilt seither die Lobau in die Obere und die Untere Lobau; diese wurde 1919 in das Eigentum der Republik Österreich übernommen und bis heute wesentlich naturbelassener erhalten als die Obere. Bei den Arbeiten für den Ölhafen und den Kanal während der NS-Zeit wurden Zwangsarbeiter (vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene und Juden) eingesetzt, die in ihrem Lager den Luftangriffen ohne Schutzvorrichtungen, die dem Wachpersonal vorbehalten waren, ausgeliefert waren.[7]

Kleine Gebiete wurden auch für Übungen des Bundesheeres benützt (seit der Widmung als Nationalpark sind die Übungen eingestellt). Außerdem wurde hier das Grundwasserwerk Lobau, das die Stadt Wien zusätzlich zu den Wiener Hochquellenwasserleitungen in Spitzenzeiten mit Trinkwasser versorgen kann, errichtet.

Der Nationalpark Donau-Auen

In der Lobau befinden sich wichtige Rückzugsgebiete von vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Sie wurde daher 1977, nicht zuletzt auf Betreiben des Limnologen Heinz Löffler von der UNESCO anerkannt, ist seit 1978 Naturschutzgebiet, seit 1983 Ramsargebiet und seit 1996 Teil des Nationalparks Donau-Auen.

Die Lobau als Naherholungsgebiet

Erholungsgebiet Lobau

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Lobau als Naherholungsgebiet beliebt. Man konnte mit der (1922 eröffneten und 1970 eingestellten) Straßenbahnlinie 317 (KagranGroß-Enzersdorf) anreisen und hier ausgedehnte Wanderungen unternehmen und Badetage verbringen, ohne auf viele Menschen zu stoßen. 1926 schrieben Fritz Löhner-Beda (Text) und Heinrich Strecker (Musik) das bald populäre Wienerlied Drunt' in der Lobau, das 1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, Titelmelodie des Films Drunt' in der Lobau hab' ich ein Mädel geküsst (Regie: Hubert Marischka) wurde:

Drunt' in der Lobau, wenn ich das Platzerl nur wüßt,
Drunt' in der Lobau hab ich ein Mädel geküßt;
Ihre Augerln war'n so blau
Als wie die Veigerln in der Au
Auf dem wunderlieben Platzerl in der Lobau!

An Altarmen in der Lobau etablierte die Freikörperkultur, erlaubt oder nicht, in den 1920er Jahren ihre bis heute bestehenden Treffpunkte.

Bei der zweiten Wiener Donauregulierung in den 1970er Jahren entstanden neue Naherholungsgebiete: die Neue Donau und die Donauinsel. Sie gehören nicht zur Lobau, grenzen jedoch an diese an, so dass, vor allem im Südteil der Insel, die Nutzungen sehr ähnlich ausfallen wie in der benachbarten Lobau. Das hat nicht zuletzt mit den dort üblichen ungezwungenen und freizügigen FKK-Badesitten zu tun.

Die Schlachten bei Aspern und bei Wagram

Charles Meynier: Napoleons Rückkehr auf die Insel Lobau am 23. Mai 1809

Am 21. und 22. Mai 1809 war die Lobau Schauplatz der Schlacht bei Aspern. Um die österreichischen Truppen, die sich nördlich der Donau befanden, zu stellen, befahl Napoléon seiner Armee, die Donau im Bereich der Lobau von Kaiserebersdorf her zu übersetzen. Der Übergang seiner Armee über die nicht regulierte, Hochwasser führende Donau war eine sehr mühsame Operation, da mehrere breite Stromarme zu überqueren waren und keine Brücke bestand.

Die Schlacht bei Aspern war die erste, die Napoleon nicht gewann. Die Kampfhandlungen fanden nördlich der Lobau auf freiem Feld und teilweise auch in den Ortschaften (besonders Aspern und Eßling) statt. Nach der Schlacht zog sich Napoleon mit seinen Truppen in die Lobau, die damals eine Insel zwischen Armen der Donau bildete, zurück und schlug hier für einige Wochen sein Hauptquartier auf. In der Nacht zum 5. Juli 1809 errichtete Bertrand mehrere Brücken, über die Napoleon innerhalb weniger Stunden 150.000 Mann auf das linke Donauufer brachte, die österreichische Armee sofort angriff und in der Schlacht bei Wagram schlug.

Noch heute erinnern die Napoleonstraße und Denkmäler, z.B. bei Napoleons Hauptquartier (bei der Panozzalacke), Napoleons Pulvermagazin, der Franzosenfriedhof, der Übergang der Franzosen (südlich von Groß-Enzersdorf) sowie der Asperner Löwe an die Schlacht bei Aspern. An der Rückseite des Rathauses in Paris erinnert die Rue de Lobau daran; der folgenden siegreichen Schlacht ist die auf den Triumphbogen zulaufende Avenue de Wagram gewidmet.

Der geplante Lobautunnel

Im Gespräch ist die Lobau seit Jahren wegen der Wiener Außenring Schnellstraße (S1), eines Teiles des Autobahnringes um Wien. Die südlich der Donau bereits bestehende S1 soll – mit einem Tunnel unter der Lobau – nach Norden verlängert werden.

Der geplante Lobautunnel ist umstritten. Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen kritisieren sie wegen der damit verbundenen Belastung des Nationalparks Donau-Auen und der angrenzenden Gemeinden. Der Tunnel würde als Teil der TEN-Strecke Nr. 25 stark frequentiert werden (bis zu 60.000 Fahrzeuge pro Tag). Die Tunnelentlüftung müsste über zwei Abluftbauwerke geschehen, die - insbesondere wenn sie ohne weitere Filterung blieben - das Naturschutzgebiet sowie die angrenzenden Gemeinden zu belasten drohen. 2006 haben Umweltaktivisten sechs Wochen in der Lobau campiert, um gegen den Tunnel zu protestieren. Die Aktion wurde nach einem Abkommen mit der Stadt Wien beendet.

Literatur

  • Friedrich Heller: Das Buch von der Lobau – Erscheinungen, Gestalten und Schauplätze einer österreichischen Schicksalslandschaft. Norbertus, Wien 1997, ISBN 3-900679-02-9
  • Friedrich Heller: Die Lobau – ein Führer durch die Geschichte und Landschaft der Lobau. Gerlach & Wiedling, Wien 1975
  • Fritz Keller: Lobau – die Nackerten von Wien. Junius, Wien 1985, ISBN 3-900370-97-4
  • Ferdinand Strauß: Die Lobau. Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien 1935

Einzelnachweise

  1. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 77.
  2. Donau-Auen (Lobau) - Erholungsgebiet in Wien. Wiener Webservice. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  3. Fred Hennings: So lange er lebt – Band 2: Die Weichen werden gestellt, Herold-Verlag, Wien 1969, S. 27
  4. Tötung eines Stadtschutzmannes. In: Wiener Zeitung, 12. April 1920, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  5. Allerlei. Wiener Kolonie „Lobau“. Badener Zeitung, 28. Mai 1927, S. 6, links Mitte [1]
  6. Czeike: a.a.O., Band 2, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 71 f.
  7. http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=736

Weblinks

 Commons: Lobau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.18333333333316.516666666667Koordinaten: 48° 11′ 0″ N, 16° 31′ 0″ O