Neubaugasse

Die Neubaugasse ist eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Wiens und liegt im gleichnamigen 7. Gemeindebezirk, dem Neubau, einem sehr urbanen Bezirk. Sie ist, auch wegen der vergleichsweise engen Platzverhältnisse, keine typische Einkaufsstraße mit großen Geschäften, sondern geprägt von vielen kleinen Läden und Lokalen. Sie reicht von der Lerchenfelder Straße (Grenze zum 8. Bezirk) im Norden durch den gesamten Bezirk und mündet in die größte Einkaufsstraße Wiens, die Mariahilfer Straße (Grenze zum 6. Bezirk). Das letzte Teilstück vor dieser ist ähnlich einer Fußgängerzone gestaltet und für den allgemeinen Durchzugsverkehr gesperrt.

Flohmarkt in der Neubaugasse

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Neubaugasse entstand 1550 nach der ersten Türkenbelagerung. Damals verlief sie als Lange Gasse nur bis zur Burggasse. Als 1770 die ersten Häuser dieser Vorstadt Wiens entlang der Straße errichtet wurden, erhielt sie den Namen Neubau Hauptstraße.

Nach der Eingemeindung nach Wien 1850 und der Verlängerung bis zur Lerchenfelder Straße wurde sie 1862 in Neubaugasse umbenannt.

In der Neubaugasse findet man vor allem Häuser aus der Gründerzeit und der Zeit der Wiener Secession. Auf Nr. 38 befindet sich seit 1912, in ein Wohn- und Geschäftshaus eingebaut, das Renaissancetheater.

Bekannte Persönlichkeiten, die an der Neubaugasse geboren wurden oder lebten, sind unter anderen Paul I. Esterházy de Galantha, der sich hier 1685 eine Sommerresidenz errichten ließ (zwei Jahre später wurde er vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben), der Komponist Carl Michael Ziehrer, der Bildhauer Franz Steinfeld und der Wiener Geschichtsschreiber Anton Ferdinand Reichsritter von Geusau. Von 1861 bis 1866 betrieb im Haus Nr. 70 der Mechaniker und Automobilpionier Siegfried Marcus seine Telegrafen-Bauanstalt.

Verkehr

Die Neubaugasse wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer Pferdeomnibuslinie erschlossen. Im Jahr 1900 wurde die Strecke für die elektrische Straßenbahn in Betrieb genommen. Mit der Einführung des Linienschemas fuhr vom 3. April 1907 an die Linie 3, die vom Südbahnhof durch den 4. bis 9. Bezirk zum Nordwestbahnhof im 20. Bezirk fuhr, durch die Gasse, von 1913 an war es die Straßenbahnlinie 13 (Südbahnhof–8. / 9., Alser Straße).

Am 2. Juli 1961 wurde sie durch eine Autobuslinie ersetzt (damals 13, heute 13A); diese erlangte durch die bis 1990 verwendeten Stockautobusse Bekanntheit.[1] Die Neubaugasse stellt heute insbesondere für den öffentlichen Verkehr Wiens einen Teil einer bedeutenden Tangentialverbindung durch die inneren Bezirke dar. Seit 2010 ist die Wiedererrichtung einer Straßenbahnlinie durch die Gasse in Diskussion.

Die Gasse wird weiters durch die sie querenden Linien 46 (Lerchenfelder Straße am nördlichen Gassenende) und 49 der Straßenbahn (Siebensterngasse und Westbahnstraße) sowie 48A (Autobus, zum Stadtzentrum: Burggasse, vom Stadtzentrum: Neustiftgasse) erschlossen. Am südlichen Ende der Gasse befindet sich seit 1993 die U-Bahn-Station Neubaugasse der Linie U3, die in der inneren Mariahilfer Straße die Straßenbahnlinien 52 und 58 ersetzte.

Kultur

Cafés in der Neubaugasse als „Treffpunkt der Filmwelt“; Zeitschriften-Inserate aus dem Jahr 1923.
Kunstprojekt delete

Theater

Siehe Renaissancetheater

Film

Mit der Blüte des österreichischen Stummfilms zwischen 1918 und 1923 entwickelten sich die Neubaugasse und angrenzende Straßen zum Filmviertel, wo fast alle im Film tätigen Unternehmen ihren Sitz oder zumindest eine Niederlassung hatten. Kaum ein Haus, in dem nicht mindestens ein Filmverleih, Filmproduzent, Filmanwalt, eine Filmbuchhandlung, ein Filmcafé oder diverse Filmzulieferer ihre Niederlassung hatten, je näher an der Mariahilfer Straße, umso mehr.

Auch nach dieser Phase blieb die Gegend das Filmviertel, und erst mit dem „Anschluss“ an Deutschland, 1938, und der darauf folgenden Zerstörung der mehrheitlich von Juden geführten Filmbranche dürfte die Geschichte des Filmviertels ein Ende genommen haben.

Heute befinden sich in der Neubaugasse und angrenzenden Straßen wie der Mariahilfer Straße und der Siebensterngasse nur noch wenige Niederlassungen von in der Filmbranche tätigen nationalen und internationalen Unternehmen. Zudem ist die Branche insgesamt wesentlich stärker auf einige marktbeherrschende Unternehmen konzentriert, während sich vor 1938 Dutzende Filmverleiher und -produzenten den Markt untereinander aufteilten. Auch Filmausstattungsunternehmen und andere spezialisierte Unternehmen waren damals in der Neubaugasse konzentriert.[2]

Flohmärkte

Zweimal jährlich findet jeweils an einem Wochenende ein Flohmarkt statt, der sich über die gesamte Neubaugasse erstreckt. Diese ist dann für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Kunstprojekt „delete“

Im Juni 2005 fand in der Neubaugasse ein Kunstprojekt mit dem Namen delete statt, das große öffentliche Aufmerksamkeit erlangte. Es handelte sich um ein Projekt des Künstlerduos Steinbrener/Dempf, das über einen Zeitraum von zwei Wochen alle Werbeaufschriften und Reklameschilder in einem Teil der Neubaugasse mit gelben Folien verdeckte.[3]

Literatur

  • Wiener Bezirkszeitung: Es war einmal eine „Lange Gasse“. Der Straßenzug der heutigen Neubaugasse entstand erst später. Bezirkseinlage 1. Bezirk – Innere Stadt, Ausgabe Nr. 23, 9. Juni 2010, S. 9. (Artikel online (PDF))

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Erich Witzmann: Der 13er – das raunzende Tramwayungetüm, Website der Tageszeitung Die Presse, Wien, 12. Februar 2011
  2. vgl. Berichte und Anzeigen in österreichischen Filmzeitschriften der 1920er Jahre (namentlich: Der Filmbote, Das Kino-Journal und Die Filmwelt)
  3. Delete – Die Entschriftung des öffentlichen Raums. In: Kunst im öffentlichen Raum Wien. Abgerufen am 29. März 2009.

48.20305555555616.348888888889Koordinaten: 48° 12′ 11″ N, 16° 20′ 56″ O