O5

Dieser Artikel beschreibt die Widerstandsgruppe O5. Informationen zu der Gruppe der größten Schwellenländer finden sich unter Outreach-Staaten.
Zeichen der Widerstandsbewegung am Stephansdom

O5 steht als Kürzel für die bekannteste und bedeutendste österreichische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. 5 steht für den fünften Buchstaben im Alphabet, E; zusammengesetzt bedeutet das Kürzel OE beziehungsweise Ö, eine Abkürzung für Österreich. Nachdem kommunistische, sozialistische, bürgerliche und religiöse Gruppen von der Gestapo immer wieder ausgehoben worden waren und ihre Mitglieder dadurch in unmittelbare Todesgefahr gerieten, schlossen sich Österreicher zu dieser überparteilichen Widerstandsgruppe zusammen. O5 war somit Zeichen des über Parteigrenzen und Ideologien hinweg gemeinsamen Kampfes für ein freies Österreich. Das O5-Zeichen am Wiener Stephansdom erinnert daran.

Inhaltsverzeichnis

O5 als überparteiliche Organisation

Die Widerstandsgruppe, initiiert durch bürgerlich-konservative Kräfte, setzte sich zu einem wesentlichen Teil aus Söhnen großbürgerlicher Familien und Mitgliedern des ehemaligen Hochadels zusammen. Dazu zählten etwa Fritz Molden, der durch eine Verbindung mit den Westalliierten (insbesondere mit Allan W. Dulles, dem Leiter des OSS in Bern) der Gruppe besondere politische Beachtung ermöglichte, Hans Sidonius Becker, Willi Thurn und Taxis und der spätere Botschafter Emanuel Treu. Für die Sozialdemokraten hielt vor allem der spätere Bundespräsident Adolf Schärf ständigen Kontakt mit O5; er hielt rückblickend fest, der Gruppe hätten politische Profis gefehlt.

O5 nahm unter den Widerständlern im Deutschen Reich eine ausgesprochen proösterreichische Position ein und stand damit vor allem im Kontrast zu jenen Gegnern des NS-Regimes, die auch nach dessen Niederschlagung den Anschluss Österreichs an Deutschland beibehalten wollten.[1] (Adolf Schärf berichtete später über einen geheimen Besuch deutscher Sozialdemokraten in Wien 1943, die überrascht waren, von ihm Der Anschluss ist tot zu hören.[2])

Unmittelbar nach Kriegsende in Österreich war es Anliegen der Kommunisten, die überparteiliche O5, die 1944 / 1945 im Palais Auersperg (Gedenktafel) zusammenkommen konnte, zur Plattform für Politik zu machen, hofften sie doch, dort auf Grund ihrer straffen Organisation im Sinn ihrer Volksfront-Strategie den Ton anzugeben. ÖVP und SPÖ, beide sofort (wieder) gegründet, legten, wie sie noch im April 1945 betonten, auf überparteiliche Einrichtungen aber keinen Wert, bereiteten sie sich doch auf die (im November 1945 abgehaltenen) ersten Nationalratswahlen der Zweiten Republik vor, bei denen sie Konkurrenten sein würden. Die Kommunisten bewogen dann, wie Schärf sich erinnerte, die sowjetische Besatzungsmacht sehr bald dazu, die Widerstandsbewegung noch im Frühjahr 1945 zu schließen und diverse ihrer Funktionäre polizeilichen Untersuchungen zu unterwerfen.

Raoul Bumballa, Vorsitzender des so genannten Siebenerausschusses der Gruppe und von einigen als Sprecher der Bewegung bezeichnet, wurde als ihr Vertreter auf Vorschlag der ÖVP am 27. April 1945 in die Provisorische Staatsregierung Renner 1945 aufgenommen, wandte sich aber noch im gleichen Jahr von der ÖVP ab. In der auf Grund der Nationalratswahlen am 20. Dezember 1945 berufenen Bundesregierung Figl I war die ehemalige Widerstandsbewegung offiziell nicht mehr vertreten.

Kooperationen

Die Bewegung kooperierte mit anderen Zellen des österreichischen Widerstands, vor allem mit einer von Major Carl Szokoll gebildeten militärischen Widerstandsgruppe und der Tiroler Widerstandsbewegung. Die Bezeichnung O5 beschrieb dabei eine zunächst eher unorganisierte Gruppe unter einem einheitlichen Namen. Dies lässt sich auch an den Schilderungen des Widerstandsmitglieds Johannes Eidlitz erkennen, der in der Endphase des Krieges mit Szokoll über eine Kooperation verhandelte:

„Dann kam Szokoll zu dieser Sache dazu, ich sehe ihn noch, wie er plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist und gesagt hat, er habe mit niemandem zu reden als mit den Vertretern der O5. Wir haben gesagt, wir sind die O5. [...] Er [Szokoll] war nur bereit, sich mit der O5 einzulassen, mit der O5 zu verhandeln. Wir fragten, ob er uns nicht sagen kann, was die O5 ist. Und er hat gesagt, dass die O5 die Widerstandsorganisation Österreichs ist. Wir hatten bisher geglaubt, dass wir das sind. [...] Wir wussten, dass die nur die O5 haben wollten, wir fanden aber keine O5. Da haben wir ganz einfach gesagt: Wir sind die O5. Wir bilden jetzt einen Siebenerausschuss, der führt die O5.“[3]

Symbol des Widerstandes

Die Chiffren O5 wurden während der NS-Okkupation Österreichs als Zeichen des Widerstandes an mehreren Gebäuden vor allem in Wien und Innsbruck angebracht.[4] So ist noch am Wiener Stephansdom rechts neben dem Riesentor noch das denkmalgeschützte Zeichen O5 zu sehen. Ursprünglich war es in weißer Farbe aufgemalt; als es verblasste, wurde es durch die Eingravierung ersetzt.

Erwähnenswertes

Im Film Der dritte Mann aus dem Jahre 1949 ist in der berühmten abschließenden Verfolgungssequenz im Kanalisationsnetz von Wien in einer Einstellung ein O5 auf der Kanalwand zu sehen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.doew.at/ Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes - Erzählte Geschichte: Index O5
  2. Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität, Hermann Böhlaus Nachf., Graz 1981, ISBN 3-205-07155-7, S. 441
  3. http://www.doew.at/ Erzählte Geschichte: Johannes Eidlitz - „Das Radl ist sozusagen plötzlich gelaufen“
  4. http://www.doew.at/ Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes - Erzählte Geschichte: Index O5