Omar Al-Rawi

Omar Al-Rawi (* 8. Mai 1961 in Bagdad) ist ein österreichischer Politiker (SPÖ) und Integrationsbeauftragter der IGGiÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich).

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Leben

Nach Ableistung des Zivildienstes beim Arbeitersamariterbund war Al-Rawi von 1991 bis 1992 in der Bauindustrie tätig. Von 1992 bis 1996 übte er die Funktion eines Betriebsrats der Hofman & Maculan AG aus, von 1997 bis 1999 die des Betriebsratvorsitzenden der ERA-Bau AG. Seit 2000 ist er Betriebsrat der STRABAG Bau AG.

Von 1978 bis 1990 engagierte sich Al-Rawi in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft.

Seit 1999 ist er Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Im selben Jahr gründete er zusammen mit Carla Amina Baghajati, Tarafa Baghajati, Mouddar Khouja und Andrea Saleh die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen. 2001 kandidierte er für den Wiener Gemeinderat. Seit 2002 ist er Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat.

Kontroversen

Al-Rawi, sowie die von ihm gegründete Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen sollen der islamistischen Muslimbruderschaft nahestehen.[1][2], was von diesem sowie von der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich wiederholt bestritten wurde. Al-Rawi fiel auch durch Unterstützung für den aus Palästina stammenden Imam Adnan Ibrahim auf, der als Vertreter eines gemäßigten, "europäischen" Islam gilt, dem aber auch Aufrufe zum Dschihad vorgeworfen werden.[3]

Auf einer Demonstration gegen die gewaltsame Erstürmung eines Gaza-Solidaritätsschiffes durch israelische Soldaten verkündete Al-Rawi am 4. Juni in Wien, er wolle den Kampf der beim Ship-to-Gaza-Zwischenfall umgekommenen Aktivisten weiterführen.[4] Die IKG Wien wirft Al-Rawi vor, dass sowohl seine Äußerungen, als auch andere Botschaften und Äußerungen von Teilnehmern, auf der von ihm mitveranstalteten Demonstration hetzerisch gewesen seien.[5] Al-Rawi sei einer jener "Provokateure", welche die Aufregung über den Schiffszwischenfall "künstlich verstärkt und damit vorhandene antisemitische Ressentiments bei manchen abgerufen beziehungsweise aktiviert" hätten.[5] Der Bundesverband der israelitischen Kultusgemeinden forderte Al-Rawi auf "Konsequenzen zu ziehen und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen."[6][7] Sowohl Al-Rawi als auch die Islamische Glaubensgemeinschaft haben die Vorwürfe der IKG zurückgewiesen und betont, dass Meinungsdifferenzen über den Nahostkonflikt nicht zu einer Störung des in Österreich guten Verhältnisses zwischen Muslimen und Juden führen dürften.

Einzelnachweise

  1. Stefan Beig: Larise, Dunja / Schmidinger, Thomas (Hg.): Handbuch des politischen Islam, 2. September 2008
  2. oe1.orf.at: Geheime Unterwanderung. Es geht um Druck, nicht Terror, 1. Januar 2007
  3. Florian Klenk: Scharia in St. Joseph, 3. Juni 2008
  4. LICRA: Ist das die Meinung der SPÖ?, veröffentlicht in Die Jüdische, 15. Juni 2010
  5. a b Die Presse: Zorn über Gaza-Vorfall: Rabbiner werden angespuckt, 16. Juni 2010
  6. Wann wird GR Omar Al-Rawi politische Konsequenzen ziehen?, 13. Juli 2010
  7. Benjamin Weinthal: Austrian Jewish community calls for gov’t to ban IHH branch, 16. Juli 2010

Weblinks