Peterskirche (Wien)

Peterskirche, vom Graben aus gesehen
Ausschnitt aus Jacob Hoefnagels Wiener Vogelschau von 1609: Der Graben, rechts unten die erste Peterskirche.
Innenansicht zum Altar
Grundriss der Kirche

Die Peterskirche ist eine römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Die erste Peterskirche

Die erste Peterskirche, von der heute keine sichtbare Reste mehr vorhanden sind, geht bis in die Spätantike zurück und ist somit die älteste Kirche und Pfarre der Stadt Wien. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, indem ein Kasernengebäude des römischen Lagers Vindobona zu einer einschiffigen Saalkirche basilikaler Art umgebaut wurde. Weitere Umbauarbeiten folgten, das Gebäude wurde später gotisiert, wobei sich das Langhaus in drei ungleiche Schiffe aufteilte. Der Turm war rechteckig und dreigeschossig, an den Ecken befanden sich Fialtürme, die von einem zentralen, höheren Turm mit Kreuz überragt wurden. Wie das Innere dieser Kirche ausgesehen hat, ist unbekannt, lediglich aus der spätgotischen, 1399 angebauten Valentinskapelle sind Steinretabeln, die mit 1510/15 zu datieren sind, erhalten geblieben.[1] Die Kirche war von Krämerläden umgeben und in einem Anbau war die „Stadtguardia“, der Vorläufer der modernen Polizei, untergebracht.

Die Kirche selbst soll von Kaiser Karl dem Großen um 792 gegründet worden sein, was aber nur fromme Legende sein dürfte. Jedenfalls wird 1137 eine Kirche des heiligen Petrus in Wien urkundlich erwähnt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts fiel die Kirche an das Schottenstift. Im Jahr 1661 brannte die Kirche ab und wurde nur notdürftig instand gesetzt. Der Beschluss, eine neue Kirche zu bauen, wurde allerdings erst 1676 mit der Übersiedelung der Erzbruderschaft der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Angriff genommen.

Der Neubau

Um 1701 wurde auf Initiative Kaiser Leopolds I. mit dem Neubau begonnen. Die alte Peterskirche, die wohl schon ziemlich verfallen war wurde samt dem umliegenden Friedhof abgerissen. Die Planung und der Baubeginn (Fundamente) der neuen Peterskirche erfolgten unter Gabriele Montani. Ab 1703 von Johann Lucas von Hildebrandt nach verändertem Plan fortgesetzt und 1708 im Rohbau vollendet. Sein Bauführer war Franz Jänggl, auch Baumeister Francesco Martinelli ist dokumentiert.[2] Der Steinmetzauftrag wurde dem Wiener Meister Johann Carl Trumler übergeben, der den erforderlichen harten Kaiserstein, unter anderem für den umlaufenden Sockel, aus dem kaiserlichen Steinbruch anforderte.

1722 war der Bau größtenteils abgeschlossen. Die neue Kirche war der erste Kuppelbau des barocken Wien. Sie verfügt über eine sehr kompakte Form, einen ovalen Innenraum mit erstaunlich viel Platz und rechteckige Anbauten. Der Kuppelraum wurde hauptsächlich von Matthias Steinl gestaltet. Für die Freskenausstattung war ursprünglich Andrea Pozzo vorgesehen gewesen, dessen Ausmalungen wurden nach seinem Tod wieder entfernt, so dass 1713 Johann Michael Rottmayr mit einem völlig neuen Programm beginnen konnte. Der Hochaltar stammt von Antonio Galli da Bibiena (Aufbau) und Martino Altomonte (Altarbild). Im Laufe der Jahre ist die Bemalung dunkler geworden, was dem Innenraum ein düsteres Aussehen verlieh.

Joachim Georg Schwandtner, Superintendent der Erzbruderschaft der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, stiftete einen Portalvorbau, der in den Jahren 1751 bis 1753 nach Plänen von Andrea Altomonte aus Gutensteiner Marmor angebaut wurde. Weitere Steinmetzarbeiten, wie die Stufensteine, lieferte Meister Johann Michael Strickner aus Kaisersteinbruch.[3]

Von 1998 bis 2004 wurde die Kirche renoviert, wodurch auch die Bemalung ihre Farbenpracht und Helligkeit zurückerhielt.

Zugang

Die Peterskirche befindet sich auf dem Petersplatz, unmittelbar neben dem Graben, kurz nach (westlich) der Pestsäule. Dort durchschneidet die Habsburgergasse die Fußgängerzone (danach Jungferngasse) und führt direkt zur Kirche. Die Peterskirche verschwindet fast zwischen den hohen Häusern, und man sieht sie erst, wenn man davorsteht.

Weitere Ansichten der Peterskirche

Einzelnachweise

  1. Baugeschichte auf der Homepage der Peterskirche, abergerufen am 9. Dezember 2010
  2. Martinelli Francesco (Franz). In: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 4, 1995, ISBN 3-218-00546-9.
  3. Robert Seemann, Herbert Summesberger: Wiener Steinwanderwege, die Geologie der Großstadt. Peterskirche. Verlag Christian Brandstätter, 1999, ISBN 3-85447-787-2, S. 69-70.

Weblinks

 Commons: St. Peter's Church, Vienna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20937516.370075Koordinaten: 48° 12′ 34″ N, 16° 22′ 12″ O