Ulrichsberggemeinschaft

Traditions- und Veteranenverbände sowie Musiker des Bundesheeres beim Ulrichsbergtreffen 2006

Die Ulrichsberggemeinschaft (Heimkehrer- und Europagedenkstätte) ist ein österreichischer Verein mit politischem Interesse, der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde und sich nach dem Ulrichsberg in Kärnten benennt. Sie wird zu den Kärntner Traditionsverbänden gezählt. Motiv des Vereins ist die Pflege der Heimkehrergedenkstätte auf dem Ulrichsberg und in Klagenfurt sowie die Organisation eines jährlichen Treffens von Kriegsveteranen und Angehörigen.

Der Ulrichsberggemeinschaft gehören verschiedene Kärntner Politiker an, u.a. war der ehemalige Klagenfurter Bürgermeister Leopold Guggenberger (ÖVP) Präsident, dem der ehemalige Landeshauptmannstellvertreter Rudolf Gallob (SPÖ) folgte. Auch Ex-Bundesminister Herbert Haupt (BZÖ) und der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP), dessen Vater Blasius Scheucher als ehemaliger Gebirgsjäger Mitbegründer der Gemeinschaft war, unterstützen die Gemeinschaft als Mitglieder. Seit dem Jahr 2002 finanziert sich der Verein neben Mitgliedsbeiträgen und Spenden zu einem wesentlichen Anteil aus öffentlichen Zuwendungen des Landes Kärnten.

Gedenktafel gefallener (Waffen-SS)-Soldaten am Ulrichsberg (Berg), Österreich aufgestellt 1984 von der Kameradschaft IV

Inhaltsverzeichnis

Ulrichsbergtreffen

Kranzniederlegung des Kameradschaft IV-Landesverbandes Steiermark - Südburgenland im Rahmen des Ulrichsbergtreffens 2008
Gedenktafel der Volksdeutschen Landsmannschaften - den Opfern der Heimatvertriebenen gewidmet

Seit 1958 findet im Oktober auf der kleinen Wiese neben dem Kreuz eine Gedenkfeier für die Opfer beider Weltkriege und des Kärntner Abwehrkampfes mit bis zu 2500 Teilnehmern statt. Die Kameradschaft IV veranstaltet traditionell am Vorabend ein inoffizielles Treffen in Krumpendorf, bei dem neben ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS auch Personen aus dem rechtsextremen Spektrum wie Florentine Rost van Tonningen und Gudrun Burwitz, Tochter von Heinrich Himmler, zu Gast waren.

Im Jahr 2012 fand das Treffen wieder am Ulrichsberg statt. Eine der Reden wurde von einem ehemaligen Mitglied der Waffen-SS gehalten, was jedoch die Veranstalter im Vorfeld verneint hatten. Es nahmen 300 Personen am Treffen teil[1].

Politische Auftritte und Kontroversen

Bei einer aufsehenerregenden Rede sprach FPÖ-Landesobmann Jörg Haider 1995 den anwesenden ehemaligen Waffen-SS-Soldaten seinen Dank aus:

„Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. [...] Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen.“

Jörg Haider, 30. September 1995 in Krumpendorf gegenüber Veteranen der Waffen-SS anlässlich der Ulrichsbergfeiern.[2]

Jörg Haider prägte das öffentliche Bild vom Ulrichsberg mit seinen Reden entscheidend mit.

„[...] es kann nicht so sein, dass die Geschichte unserer Eltern und Großeltern aufgrund absonderlicher Kommentierungen zu einem Verbrecheralbum gemacht wird und ihre Leistungen von der Geschichte mit Füßen getreten werden."“

Jörg Haider als Festredner am Ulrichsberg im Jahr 2000[3]

Das Treffen der Ulrichsberggemeinschaft und die Teilnahme der drei großen Landtagsparteien FPÖ, SPÖ und ÖVP ist in den letzten Jahren stark kritisiert worden. Für Aufregung sorgte im Jahr 2005 die Rede vom damaligen ÖVP-Landesrat Josef Martinz:

„Für mich gibt es auch einen klaren Unterschied zwischen Wehrmachtsangehörigen und den zu den anderen Einheiten Zwangsrekrutierten einerseits, und Mitgliedern der SS-Totenkopfverbände und Waffen-SS andererseits, die ihre menschenverachtenden Taten, und wir kennen diese, in den Konzentrationslagern, aber nicht nur dort, begangen haben. Hier gibt es nichts zu tolerieren und nichts zu beschönigen. Hier und das muss auch klar gesagt werden, wurden ganz bewusst Verbrechen begangen, Verbrechen an der Menschlichkeit.“

Josef Martinz, 2005, Auszüge der Ansprache auf der Informationsseite der Antifa - Kärnten/ Waffen-SS am Ulrichsberg[4]

Proteste gegen das Treffen

In der Nacht auf den 17. August 1997 wurde die Gedenkstätte am Ulrichsberg beschmiert, und dort angebrachte Gedenktafeln zerstört. Zu der Aktion bekannte sich ein antifaschistisches „kommando z.a.l.a.“[5] [6] [7] In den letzten Jahren fanden zeitgleich zu den Ulrichsbergfeiern Gegenkundgebungen und Infopoints verschiedener Antifa-Organisationen statt, die auf ihrer Meinung nach geschichtsrevisionistischen Hintergründe dieser Gedenkkundgebung hinweisen. Diese wurden von Gruppierungen der Antifa-Szene Kärntens organisiert.[6] Laut Verfassungsschutzbericht 2009 sollen ausländische Aktivisten – vor allem aus Deutschland – sich an den von Kärntner Gruppen organisierten Demonstrationen beteiligt haben. Bei den Gegenkundgebungen kam es 2008 auch zu Blockaden, Handgreiflichkeiten und Sachbeschädigungen.[8] 2007 wurde bei Handgreiflichkeiten ein Funktionär der Ulrichsberggemeinschaft und ein Polizist verletzt.[9]

Einzelnachweise

  1. derStandard am 16. September 2012
  2. Ruth Wodak, Anton Pelinka, The Haider Phenomenon in Austria, Transaction Publishers 2002, ISBN 0-7658-0883-8, S. 211
  3. Walter Fanta, Valentin Sima (Hg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute; Klagenfurt: Drava, S.100
  4. Website der Ulrichsbergtreffen-GegnerInnen/ Antifa - Kärnten - AK Gegen den Kärntner Konsens http://www.u-berg.at/texte/waffenss.htm
  5. Republik Österreich, BM.I Bundesministerium für Inneres, Verfassungsschutzbericht1997http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Verfassungsschutz/Verfassungsschutzbericht_1997.pdf
  6. a b Ulrichsbergtreffen-GegnerInnen/ Antifa- Kärnten – „AK gegen den Kärntner Konsens - Josefine Broz“
  7. Ulrichsbergtreffen-GegnerInnen/ Antifa- Kärnten – „AK gegen den Kärntner Konsens - Josefine Broz“ – Farbattacke http://www.u-berg.at/texte/farbattacke.htm -
  8. Republik Österreich, BM.I Bundesministerium für Inneres, Verfassungsschutzbericht 2009
  9. Republik Österreich, BM.I Bundesministerium für Inneres, Verfassungsschutzbericht 2008

Weblinks

Literatur

  • Arbeitskreis gegen den Kärntner Konsens: Friede, Freude, deutscher Eintopf: Rechte Mythen, NS-Verharmlosung und antifaschistischer Protest; Wien: Mandelbaum, 2011; ISBN 3854766017
  • Norbert Rencher: Ulrichsberg-Dokumentation, Nr. 1, 1999
  • Walter Fanta, Valentin Sima (Hg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute; Klagenfurt: Drava, 2003; ISBN 3-85435-417-7