Advent #

Advent
Foto: Alfred Wolf, 1961

Der Advent (lat. adventus - Ankunft), Zeit der Ankunft Christi, dient der Vorbereitung auf Weihnachten. Eine Wurzel führt zum Konzil von Ephesus (431), das die Gottesmutterschaft Mariens behandelte, die andere im 6. Jahrhundert nach Gallien. Mehrere Wochen sollte man sich auf das Kommen des Erlösers mit Fasten und guten Werken vorbereiten. Um 600 legte Papst Gregor I. (um 540-604) die Zahl der Adventsonntage auf vier fest, doch erst im 16. Jahrhundert wurden sie für die ganze Kirche vorgeschrieben. Bis 1917 galt der Advent als Fastenzeit.

Nachdem seit langem in der Vorweihnachtszeit Märkte abgehalten wurden, ist nun der Adventzauber auf dem Wiener Rathausplatz ein Fixpunkt im Jahreslauf. Im Stadtbild ist unübersehbar, dass ein großes Fest bevorsteht. Dekorationen in Parkanlagen, Lichterketten an Häusern und Geschäften haben sich als temporäre Elemente auch in kleineren Orten durchgesetzt. 2015 leuchteten in den 35 Wiener Einkaufsstraßen 2,4 Mio. Lampen, großteils schon in LED-Technik , allein in der City 750.000. Davon entfielen auf die zehn - 4,5 m breiten und6 m hohen - Luste au dem Graben 200.000 Leuchtdioden. Der monatliche Stromverbrauch entspricht dem von zwei Haushalten. Auf der Kärntner Straße funkelten die Kristalle der Dekorationen auch bei Tag. 54 ovale Leuchtkörper mit 3 m Höhe undbis zu 6 m Durchmessen enthielten 550.000 LEDs. Erstmals waren auch Stuben-, Schubert- und Kärntner Ring illuminiert. Die Designer wollten mit ihren "Light Gates" eine interkonfessionelle und unkitschige Beleuchtung schaffen. Auch in privaten Haushalten steigt das Interesse an elektrischer Weihnachtsdekoration. Besonders gefragt sind Lichterketten und Außenleuchten mit Sensoren, die sich bei Einbruch der Dunkelheit einschalten. Wenn sie von Mietern an Fassaden und Balkonen angebracht werden, müssen sie um 22 Uhr erlöschen, temporär, sturmsicher befestigt sein und dürfen keine religiösen Symbole - wie Kreuze - enthalten.

Der Weihnachtsfestkreis erinnert an den österlichen: In den Wochen vor dem Fest, einer "geschlossenen Zeit", waren Tanz und Hochzeitsfeste verboten. Im Gottesdienst entfällt das Gloria. Der rosa Sonntag (Laetare) findet sein Gegenstück im 3. Adventsonntag (Gaudete). Zu Ostern feiern die Gläubigen das Triduum (Gründonnerstag-Abend/Karfreitag, Karsamstag/Osternacht, Ostersonntag), zu Weihnachten drei Messen. In der Osternacht, wie in der Christmette, besingen sie die Heilige Nacht. Beiden Hochfesten folgen eine Oktav (Weißer Sonntag - Neujahr), eine Festzeit (sieben bzw. zwei Wochen) und ein Schlussfest Pfingsten - früher Darstellung des Herrn / Maria Lichtmess). Schließlich waren beide Kirchenfeste wichtige weltliche Rechtstermine für Pacht, Zins und Dienstbotenwechsel.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 79% an, den Advent zu kennen und 60 %, selbst zu feiern. (Vorgegebene Stichworte: Adventkranz, Adventsingen, Adventmärkte.) Den "Bratwürstelsonntag" am 1. Adventsonntag kannten 25 %, 11 % nahmen daran teil.


Quellen:
Hermann Bausinger: Adventskranz. Würzburg 1977
Hermann Kirchhoff: Christliches Brauchtum im Jahreskreis. München 1990. S.17
Theodor Schnitzler: Kirchenjahr und Brauchtum neu entdeckt. Freiburg/Br. 1977. S. 14
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 17 f.
LEDs Publiziert 10.11.2015
Ringstraße Publiziert 27.11.2015
Der Standard (online), 19.12.2015


Bild 'Feste'

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