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Weihnachten#

Weihnachten, Foto: Alfred Wolf, 1957

Niemand weiß, wann Jesus geboren ist. Dass man das Weihnachtsfest um die Wintersonnenwende feiert, scheint mit einer anthropologischen Konstante zusmmen zu hängen: In der Zeit der langen Nächte sehnt man sich um so mehr nach der Sonne. Die Sonne, das Licht, ist überaus positiv, damit häufig mit der Gottheit gleich gesetzt. Die Römer feierten um diese Zeit das Fest des unbesiegten Sonnengottes, Sol invictus. Christen nennen Jesus das "Licht, das aufstrahlt auf der Höhe", "die Sonne der Gerechtigkeit" etc. Diese Symbole finden sich schon bei den Propheten des Alten Testaments. In jüngster Zeit hat der evangelische Theologe Hans Förster von der Universität Wien wieder verstärkt auf die Bedeutung der Licht-Symbolik hingewiesen.

Weihnachtsfeiern als besinnliches Familienfest mit dem Christkind und seinem Christbaum entstanden erst im Biedermeier. Zuvor brachte der Nikolaus die, nicht so zahlreichen, Geschenke. Die Erwachsenen vertrieben sich die Zeit bis zur Christmette mit Orakel, Kartenspiel und in den Gasthäusern.

Im 13. Jahrhundert brachten die Wiener ihrem Herzog Schmuckstücke, Rinder, Brot und andere Geschenke zu Weihnachten. Im 14. Jahrhundert ließ die Stadt Wien dem Landesfürsten, seiner Frau und Beamten Gaben überreichen. 1418 bestanden die "Weihnachtskleinodien", damals Pflichtabgaben, aus vergoldeten Silberbechern. 1504 erhielt der österreichische Kanzler eine größere Geldsumme. Im 19. Jahrhundert sahen es Adelige und Wohlhabende als ihre Pflicht an, arme Kinder zu beschenken. Erzherzog Johann (1782-1859) äußerte sich kritisch zum Schenkbrauch, als er zu Weihnachten 1823 bei seinem Bruder Erzherzog Carl unter einem der ersten Wiener Christbäume kostbares Spielzeug für die Kinder sah.

CD Lieder zur Leier... von Eberhard Kummer

Eine wichtige Rolle, sowohl im kirchlichen wie im familiären Bereich, spielten die Weihnachtslieder, dessen bekanntestes wohl "Stille Nacht" ist und nun zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO zählt. Im Zentrum der religiösen Bräuche steht die Christmette. Ihr Name erinnert an die Matutin, das klösterliche Stundengebet um Mitternacht. Nach dem Vorbild der Osternacht zelebrierte man in der Heiligen Nacht zwischen 21 und 3 Uhr Gottesdienste. Einflussreiche Persönlichkeiten der Gegenreformation wie der Theologe, Dichter und Komponist David Gregor Corner (1585-1648) waren überzeugt, mit Musik und szenischen Darstellungen die katholischen Christen im rechten Glauben zu stärken. Er veröffentlichte mehrere Gesangbücher, darunter 1648 die "Geistliche Nachtigal in Wien". Darin finden sich die überaus beliebten Hirtenmusiken zu Mette, wobei die mit Wasser gefüllten tönernen Nachtigallenpfeifen wie Vogelstimmen jubilierten. Den Aufklärer war die heitere Stimmung der Besucher der Christmette ein Dorn im Auge, und sie wollten sie deshalb abschaffen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Gottesdienst auf 5 Uhr früh verlegt, seit 1823 darf die Mette in Wien wieder um Mitternacht beginnen. Aus pastoralen Gründen wird in jüngster Zeit früher oder am Nachmittag eine "Kindermette" gefeiert. Ein alter Brauch, das "Kindelwiegen", wird seit 2012 in Klosterneuburg wieder belebt.

Die in Österreich anerkannten Gemeinden der Ostkirchen - sie umfassen rund 490.000 Gläubige - feiern Weihnachten zu verschiedenen Terminen und mit unterschiedlichen Bräuchen. Zentral ist eine Göttliche Liturgie am 25. Dezember.

  • In der Armenisch-apostolischen Kirche in Österreich beginnt das Fest der Geburt Jesu Christi am Vorabend des 6. Jänner, dem Dschrakaluytz Tag. Die Kirche verbindet Weihnachten mit der Erinnerung an die Taufe im Jordan am 6. Jänner, die Feierlichkeiten dauern bis 13. Jänner. Dann singen die Chöre in den armenischen Kirchen den fröhlichen Hymnus „Christus ist geboren und erschienen“.
  • Griechisch-orientalische (=Orthodoxe) Kirche:Dazu zählen die griechisch-orientalische, die bulgarisch-orthodoxe, die rumänisch-griechisch-orientalische, die russisch-orthodoxe und die serbisch-griechisch-orientalische Kirchengemeinde. Die orthodoxen Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien und Finnland feiern am 24. und 25. Dezember, die russisch- und die serbisch-orthodoxe Kirche erst im Jänner. Dazu kommt es wegen unterschiedlichen Kalendern in den Kirchen: 1923 hat ein Teil der orthodoxen Kirchen den gregorianischen Kalender angenommen und feiert seither gleichzeitig mit evangelischen und katholischen Kirchen, andere (wie die Äthiopier) behielten den julianischen Kalender bei, laut dem der 25. Dezember auf den 7. Jänner des gregorianischen Kalenders fällt.
  • Kopten feiern Weihnachten am 29. Tag des koptischen Monats Khiakh, was dem 7. Jänner im gregorianischen Kalender entspricht. Am Abend des 6. Jänner werden mehrere Messen gefeiert, in denen durch musikalische Gestaltung und Beleuchtung eine besondere Atmosphäre entsteht. Die Symbolik des Lichtes spielt eine zentrale Rolle, da Jesus als Licht der Welt verstanden wird.
  • Die syrisch-orthodoxe Kirche in Österreich feiert Weihnachten am 25. Dezember. Die Feierlichkeiten in der Kirche beginnen um 6.30 Uhr mit Choralgesängen. Es folgt eine mehrstündige Heilige Messe, bei der die Kinder im Mittelpunkt stehen.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführtenIMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 91 % an, Weihnachten zu kennen und 86 %, selbst zu feiern. Vorgegebene Stichworte: Singen vor dem Christbaum, Christmette, Turmblasen.


Quellen: 
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S. 102 f.
Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. Berlin 2003
Günter Stemberger (Hg): 2000 Jahre Christentum. Salzburg 1983. S. 166
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 295 f.
CD Eberhard Kummer - Helga Maria Wolf: Lieder zur Leier und Wissenswertes von Weihnachten. Extraplatte
CD "Die geistliche Nachtigall", Clemencic Consort, 2001 (Arte Nova 74321 88508 2)
"Österreich" 6.5.2014
Ostkirchen
Lichtsymbol Publiziert 23.12.2015


Siehe auch:
--> Geschenke
--> Market-Umfrage
--> ORF-at

Bild 'Feste'

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