Apfel#

Foto: Alfred Wolf
Foto: Alfred Wolf
Als älteste kultivierte Frucht findet er sich vielfach in der Mythologie und Kunst. In der Antike war der Apfel wegen seiner Schönheit und Süße ein Symbol für Liebe, Fruchtbarkeit und Jugend. Die griechischen Götter hüteten in ihrem Garten die goldenen Äpfel der Unsterblichkeit. Es bedurfte einer Heldentat des Herakles, die wertvollen Früchte seinen Wächterinnen, den Hesperiden, zu entwenden. Auch die nordischen Asen verspeisten goldene Äpfel, die ihnen die ewige Jugend bewahrten. Die Göttin Iduna kredenzte sie ihnen zum Klang der Gesänge ihres Götter-Gatten Bragi. Mit dem Raub der Äpfel der Iduna nahte das Ende der Welt. Ebenso preist das Hohelied im Alten Testament, das im 4. oder 5. vorchristlichen Jahrhundert in Palästina entstand, Frucht und Baum: „Ein Apfelbaum unter Waldbäumen ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen.“ (Hld 2,3) 

Hingegen spielt der Apfel angeblich gleich am Beginn der Bibel eine verhängnisvolle Rolle. Künstler sahen ihn als Frucht des mythologischen Paradiesbaumes, der aber genauso gut ein Feigen- oder Kirschbaum, ein Weinstock oder ein anderer Baum sein könnte. Das Christentum deutete den Apfel als Unheil bringende Frucht (lat. malum - Übeltat) und Symbol der Stammmutter Eva. In der Hand Marias, der „neuen Eva“ oder des Jesuskindes wandelt er sich zum Zeichen der Erlösung. Im Mittelalter war der „Reichsapfel“ das Sinnbild der christlichen Weltherrschaft. 

In Mitteleuropa stammen die ältesten Überreste von Wildäpfeln aus der Jungsteinzeit. Um Christi Geburt kannten die Römer 25 veredelte Sorten. Ein Obstbaumverzeichnis aus dem Jahre 813 zeigt, daß Karl der Große auf seinen Gütern mit Vorliebe Apfelbäume - und Nussbäume - anpflanzen ließ. Im Mittelalter haben vor allem die Klöster den Apfel verbreitet und veredelt. Zur Recht versprach man sich vom Genuss Gesundheit. Apfelmost war ein weit verbreitetes Getränk. Der Apfel gilt als "männlicher" Baum, im Gegensatz zur "weiblichen" Birne.

Als eine der wenigen im Winter verfügbaren Obstsorten spielten Äpfel bei Bräuchen in der Weihnachtszeit eine Rolle. Am Heiligen Abend erhoffte man sich vom Apfelgenuss Fruchtbarkeit und Wohlstand. Das Kerngehäuse diente als Orakel, die Kerne wurden aufbewahrt und eingepflanzt. Wer einen Apfel so schälte, dass die Schale nicht abriss, konnte diese ebenfalls als Los gebrauchen: Über die Schulter geworfen, ließ sich daraus einiges über bevorstehende Hochzeiten ablesen. Die haltbaren Äpfel waren der älteste Schmuck des Weihnachtsbaums (Elsass 1605) und das klassische Geschenk des Nikolaus. Für ein Nikolaushäuschen verbindet man vier Äpfel im Quadrat mit Stäben. Senkrecht steckt in jedem ein weiterer Stab, der wieder einen Apfel trägt. Die oberen vier Senkrechten münden in einem Apfel, der eine Kerze hält. Alle Einstichstellen verziert man mit Tannenzweigen. In dem Gebilde steht ein Lebkuchen-Nikolaus oder Zwetschkenkrampus.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 31
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 83 f.