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Apfel#

Bild 'Apfel'
Als älteste kultivierte Frucht findet sich der Apfel (lat. malus) vielfach in der Mythologie und Kunst. In der Antike war er wegen seiner Schönheit und Süße ein Symbol für Liebe, Fruchtbarkeit und Jugend. Die griechischen Götter hüteten in ihrem Garten die goldenen Äpfel der Unsterblichkeit. Es bedurfte einer Heldentat des Herakles, die wertvollen Früchte ihren Wächterinnen, den Hesperiden, zu entwenden. Auch die nordischen Asen verspeisten goldene Äpfel, um die ewige Jugend zu bewahren. Die Göttin Iduna kredenzte sie zum Klang der Gesänge ihres Götter-Gatten Bragi. Mit dem Raub der Äpfel der Iduna nahte das Ende der Welt. Ebenso preist das Hohelied im Alten Testament, das im 4. oder 5. vorchristlichen Jahrhundert in Palästina entstand, Frucht und Baum: „Ein Apfelbaum unter Waldbäumen ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen.“ (Hld 2,3) 

Hingegen spielt der Apfel angeblich gleich am Beginn der Bibel (Gen 2,4-3,24) eine verhängnisvolle Rolle. Künstler sahen ihn als Frucht des mythologischen Paradiesbaums, obwohl der Text nur allgemein von "Früchten der Bäume im Garten" spricht. Das Christentum deutete den Apfel als Unheil bringende Frucht (lat. malum - Übeltat) und Symbol der Stammutter Eva. In der Hand der hl. Maria, der „neuen Eva“ oder des Jesuskindes wandelt er sich zum Zeichen der Erlösung. Beim Adam-und-Eva-Spiel diente ein mit Äpfeln behängtes Bäumchen als Requisit. Im Mittelalter war der „Reichsapfel“ das Sinnbild der christlichen Weltherrschaft. 

In Mitteleuropa stammen die ältesten Überreste von Wildäpfeln aus der Jungsteinzeit. Um Christi Geburt kannten die Römer 25 veredelte Sorten. Ein Obstbaumverzeichnis aus dem Jahre 813 zeigt, dass Karl der Große auf seinen Gütern mit Vorliebe Apfelbäume - und Nussbäume - anpflanzen ließ. Im Mittelalter haben vor allem die Klöster den Apfel verbreitet und veredelt. Zur Recht versprach man sich vom Genuss Gesundheit. Apfelmost war ein weit verbreitetes Getränk. Der Apfel gilt als "männlicher" Baum, im Gegensatz zur "weiblichen" Birne.

Als eine der wenigen im Winter verfügbaren Obstsorten spielten Äpfel bei Bräuchen in der Weihnachtszeit eine Rolle. Am Heiligen Abend erhoffte man sich vom Apfelgenuss Fruchtbarkeit und Wohlstand. Das Kerngehäuse diente als Orakel, die Kerne wurden aufbewahrt und eingepflanzt. Wer einen Apfel so schälte, dass die Schale nicht abriss, konnte diese ebenfalls als Los gebrauchen: Über die Schulter geworfen, ließ sich daraus einiges über bevorstehende Hochzeiten ablesen. Die haltbaren Äpfel waren der älteste Schmuck des Weihnachtsbaums (Elsass 1605) und das klassische Geschenk des Nikolo. Für ein Nikolaushäuschen verbindet man vier Äpfel im Quadrat mit Stäben. Senkrecht steckt in jedem ein weiterer Stab, der wieder einen Apfel trägt. Die oberen vier Senkrechten münden in einen Apfel, der eine Kerze hält. Die Einstichstellen verziert man mit Tannenzweigen. In dem Gebilde steht ein Lebkuchen-Nikolaus oder Zwetschkenkrampus.

Der "Grüne Bericht 2018" des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus beziffert den Pro-Kop-Verbrauch mit 14,1 kg.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 31
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 83 f.
Grüner Bericht

Bild:
Der weiße Klarapfel (Malus domestica) ist eine alte Tafelobstsorte. Er kam um 1850 aus dem Norden nach Mitteleuropa und reift hier ab Mitte Juli. Foto: Alfred Wolf