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Elektro-Phaeton System Lohner-Porsche im Technischen Museum Wien. Foto: Wolf, 2014
Elektro-Phaeton System Lohner-Porsche im Technischen Museum Wien. Foto: Wolf, 2014

Carl Benz (1844-1929) konstruierte 1886 in Mannheim (Deutschland) ein Dreirad mit einem Verbrennungsmotor als Antrieb. Kurz danach folgten unabhängig davon in Cannstatt bei Stuttgart Gottlieb Daimler (1834-1900) und der Mechaniker Siegfried Marcus (1831-1898) in Wien. Marcus baute 1888/89 einen von einem Benzin-Viertaktmotor angetriebenen Wagen mit vier Rädern, der alle wesentlichen Bestandteile eines modernen Automobils aufwies. 

Zu den Wegbereitern der Motorisierung in Wien zählten die Firmen Lohner und Gräf. Ludwig Lohner (1858-1925) stellte 1896 als erster in Österreich Benzin-Automobile her, Ferdinand Porsche (1875-1951) baute in dieser Firma seinen elektrischen Radnabenmotor. Das erste Elektromobil System Lohner-Porsche, war ihr 24.000 Fahrzeug. 1900 war das Elektroauto auf der Pariser Weltausstellung erfolgreich. Danach erzeugte die Firma O-Busse (sie verkehrten bis 1938 in Wien), Feuerwehrautos, Land- und Wasserflugzeuge, nach dem Zweiten Weltkrieg Lohner-Roller. Der Maschinenschlosser und Mechaniker Karl Gräf (1871-1939) baute 1897 den ersten Kraftwagen der Welt mit Vorderradantrieb (jetzt im Technischen Museum), wofür er 1900 ein Patent und 1901 die Silbermedaille der ersten Wiener Automobilausstellung erhielt. 1902 wurde die Firma in "Gräf und Stift OHG", 1907 in "Wiener Automobilfabrik" geändert. Neben Nutz- baute sie Repräsentationsfahrzeuge, wie Rennwagen, den "österreichischen Rolls Royce", den Sechszylinder-Sportwagen der Type "Sp 8" und Galawagen für das Kaiserhaus. Auch das Auto, in dem das Thronfolgerpaar 1914 in Sarajewo ermordet wurde, war ein "Gräf und Stift".

Die Steyr-Werke in Oberösterreich stellten sich nach dem Ersten Weltkrieg von der Waffenproduktion auf den Automobilbau um. Beliebte Typen der Zwischenkriegszeit waren ihre Modelle Steyr 12, 50 und 100. 

Um die Jahrhundertwende gab die Wiener Polizei die ersten "Automobil- und Radfahrordnungen" heraus. 1912/13 erfolgte die Umstellung von Pferdeomnibussen auf Autobusse mit Elektro- oder Benzinbetrieb. Um 2000 wird in Wien jeder vierte Weg zu Fuß, jeder dritte mit Kraftfahrzeugen bzw. öffentlichen Verkehrsmitteln und vier Prozent mit dem Fahrrad zurückgelegt. 

1957 startete im Österreichischen Rundfunk "Autofahrer unterwegs", nach 42 Jahren und 15.000 Ausgaben die, laut Guiness-Buch der Rekorde "älteste bestehende tägliche Rundfunksendung". Das Programm zur Mittagsstunde war eine gelungene Mischung aus Information, Warnungen, guten Nachrichten, Musik und Werbung. Für die anfangs neuen Autoradios gedacht, etablierte sich eine treue Fangemeinde meist nicht Auto fahrender Hörer. Im April 1995 wurde die meist gehörte Sendung zum letzten Mal mit 1,4 Millionen Hörern österreichweit ausgestrahlt und vier Jahre später eingestellt. 

Außer für Technik, Wirtschaft und Umweltschutz ist das Phänomen "Auto" auch für die Volkskunde interessant, beispielsweise durch die Subkultur des Schmückens mit Maskottchen oder Aufklebern, die weißen Kreuze, die der Autofahrerclub ARBÖ als alljährliche Mahnung zu Allerheiligen auf den Straßen aufstellte, oder den "Christophorus-Sonntag - Tag des Straßenverkehrs", an dem man für jeden unfallfrei gefahrenen Kilometer einen Groschen für ein Missionsauto spenden sollte. Damit verbunden ist häufig eine so genannte Autoweihe. Ziel der Autofahrer-Wallfahrt ist St. Christophen in Niederösterreich. 1928 hatte der Wiener Taxifahrer Viktor Heidrich die Fahrzeugsegnung in der Normandie kennengelernt und den Pfarrer von Sankt Christophen dazu motiviert. Dieser, Karl Koch (1872-1940), soll selbst der Sohn eines Kutschers gewesen und daher der Idee sehr aufgeschlossen gewesen sein. Schon im kommenden Jahr kamen viele Autobesitzer. Den Höhepunkt erreichte die Fahrzeugsegnung 1963, als Publikumsliebling Rosemarie Isopp von der damals aus dem AEZ übertragenen Sendung "Autofahrer unterwegs" mit einem Konvoi von 1000 Fahrzeugen von Wien nach Sankt Christophen fuhr.


Quellen:
Karl Brunner, Petra Schneider (Hg.): Umwelt Stadt. Wien 2005. S. 94 f.
Alfred Wolf: Alt-Wiener Wagenbauer und ihre Fahrzeuge. Wien 1967
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 203. S. 130
Helga Maria Wolf (Hg.): Auf Ätherwellen. Wien 2004. S. 50
Wikipedia: Automobil (Abgerufen: 20. September 2008)


Siehe auch:
--> Autoweihe (Historische Bilder)

--> Autoweihe in Sankt Christophen (Video-Album)