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Buchteln#

Buchteln (Wuchteln) aus Germteig zählen zum kulinarischen Erbe Österreich. Sie gelten als Inbegriff des Wiener Kaffeegebäcks. Als klassischer Beitrag der böhmischen Küche sind sie in Wien vermutlich seit der Biedermeierzeit (1815-1848) bekannt. Damals standen böhmische Köchinnen im Dienst vieler Bürgerhäuser. Hefe- oder Germteig (von gären) spielt in der böhmisch beeinflussten Altwiener Mehlspeisenküche und Feinbäckerei eine wichtige Rolle. Die bürgerliche Küche kannte Germteig zwar schon im 17. Jahrhundert, doch erst die Erfindung der Presshefe 1847 machte ihn populär. Das Wort Buchtel leitet sich vom tschechischen "buchtičky" oder "buchta" (Hefegebäck, mit Füllung) ab.

Buchteln werden im Rohr in einer Rein gebacken, mit Powidl (Zwetschkenmus) oder Marillenmarmelade gefüllt und vor dem Servieren mit Vanillesauce übergossen. Man genießt sie als Haupt- oder Nachspeise. Dukatenbuchteln sind eine kleinere, ungefüllte Variante. Ternobuchteln waren im biedermeierlichen Wien die Idee des Wirts beim Agnesbrünnl am Hermannkogel im Wienerwald. Er begann, in Buchteln Glücksnummern für das Zahlenlotto (Terno) einzubacken. Bei den Wallfahrern und Ausflüglern fanden sie reißenden Absatz. Ungefüllte, ungesüßte Buchteln mit eingebrannten Bohnen wurden im Weinviertel (Niederösterreich) als Fastenspeise verzehrt.

In den westlichen Bundesländern heißen die Buchteln "Nudeln". Im Innviertel (Oberösterreich) wurden sie wochentags aus Roggenmehl (roggene Nudeln) und sonntags aus Weizenmehl (woazene Nudeln) zubereitet und mit einer Sauce aus gekochten Dörrzwetschken oder Kletzen gegessen. Im oberen Innviertel aß man sie zur Abendsuppe Im Tennengau (Salzburg) wurden Rohrnudeln früher am Dreikönigsabend und am Ostersonntag verzehrt. In den Rauhnächten gab es Rohrnudeln, die mit Weinbeeren und Butter zubereitet und mit Honig übergossen wurden

Quelle: Kulinarisches Erbe