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Eismänner#

Als Eismänner gelten die Heiligen der Tage vom 12. bis 14. Mai: Pankratius (Märtyrer, + 304), Servatius (Bischof, + um 384), Bonifatius (Märtyrer, + um 307), gefolgt von der "kalten" (oder "nassen") Sophie (Märtyrerin, + 304) 

Aus Erfahrung fürchtet man um diese Zeit noch Fröste und sollte daher manche Garten- und Aussaatarbeit erst nach den Eisheiligen erledigen. Klimatologen bestätigen: Die Bodenfrostwahrscheinlichkeit nimmt im Lauf des Mai ab. Während eine frostige Nacht in Österreich Mitte Mai nichts Ungewöhnliches ist, tritt Frost am Monatsende nur sehr selten auf. Reifheizen, Verbrennen von Reisig mit starker Rauchentwicklung, sollte gegen den Frost helfen. Dem Namensanklang entsprechend legte man am Bonifatiustag Bohnen.

Eismänner ganz anderer Arten gab es im alten Wien. Sie verkauften an jenen Stellen, wo im Winter die Maronibrater saßen, gekühlte Limonaden. Ambulante Eisverkäufer handelten mit Fruchteis, das sie in kleinen, roten Wagen transportierten. Sie zogen durch die Straßen und machten mit einer Glocke auf ihre Anwesenheit aufmerksam. Bis in die 1930er- Jahre waren anstelle elektrisch betriebener Kühlschränke "Eiskasten" üblich. Die mit Blech ausgekleideten Holzkisten wurden mit zerkleinertem Blockeis aus der Kunsteisfabrik (Wien 20, Pasettistraße 71) gekühlt. Eismänner brachten es den Gaststätten, Betrieben und Haushalten. Sie trugen den länglichen, schweren Block, nur isoliert durch einen Jutesack, auf der Schulter und schlugen mit einem Pickel die gewünschte Größe herunter.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 170
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2/S. 154, 158
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 2/Sp. 742 f.
Andreas Jäger - Manfred Bauer-Mirecka: Das Wetterjahr in Österreich. Wien 1999