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Heiliges Grab#

Im Widerspruch zum Ernst und zur Kargheit der Liturgie am Karfreitag steht das "Heilige Grab" in seiner Pracht. Zur Zeit der Kreuzzüge entstanden überall in Europa Nachbildungen der Jerusalemer Grabkapelle. In der Barockzeit erlebten diese eine Hochblüte. In den Kirchen stellte man Nachbildungen des Felsengrabs auf, legte eine Holzfigur hinein und hielt die Grabwache. Oft war damit die Anbetung des Allerheiligsten verbunden. Zu Ostern bildete das Grab die Kulisse für die geistlichen Schauspiele der Auferstehung Christi.

Spätgotische Jesusfigur, Meister des Heiligen Grabes, im Stiftsmuseum Klosterneuburg

Im Stephansdom lässt sich der Brauch schon um 1400 nachweisen. Das "Grab" war eine Holztruhe, deren Deckel Auferstehungsszenen zeigte. Die Schmalseiten zeigten die schlafenden Wächter. Wenn in der Osternachtsfeier der Deckel geöffnet wurde, erblickte man auf der Innenseite die Frauen und den Engel am leeren Grab. Manche Kirchen schufen jedes Jahr neue, effektvolle Dekorationen. In der Zwischenkriegszeit war der Besuch der Heiligen Graber so beliebt, dass der geregelte Besuch kaum mehr möglich war. Einige Anlagen waren als Felsengrotten gestaltet, andere zeichneten sich durch üppigen Blumenschmuck und "zauberhafte Beleuchtung" aus. Junge Männer im Kostüm römischer Legionäre hielten die Ehrenwache. Kongregationen waren zum 40-stündigen Gebet anwesend.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden viele Heilige Gräber nicht mehr aufgebaut. In den letzten Jahren erleben sie eine Renaissance.

Ein künstlerisch besonders wertvolles Beispiel wurde vom Bundesdenkmalamt 2012 in der Stiftskirche Garsten, OÖ, restauriert. Es stammt vom Barockmaler Johann Wenzel Bergl. Die bis zu ca. 8m hohe und ca. 7m breite Kulissenarchitektur gliedert die Apsis der Losensteinerkapelle in fünf Ebenen und schafft so einen scheinbar realen Raum, dessen figurale Malerei den direkten Bezug zum Heiligen Grab aufnimmt. Es war zumindest bis 1902 in Verwendung und ist nun deponiert.

Heiliges Grab in der Dominikanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Dominikanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Franziskanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Franziskanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Lichtentaler Kirche, Wien 9
Heiliges Grab in der Lichtentaler Kirche, Wien 9

Heiliges Grab in der Jesuitenkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Jesuitenkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Pfarrkirche Nussdorf, Wien 19
Heiliges Grab in der Pfarrkirche Nussdorf, Wien 19
Heiliges Grab in der Peterskirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Peterskirche, Wien 1


Fotos: Doris Wolf, Karsamstag 2013

Vergleiche zeigen, dass sich die Dekoration auch bei traditionellen Einrichtungen immer wieder verändert.

Heiliges Grab in der Lorettokapelle, Augustinerkirche, Wien
Heiliges Grab in der Lorettokapelle, Augustinerkirche, Wien
Altarraum in der Augustinerkirche, Wien 1
Altarraum in der Augustinerkirche, Wien 1
Entfernen des Fastentuchs in der Deutchordenskirche, Wien 1
Entfernen des Fastentuchs in der Deutchordenskirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Dominikanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Dominikanerkirche, Wien 1
Altarraum in der Dominikanerkirche, Wien 1
Altarraum in der Dominikanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Franziskanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Franziskanerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Jesuitenkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Jesuitenkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Michaelerkirche, Wien 1
Heiliges Grab in der Michaelerkirche, Wien 1
Lichtentaler Kirche, Wien 9
Lichtentaler Kirche, Wien 9
Heiliges Grab in der Servitenkirche, Wien 9
Heiliges Grab in der Servitenkirche, Wien 9
Altar in der Servitenkirche, Wien 9
Altar in der Servitenkirche, Wien 9

Fotos: Doris Wolf, Karsamstag 2015