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Wiener Würstelstand. Foto: Doris Wolf, 2012
Wiener Würstelstand. Foto: Doris Wolf, 2012

Der Würstelstand ist die Wiener Variante einer Imbisshütte. Die meisten haben bis spät in die Nacht geöffnet. Das Standardangebot umfasst Frankfurter, Debreziner, Käsekrainer, Burenwurst und Leberkäse. Als Beilagen gibt es Senf, Kren, Zwiebel oder Essiggurkerl. Auch alkoholische und Erfrischungs-Getränke sind zu haben. Die Würstelmänner der Zwischenkriegszeit waren mobil. Im Aufbau ihres Wagens erhitzten sie die Speisen und reichten sie ihren Kunden, die an Ort und Stelle Speisen und Getränke konsumierten. Durch den gemeinsamen Verzehr entwickelte sich eine Art Subkultur, die sich auch in Insiderbezeichnungen für die Waren spiegelte (z.B. "Haaße" - Heiße Wurst; "Bugl" - Brotscherzel, "33er-Blech" - Dose Bier). Die meisten Wiener Würstelstände sind Kioske mit festem Standort, dazu kommen Imbissstände mit internationalem Angebot wie Pizza oder Kebab. Als ältester seiner Art gilt Leo’s Würstelstand, in der Nähe des legendären "Auge Gottes" (Kino) Ecke Währinger Gürtel, Nussdorfer Straße. Er besteht seit 1928.

Vorläufer der Wiener Würstelstände waren die Bratelbrater, die zu Marktzeiten und bei Kirchweihfesten in kleinen Öfen Würste brieten. 1649 bestätigte der Wiener Magistrat ihre Bruderschaft. Um 1800 traten die Bratelbrater der Vereinigung der Selcher bei und betrieben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Gewerbe.

"A klasse Haasse" nennt man besonders wohlschmeckende Würstel, wie die paarweise abgegebenen "Frankfurter". Auf seiner Gesellenwanderung kam der Fleischhauer Johann Georg Lahner (1772-1845) 1798 nach Wien. Nach sechs Jahren eröffnete er ein eigenes Geschäft in der Vorstadt Schottenfeld (Wien 7). 1843 erwarb er das Wiener Bürgerrecht. Lahner gilt als Erfinder der Würstel, die er in Erinnerung an seine Lehrzeit "Frankfurter" nannte, und die in Deutschland "Wiener" heißen. Die Spezialität aus Rind- und Schweinefleisch erfreute sich rasch großer Beliebtheit, auch Kaiser Franz I. und auswärtige Kunden (wie Adalbert Stifter in Linz) ließen sich damit beliefern. In der zweiten Jahrhunderthälfte waren die Würstel eine Delikatesse auf den Weltausstellungen von Paris (1855) und Chicago (1893).


Siehe auch:
Buch über Würstelstände