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Der Hammer#

von Peter Diem

Bergmannszeichen bei Bad Aussee - Foto: P. Diem
Bergmannszeichen bei Bad Aussee - Foto: P. Diem
Als Werkzeug und/oder Waffe hat der Hammer die Menschheit seit urdenklichen Zeiten begleitet. Es ist daher kein Wunder, dass dieses Symbol der Kraft und Macht vielen männlichen Herrschergöttern zugeordnet wurde. Schon der etruskische Todesdämon Cham trug als Symbol seiner Vernichtungskraft einen doppelstieligen Hammer (Wandmalerei in einem Grab von Tarquinia).

Dem griechischen Gott Hephaistos (lat. Vulcanus) war der Hammer ebenfalls zu eigen. Mit seiner Hilfe schmiedete er die Kette, die Prometheus an den Kaukasus fesselte, die Donnerkeile des Zeus und die Pfeile für Artemis und Apollo.

Bei den Germanen wurde der Hammer, als dem Donner verwandt, dem Donnergott Thor beigegeben. Thors doppelköpfiger Hammer („Mjölnir", d. i. „Zermalmer") verfehlte beim Wurf niemals sein Ziel, zerschmetterte dieses und kehrte danach wie ein Bumerang zu seinem Herrn zurück. Thors Hammer war aber auch ein segenspendendes Symbol, so etwa durch seine Funktion bei der Sanktionierung von Eheschließungen in der Edda: Um den ihm von Thrym, dem Herrscher der Riesen, entwendeten Hammer zurückzugewinnen, lässt sich Thor, als Braut verkleidet, Thrym zuführen. Als die Braut mit dem Hammer geweiht werden soll, gelangt der Donnergott wieder in den Besitz seiner tödlichen Waffe und rottet damit die feindlichen Riesen aus.

Zusammen mit dem Amboss (als weiblichem Gegenpart - Dualsystem!) bildet der Hammer ein Sinnbild für die gesamten Gestaltungskräfte der Natur.

Aus einem Symbol für Herrschaftsanspruch (Attila etwa bezeichnete sich als "Hammer des Erdkreises") entwickelte sich der Hammer zum Zeichen von Gerechtigkeit und Sühne. Er wird noch heute als Instrument des Vorsitzenden einer Versammlung, eines Gerichts oder einer Auktion verwendet, ohne dass es dabei um mehr als einen symbolischen Akt geht.

Gleichermaßen ist es eine symbolische Handlung, wenn nach dem Tod eines Papstes mit einem goldenen Hammer dreimal an die Wände des Sterbegemaches gepocht wird, um den Tod gewissermaßen „rechtskräftig" zu machen.

Bei den Freimaurern symbolisiert der Hammer die an der Vernunft orientierte Willenskraft. Ein Steinmetzschlegel oder ein zweiköpfiger Hammer ist das Symbol des Meisters einer Loge und der beiden Aufseher. Der Spitzhammer ist das Symbol für die Bearbeitung des noch „rauhen Steins", des Lehrlings.

Hammer und Schlägel (bergmännisch für Schlegel) in gekreuzter Form bilden das in Österreich viel verwendete Bergwerkszeichen.

Bild 'schlaegel'
Bild 'schlaegel_verkehrt'
Die gekreuzte Form galt schon im Zeichensystem der Runen als glücksbringend.

In verkehrter Richtung angeordnet, bezeichnen Hammer und Schlägel auf Landkarten ein aufgelassenes Bergwerk oder einen stillgelegten Tagbau. Stirbt ein Bergmann oder Gewerke (Bergwerksbesitzer), trägt die Todesanzeige ebenfalls das auf dem Kopf stehende Bergmannszeichen.



Bild 'Hammerundhaende'
Für die Arbeiterbewegung ist der Hammer das Symbol des industriellen Fleißes. Er spielt als Werkzeug der bis heute sehr „durchschlagskräftigen" Metallarbeiter in der Symbolik der frühen österreichischen Sozialdemokratie eine große Rolle. In die verschlungenen Hände integriert, ist der Hammer immer wieder präsent - nicht zuletzt auch durch das bis in die Zweite Republik populäre „Hammerbrot"

--> Josef Seiter, „Blutigrot und silbrig hell. . ." Wien 1991, 66 f.

In der politischen Symbolik der Gegenwart tritt der Hammer sehr oft in Kombination mit einem zweiten Gegenstand auf: Hammer und Sichel, Hammer und Zirkel, Hammer und Ähre.



--> Boliviens Präsident Evo Morales schenkt Papst Franziskus einen Hammer mit Kruzifix und Sichel

Der Hammer im Wappen und in der Hymne#

Bild 'hammerwappen'
Für Österreich ist der Hammer vor allem deswegen bedeutsam, weil er sowohl in den ursprünglichen Entwürfen für das Wappen der Republik (ein vertikal stehender Hammer sowie zwei gekreuzte Hämmer) vorkam als auch eines der vier Attribute des gegenwärtigen Wappenadlers darstellt.

Auch in der geltenden Bundeshymne kommt er vor („Land der Hämmer zukunftsreich"), ebenso auch schon im Text der Renner-Hymne "Deutsch-Österreich ..."